Wieso es in Ordnung ist, Fehler zu machen

Jeder kennt es: Man macht etwas falsch, aber die falsche Variante ist irgendwie auch ganz nett. Manche Menschen lesen beispielsweise bei komplexen Spielen die Anleitung nicht und spielen eine komplette andere Variante. Das fällt aber keinem auf, da die falsche Variante auch Spaß macht. Deshalb haben wir ein paar lustige Erfindungen herausgesucht, die aus Versehen erfunden wurden.

Gerichte und Essbares

Die wohl bekannteste zufällige Erfindung sind die Kellogg's Cornflakes. Benannt nach ihrem Erfinder Dr. Kellogg zählen Cornflakes von Kellogg's bis heute als eine der beliebtesten Frühstückszerealien weltweit. Erfunden hat sie Doktor Kellogg damals aber durch reinen Zufall. Nach einem langen Arbeitstag war in einer Schüssel gekochter Weizen übrig geblieben, der über Nacht fest getrocknet ist. Der fleißige Doktor wollte den Weizen aber nicht wegwerfen, deshalb walzte er ihn und röstete ihn im Ofen. Die Cornflakes waren geboren.

Auch das Eis am Stiel ist eine zufällige Erfindung: Es wurde lediglich eine Limonade aus Versehen über Nacht draußen stehen gelassen. In der eiskalten Nacht gefror die Limonade schließlich. Nachdem zuvor zum Mischen der Limonade ein Holzstiel benutzt wurde, steckte dieser nun fest in dem gefrorenen Saft. Diesen Holzstiel konnte man natürlich optimal nutzen, um das Eis herauszuziehen und festzuhalten. Die Erfindung wurde patentiert und damit war das Eis am Stiel geboren.

Wer heute Chips isst, wird sicherlich nicht an Bratkartoffeln denken, vielleicht dann doch eher an englische Pommes. Allerdings sind Bratkartoffeln für die Entstehung der Chips verantwortlich. Der Koch George Crum wollte einen nervigen Gast zufriedenstellen, der sich wiederholt über zu dicken Bratkartoffeln beschwerte. Erst als er sie so dünn schnitt, dass man sie nicht mehr mit der Gabel essen konnte, war der Gast zufrieden. Die Chips wurden später als Saratoga Chips in die Speisekarte aufgenommen.

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Zufällig entdeckte Spiele

Natürlich wurden auch viele Spiele rein zufällig bzw. aus Versehen entdeckt. Viele dieser Spiele werden noch aktiv gespielt und wir alle kennen sie.

Unser erstes sehr bekanntes Beispiel: Roulette. Die Erfindung dieses Spiels wird oft fälschlicherweise dem Franzosen Blaise Pascal zugeschrieben. Der Mathematiker verfasste nämlich 1658 die Histoire de la roulette und Suite de l’histoire de la roulette. Diese handeln aber nicht vom uns bekannten Roulette. In Wirklichkeit liegt der Ursprung von Roulette in einem mittelalterlichen Glücksrad, dem Rad der Fortuna. Anstatt eines aufrecht stehenden Glücksrades liegt Roulette horizontal. Früher spielte man das Spiel noch mit der sogenannten Doppel-Null, also 0 und 00, in den USA ist die Double Zero noch heute üblich. Weltweit wird Roulette heute in vielen verschiedenen Variationen gespielt, die Variante mit nur einer Null ist die üblichste. Diese wurde von François Blanc im Jahre 1841 eingeführt, um den Vorteil des Casinos gegenüber den Spielern zu verringern (House Edge). Das machte sein Casino in Bad Homburg attraktiver für Spieler und verschaffte ihm somit einen guten Wettbewerbsvorteil.

