Der Widerspruch zwischen Netanyahus Israel und der jüdischen Diaspora

Der Holocaust und das Existenzrecht des jüdischen Staates hängen untrennbar zusammen. Alles, was den jüdischen Staat kritisiert, stellt ihn demnach in Frage, und kann als Antisemitismus ausgelegt werden. Der Holocaust ist das letzte Argument.

Demnach ist interessant zu sehen, in welchem Widerspruch die konsequentesten Unterstützer Israels zur Solidarität mit den Juden stehen.

Das zeigte sich zum Beispiel an den geladenen Gästen bei der Eröffnungsfeier der US-Botschaft in Jerusalem, John Hagee und Robert Jeffress, beide US-amerikanische Prediger mit extremen, verschwörerischen Ansichten. John Hagee erregte in den 90ern Aufsehen mit seiner Aussage, dass „Hitler ein von Gott gesandter Jäger“ war, der „Gottes Willen der Errichtung eines jüdischen Staates ausführte“. Weiter predigte er: „Und die Jäger sollen sie (die Juden) jagen.“ Er führte aus, dass die Juden, die Theodor Herzls Aufforderung, nach Israel zu kommen, nicht folgten, durch die „Hölle des Holocausts gingen“.

https://www.huffingtonpost.com/2008/05/21/mccain-backer-hagee-said_n_102892.html

Der katholische Prediger Robert Jeffress, der ähnliche (sympathisierende) Thesen über Hitler anführt, sieht Juden gar als Ungläubige, die „zur Hölle gehen“.

https://www.nytimes.com/2018/05/14/world/middleeast/robert-jeffress-embassy-jerusalem-us.html

Netanyahu selbst provozierte 2015 auf dem World Zionist Congress mit der Aussage, Hitler hätte die Juden ja „nicht ausrotten wollen, er wollte sie nur ausweisen.“ Der arabische Großmufti Haj Amin al-Husseini hätte dann Hitler angestiftet dazu, die Juden „zu verbrennen“, damit sie nicht alle nach Palästina kämen.

https://www.haaretz.com/israel-news/netanyahu-absolves-hitler-of-guilt-1.5411578

Die Ansichten, die israelische Hardliner und ihre extremistischen US-Unterstützer gemeinsam haben, werden dagegen von wenigen geteilt. „Solidarität mit Israel“ ist eben nicht zu verwechseln mit Solidarität mit den Juden.

Der Freitag schreibt: „Für die meisten amerikanischen Juden, vor allem die, die sich selbst noch immer als Unterstützer Israels betrachten, stellte die Feier einen Schlag in die Magengrube dar. Nicht nur sind Hagee und Jeffress für sie völlig inakzeptabel. Der tosende Applaus, der Trumps Video-Grüßen vorausging, betont die wachsende Kluft zwischen Israel und der größten jüdischen Diaspora: Für liberale Amerikaner, Juden und Nicht-Juden, gibt es keinen schwerwiegenderen Beleg für ihre Distanz zu Netanjahus Israel und dessen Rechtskurs als die Umarmung eines US-Präsidenten, der ihnen als akute Gefahr für die Werte der Aufklärung gilt.“

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/schlag-in-die-magengrube

Man kann feststellen, dass die rechten Unterstützer Israels eine Minderheit sind, die auf immer weniger Sympathie stoßen. Das harte Vorgehen gegen die palästinensischen Demonstranten isoliert Israel und die USA zunehmend und der weltweite Widerstand wächst. Das Verlegen der US -amerikanischen Botschaft nach Jerusalem ist ein kurzer, triumphaler Sieg einer kleinen Elite, deren sektenmäßige Verbundenheit und messianische Ansichten ihr Ansehen auf der Weltbühne sinken lässt.

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