lokale Arbeitervereinigung vor allem in der Entstehungszeit einer selbständigen Arbeiterbewegung. Obgleich die Arbeitervereine aus dem spontanen Streben der Arbeiter nach selbständiger Organisation hervorgingen, gerieten sie anfangs meist unter bürgerlichen oder kleinbürgerlichen Einfluß. Zum Teil wurden Arbeitervereine selbst von bürgerlichen Kräften gegründet, um die Arbeiter ideologisch und politisch bevormunden und vom ökonomischen und politischen Klassenkampf abhalten zu können. Dasselbe Ziel verfolgten auch die von kirchlichen Kreisen gebildeten Arbeitervereine (z.B. die Kolping-Vereine). Geistige und politische Bildung standen in den Arbeitervereinen fast durchweg an erster Stelle, weshalb sie sich sehr oft Arbeiterbildungsvereine nannten. Die ersten deutschen Arbeitervereine entstanden in den 30er Jahren des 19. Jh. außerhalb Deutschlands, oftmals auf Initiative fortgeschrittener Arbeiterrevolutionäre aus dem Bund der Gerechten. In den Arbeitervereinen verbreiteten die Bundesmitglieder ihre kommunistischen Anschauungen. Der Bund der Kommunisten setzte die Gründung von Arbeitervereinen fort (z.B. Brüsseler Deutscher Arbeiterverein, Aug. 1847). Während der Revolution von 1848/49 in Deutschland entstanden erstmals massenhaft Arbeitervereine verschiedenen Charakters (politische Arbeitervereine, Gewerkvereine, Genossenschaftsvereine), oft unter dem Einfluß von Mitgliedern des Bundes der Kommunisten. Die Arbeitervereine schlossen sich teilweise bereits zu überlokalen Vereinigungen wie der Arbeiterverbrüderung zusammen, begannen die bürgerliche bzw. kleinbürgerliche Bevormundung zu überwinden und strebten unter dem Einfluß der von K. Marx geleiteten "Neuen Rheinischen Zeitung" zur Bildung einer Arbeiterpartei. Nach der Niederlage der Revolution wurden sie von der Reaktion größtenteils unterdrückt, nahmen etwa ab 1860 jedoch einen neuen Aufschwung. Teils spontan entstanden, teils von der Bourgeoisie gegründet, um die Arbeiter ideologisch beeinflussen zu können, bildeten sie die Basis der sich verselbständigenden Massenbewegungen der deutschen Arbeiterklasse. 1863 wurde von einer fortgeschrittenen Minderheit von Arbeitervereinen in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein gegründet. (Lassalleanismus) Im gleichen Jahr entstand der Verband Deutscher Arbeitervereine, der die Mehrheit der zunächst noch ganz unter bürgerlichem Einfluß stehenden deutschen Arbeitervereine repräsentierte. Im Rahmen dieses Verbandes vollzog sich die politische und ideologische Emanzipation der Arbeitervereine; 1869 ging aus ihm die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (Eisenacher Partei) hervor. Mit der Gründung dieser Partei waren die Arbeitervereine in Deutschland historisch überlebt. Unter dem Sozialistengesetz fungierten Arbeitervereine als zeitweilige Tarnorganisationen der verbotenen und verfolgten Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. (Seite 60)

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