Befreiung und Emanzipation müssen Wegweiser der Sozialisten bleiben

Auf das Argument, die Impfung sei prinzipiell zu befürworten, weil man doch einen "Anspruch auf die Gesundheitsleistung hätte": Vor der Coronapandemie war es stets Sache des behandelnden Arztes und seines Patienten, auf welche Behandlung sich geeinigt wurde, welche Maßnahmen ergriffen wurden. Es gab keine Pflicht zur Behandlung, höchstens eine Empfehlung für eine bestimmte, vorzuziehende Vorgehensweise mit dem Verweis, falls man diese ablehnt, dann eventuell für spätere Folgeschäden die Kosten selber zahlen zu müssen.

Dieses Prinzip der Wahlfreiheit war deshalb im uns bekannten Gesundheitssystem so wichtig, weil der Patient sich genau auf dieser Grundlage eben entscheiden konnte, wer ihn behandelt. Also, er konnte zum Beispiel gegebenenfalls eine 2. Meinung einholen, oder den Arzt wechseln. Die Politik hatte sich noch nie in diesen Prozess einzumischen, auch nicht in die Behandlungsweise, die ein Arzt vorschlug. Handelte ein Arzt fahrlässig oder unethisch, war das ein Fall für die Justiz, aber nicht für die Politik. Lediglich bestand bei Hochansteckungsgefahr (z.B. bei TBC) eine Meldepflicht und es galten bestimmte Vorsichtsmaßnahmen. Mir fiele kein Beispiel ein, wann je ein Behandlungszwang bestand.

Von einem "Anspruch auf eine Gesundheitsleistung" kann also überhaupt nur die Rede sein, wenn diese Wahlfreiheit gegeben ist, ansonsten ist es ein Gesundheitsdiktat.

Übrigens ist die Freiheit sterben zu dürfen oder überhaupt über den eigenen Tod zu entscheiden auch oder gerade aus sozialistischer Sicht zu befürworten.

Für den Schutz zu argumentieren, ist genauso wenig universal sozialistisch, wie das Allgemeinwohl vor das Eigenwohl zu stellen. Genauso ist Freiheit nicht prinzipiell kapitalismuskonform und individualistisch. Für den Sozialismus ist entscheidend, WER PROFITIERT.

Der entscheidende Unterschied besteht darin, ob es sich um eine Politik der Ausbeutung der Arbeiterklasse, der Repression handelt oder ob tatsächlich im Interesse der Allgemeinheit, der Mehrheit gehandelt wird. Wird versucht, Klassenunterschiede zu beseitigen? Diesen Unterschied spüren klassenbewusste Menschen ohne jegliches Wissen darüber.

Es ist unsinnig, dem Sozialismus bestimmte Allgemeinformeln zuzuschreiben und nach diesen etwas abzuleiten. Es ist übrigens auch nicht dialektisch. Solche Zwangskategorisierungen verhindern den Fortschritt, die Emanzipation, sind also in ihrem Charakter auch wieder reaktionär.

Es hat vielleicht noch nie einen solchen Anschlag auf den Sozialismus als Weltanschauung gegeben, dass schon beinahe alles entrissen und verfälscht wurde, was man mit ihm in Verbindung bringt. Begriffe wie Solidarität, Schutz, Allgemeinwohl, Kollektiv oder links dürften jetzt für viele Menschen für immer madig gemacht worden sein.

Man muss es eigentlich für eine Riesen PR des Kapitalismus halten mit irreparablem Schaden. So mancher sich selbst so bezeichnende Sozialist hat sich für diese leider auch noch einspannen lassen und sich selbst demontiert.

Wer aus opportunistischen Gründen solche Fehler macht, der begeht übrigens Hochverrat und wird zum Klassenfeind.

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pirandello

pirandello bewertete diesen Eintrag 25.11.2021 22:43:35

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