Es gibt natürlich auch passende Beispiele aus dem Sport. Die uns allen bekannte Sportart Basketball hätte man fast „Boxball“ genannt. Der kanadische Arzt und Pädagoge James Naismith wollte zuerst enge Holzkisten als „Tore“, aber da Hausmeister Pop Stebbins keine fand, besorgte er stattdessen Pfirsichkörbe. Wer weiß, wie interessant oder uninteressant Basketball gewesen wäre, wenn man Kisten anstatt Körbe benutzt hätte? Der Unterschied mag minimal erscheinen, allerdings rollt und fällt ein Ball anders, wenn man ihn auf eine runde oder eckige Kante wirft. Diese kleine Ungenauigkeit des Hausmeisters bleibt uns bis heute in Form der weltweit verbreiteten Basketballkörbe erhalten.

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Zufällig erfundene Geräte

Viele Maschinen und Geräte, die heute unseren Alltag prägen, wurden aus Versehen entdeckt.

Ein Beispiel dafür ist die uns allen bekannte Mikrowelle. Der US-Amerikaner Percy Spencer bemerkte bei der Arbeit an einem Radargerät, dass ein Schokoriegel in seiner Tasche zu schmelzen begann. Da er bereits über 100 Patente besaß und mit Experimenten bereits gut vertraut war, wusste er genau, was in diesem Fall zu tun war. Er experimentierte weiter und fand schließlich einen sinnvollen Verwendungszweck in Form eines Herdes bzw. Ofens. Wenig später baute er den ersten „Radarherd“, den Vorgänger der Mikrowelle. Die Mikrowelle ist auch heute noch ein riesiger Erfolg, in den USA besaßen 1997 circa 95 % aller Haushalte mindestens eine Mikrowelle. In Deutschland fand man erst etwas später Gefallen daran, im Jahre 2016 fand man in circa 74 % der Haushalte eine Mikrowelle.

Eine der größten medizinischen Erfindungen verdanken wir ebenfalls einem glücklichen Zufall. Während der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen gerade an Kathodenstrahlen forschte, fiel ihm ein leuchtendes Stück Papier auf. Das Stück Papier war mit einem Material beschichtet, das unter ultraviolettem Licht und unter Kathodenstrahlung leuchtet. Wenig später veröffentlichte er seine Forschung unter dem Titel „Über eine neue Art von Strahlen“. In den ersten Veröffentlichungen um die Röntgenstrahlen wurde diese noch „X-Strahlen“ genannt. Wilhelm Röntgen bildete ein Röntgenbild der Hand seiner Frau ab und das wirkte natürlich äußerst beeindruckend und unterstrich das medizinische Potenzial seiner zufälligen Erfindung enorm.

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Eine weitere extrem nützliche Maschine, die aus einem Fehler heraus entstand, ist der Herzschrittmacher. Als der US-amerikanische Erfinder Wilson Greatbatch 1956 von seinem Arbeitgeber damit beauftragt wurde, einen Oszillator zur Messung und Aufzeichnung von Herzschlägen zu bauen, wählte er aus Versehen einen falschen Widerstand. Anstatt zu oszillieren, produzierte dieser ein ungleichmäßiges Signal mit einem raschen Puls, dem ein Intervall folgte. Außerdem brauchte sein Gerät kaum Strom. Als er das enorme Potenzial dieser Erfindung erkannte, kündigte er seinen Job und startete eine Werkstatt in seiner Scheune. Nur zwei Jahre später fragte ihn ein Chirurg wegen einem anderen medizinischen Gerät um Hilfe. Dabei fragte Wilson Greatbach ihn, ob er Verwendung für einen sehr kleinen Herzschrittmacher habe. Der Chirurg antwortete ihm, dass ein solches Gerät jährlich unzählige Leben retten könnte. Wieder zwei Jahre später wurde der erste kleine Herzschrittmacher in einen 77-jährigen Patienten implantiert, der einen unregelmäßigen Herzschlag hatte.

Manchmal können kleine Fehler zu bahnbrechenden Erfindungen führen - das wurde in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Egal, ob leckeres neues Essen, ein interessantes neues Spiel oder lebensrettende medizinische Maschinen, ein kleiner Fehler kann manchmal einen großen, positiven Einfluss auf den Lauf der Welt nehmen, mit dem man so nie gerechnet hätte.

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Petra vom Frankenwald

Petra vom Frankenwald bewertete diesen Eintrag 03.03.2021 11:15:38

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