Von Hollywood verschaukelt oder wie die Hollywoodschaukel zu ihrem Namen kam

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Haustür auf und das Abenteuer Garten kann beginnen. Dort thront zwischen Rosen, Kompost und Hundespielzeug die Hollywoodschaukel. Sie wird nicht wirklich geliebt und keiner weiß, wie sie eigentlich dorthin gekommen ist. Oma und Opa schaukeln gelegentlich und die Kinder missbrauchen die sperrige Konstruktion hin und wieder als Floß, Eisbrecher und Jumbo Jet.

Mitten in dieser sonntäglichen Familienharmonie stellt sich vielleicht die Frage: Warum heißt dieses nostalgische Etwas nun eigentlich Hollywoodschaukel? Blöde Frage! Weiß doch jeder, weil sie eben nach Hollywood benannt ist. Falsch - auch wenn wir es den Amerikanern sofort abnehmen würden.

Mythos Amerika, das Land hat Trump gewählt, warum soll es nicht die Hollywoodschaukel erfunden haben. Als Ausgleich zu Hektik und Stress, als Ruhepool…

Die Wahrheit ist, der Amerikaner hat bei dem Begriff Hollywoodschaukel lediglich ein Fragezeichen im Gesicht. Die Amis fühlen sich angesichts ihrer berühmten Filmstadt geradezu verschaukelt.

Was wir Hollywoodschaukel nennen, heißt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten "porch swing", also Veranda-Schaukel.

Wer die Hollywoodschaukel nun wirklich erfunden hat, ist nicht bekannt. Seit 1909 sind Hollywoodschaukeln aus England überliefert. Nach Deutschland schwappte der Schaukel-Boom tatsächlich aus Hollywood herüber. Als Kulisse diverser Hollywoodfilme wurden die Gartenmöbel zum Inbegriff für die kleine große Freiheit im Zeichen des Wirtschaftswunders.

Grelle Muster, bunte Auflagen gemütliche Schlummerrollen weckten Lust auf Urlaub und exotische Länder. In den 1950er Jahren wollte sie plötzlich jeder. Schaukeln gehörte zum guten Ton, wenn möglich im Hawaiihemd und mit einem kühlen Cocktail in der Hand.

Gestreifte Hollywoodschaukeln fristen heute in so manchem Kleingarten ein eher trauriges Dasein. Doch wirklich totzukriegen sind die Schaukeln nicht. Auf den ersten Blick sind sie oft nicht mehr wiederzuerkennen.

Während weiterhin straff geschaukelt wird, gibt sich die Schaukel optisch eher dezent. Die klobige Holzschaukel ist der leichten Aluminium- oder Edelstahlkonstruktion gewichen. Das Dach haben manche Modelle komplett eingebüßt. Einige Schaukeln bewegen sich an Seilen und ähneln damit der Hängematte.

Die wirklich großen Erinnerungen an die Hollywoodschaukel liegen in der Vergangenheit. In den 1970er Jahren lud Margret Dünser auf die "V.I.P.-Schaukel". Promis nahmen auf der Hollywoodschaukel Platz und verhalfen dieser zu neuer Ehre. War ein Amerikaner unter den illustren Gästen, staunte dieser nicht schlecht.

Dabei steht die Hollywoodschaukel nicht allein. Auch einige weitere Begriffe, die für uns selbstverständlich aus dem Englischen entlehnt sind, kennt der Amerikaner nicht.

Allem voran das Handy, liebstes Kind des Deutschen. Der Amerikaner kennt den Begriff als "praktisch" oder "handlich", aber nicht als Telefon am Ohr. Stattdessen greift der Ami zum "Cell Phone".

Treffen wir uns zum Public Viewing und sehen Jogis Jungs über die Leinwand flitzen, verbinden die Amerikaner einen weniger erfreulichen Anlass damit, nämlich die öffentliche Aufbewahrung von Verstorbenen.

Ein Oldtimer ist in Amerika keine Vehikel auf vier Rädern, sondern ein betagter Zweibeiner. Die Fahrzeuge bezeichnen sie als "Vintage Car".

Während wir einen Evergreen anstimmen, bezeichnet der Amerikaner damit eine immergrüne Pflanze und schon sind wir wieder im Garten angekommen, wo die Hollywoodschaukel wohl noch so manche Generation überdauern wird.

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Iris123

Iris123 bewertete diesen Eintrag 28.08.2019 14:13:49

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