Die in der Frauenpolitik so propagierte Frauenquote kommt sehr emanzipatorisch daher und scheint es mit dem Patriarchat aufnehmen zu wollen. So wird sie natürlich auch von vielen „Emanzen“ unterstützt und zwar in der Regel von jenen, die berufstätig sind, ob gleichzeitig Mütter oder nicht, und beruflich vorankommen wollen. Nur eine berufstätige Frau ist heutzutage eine gute Frau und die perfekte Frau ist gemäß dieses Frauenbildes diejenige, die Kinder und Karriere locker unter einen Hut bringen kann. Wer folglich als Frau der Frauenquote nicht unbedingt zustimmt, ist eine Verräterin. Was uns Frauen angebliche Vorteile verschafft, dem hätte man doch zuzustimmen, oder nicht? Aber sind das wirkliche Vorteile?

Von Fortschritt in der Frauenpolitik kann man meines Erachtens nur dann sprechen, wenn Frauen eine tatsächliche Wahlfreiheit haben. Wenn sie sich dazu entscheiden können a) Kinder zu bekommen b) keine Kinder zu bekommen und sich stattdessen der Karriere zu widmen oder c) Kinder zu bekommen und gleichzeitig Karriere machen zu können

UND KEINE DIESER OPTIONEN SIE IN EINE PREKÄRE SITUATION BRINGT!

In Wirklichkeit kann man doch von einer Freiwilligkeit garnicht sprechen. Bei den meisten Frauen und Müttern besteht ein Zwang zur Erwerbstätigkeit und dieser Umstand hat sich in den letzten 20 Jahren sogar noch verschärft. In den meisten Familien reicht ein Einkommen heute schlichtweg nicht aus. Die wirtschaftliche Ausbeutung der Frau, der schwierige Spagat, den Frauen zu bewerkstelligen haben zwischen Beruf und Familie, als Emanzipation zu verkaufen, ist der blanke Hohn. Was sich eigentlich verschlechtert hat, wird als Fortschritt verschleiert.

Aber nicht nur das. Auch das Argument, man würde es bei der Forderung nach einer Frauenquote mit dem System des Patriarchats aufnehmen wollen, bezweifle ich stark. Das Wesen des Patriarchats ist hierarchisch. Hierarchie ist ein Merkmal des Patriarchats. Feminismus war demzufolge in seinen revolutionären Ursprüngen antihierarchisch und von der politischen Analyse her betrachtet so auch korrekt. Die Forderung nach einer Frauenquote dagegen kommt einem Paktieren mit dem Patriarchat gleich, während man gleichzeitig vorgibt, es zu bekämpfen. Außerdem muss man vorwerfen, dass der Feminismus auf diese Weise eine Liaison mit dem Neoliberalismus eingeht. Dass nur einige wenige dadurch begünstigt werden, liegt in der Natur der Sache. Es ist nicht möglich, das Patriarchat zu bekämpfen, wenn man gleichzeitig kooperiert, es bestätigt und sich darin einrichten will. Zudem ist die Forderung nach einer Frauenquote in Zeiten der Dezentralisation und Digitalisierung der Arbeit regelrecht rückständig und Augenwischerei.

Noch schlimmer wird es, wenn jeder angebliche Fortschritt bei jungen Emanzen gefeiert wird, so zweifelhaft dieser auch ist, so z.B., als in Slowenien die erste Frau NATO-Generälin wurde. Ist der neue Feminismus jetzt etwa braun statt rot? Dabei hatte sich doch gerade der Feminismus so gut mit der Friedensbewegung ergänzt in der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Die Kritik beider Bewegungen, einhergehend auch mit Anti-Rassismus Aktivisten wie den Black Panthers, richteten sich gegen ein Establishment, gegen soziale Ausbeutung und dem Militarismus. Dem Feminismus mit seiner Analyse des Patriarchats kommt normalerweise eine Schlüsselrolle zu, auch, was Abrüstung und Friedenspolitik angeht. Wider geschichtlichen Wissens und jeglichem kritischen Blick wird heute nach Macht gestrebt, innerhalb eines Systems sozialer Ausbeutung, auch oder besonders (?) im Feminismus und da fragt man sich schon: Hätten das die Feministinnen der 60er und 70er Jahre getan?

Keine Rede ist heute mehr davon, dass dieses System die reproduktive Arbeit der Frau nicht als wirtschaftlich zu entlohnende Aufgabe ansieht. Eine Frau, die ihren Beitrag zum Staat insofern leistet, indem sie Kinder großzieht, hat meiner Meinung nach ein Recht auf soziale Absicherung. Diese Selbstverständlichkeit ist schon so weit in den Hintergrund gerückt, dass man sich schon garnicht mehr traut, sie einzufordern. Soweit so gut. Aber diese offensichtliche Niederlage mit Ersatzbefriedigungen, wie der Frauenquote zu kompensieren, ist unglaubwürdig. Solange alleinerziehende Mütter in diesem Land in Armut enden, haben wir keinen Riesenfortschritt gemacht.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der staatliche Eingriff auf das Unternehmentum, der die Frauenquote bedeutet. Es ist nicht unbedingt die schöne Seite des Sozialismus, die hier durch Regulierung und Bevormundung gezeigt wird. Anstatt wichtige Sozialreformen anzutreiben, bei denen der Staat tatsächlich Geld in die Hand nehmen müsste, das ansonsten vorzugsweise in unsere Rüstung fließt, werden Unternehmer drangsaliert. Zumal es eine umgekehrte Form der Geschlechterbevorzugung darstellt, für die das Prädikat „Sexismus“ gilt. Es ist eine billige Art und Weise, staatliche Verantwortung auf Unternehmer abzuwälzen und das dann auch noch als emanzipatorischen Fortschritt zu verkaufen. Ein Rückschritt sondergleichen.

Also sorry, liebe Frauen. Nein, ich bin nicht für eine Frauenquote.

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