Die totale Verachtung der Arbeiterklasse

Was mir seit Beginn der Proteste gegen die Coronamaßnahmen an linken Kommentatoren auffällt, ist, welche Verachtung von links gegenüber Spiritualität oder gar Naturverbundenheit herrscht. Demo-Teilnehmer werden auf abfällige Art und Weise als „Esoteriker“ beschimpft, sie werden für Aktionen, wie gemeinsame Meditationen, lächerlich gemacht und dem Bezug zur Natur in was auch immer für Ritualen wird schon nahezu mit Ekel begegnet.

Welches Problem hat man eigentlich bei den Linken mit Leuten, die auch noch an was anderes glauben als Politik? Ist es der Verstoß gegen ein linkes Prinzip, nach dem die Ideologie die Religion gefälligst zu ersetzen hat? Glaubt man im 21. Jahrhundert, im Internet- und Informationszeitalter, die Leute noch so domestizieren zu können? Steht man deswegen der Zensur nach chinesischem Vorbild so positiv gegenüber?

Ewiggestrig und ideologisch isoliert wirkten die Teilnehmer der Luxemburg-Liebknecht Demo, die schon aufgrund ihrer Abgrenzung zu allem, was derzeit einen kritischen Bezug zur Coronapolitik nimmt, gegen ein ur-linkes Prinzip verstieß: Solidarität.

Während Rosa Luxemburg ihre Arbeiterfans zu begeistern wusste, nimmt von der in ihrem Namen veranstalteten Demo kaum einer der heutigen Lohnabhängigen Notiz. Und warum sollten sie das auch? Interessieren die Sorgen des heutigen Proletariats die politische Linke?, muss man sich fragen, wenn eine Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen zwar erklärt, man gedenke Luxemburg und Liebknecht auch im Hinblick des „steten Abbaus bürgerlicher Demokratie“, und aber gleichzeitig das Offensichtlichste, das sich vor unser aller Augen ereignet, so vehement leugnet. Von der Tatsache, was für ein Hohn es ist, dass aktuell viele Kleingewerbetreibende ihre Arbeit nicht ausführen können und so in Existenznot geraten, während die Demo stattfinden darf, ganz zu schweigen.

Die grundsätzliche Frage bei der Würdigung historischer Persönlichkeiten ist doch: Was fangen wir mit deren Geschichte an? Was ergibt sich als Konsequenz für heute? Stellt man diesen Bezug nicht her, so verkommt solch öffentliches Gedenken zur Symbolpolitik.

Und so wirkten die Teilnehmer der Luxemburg-Liebknecht Demo wie altbackene, angestaubte Statisten, deren Botschaften nicht mehr schlagkräftig sind. Man zelebriert sein kleines bisschen unbedeutenden Widerstand, während man sich gleichzeitig davor hütet, der Regierung tatsächlich Paroli zu bieten. Das Gedenken der Persönlichkeiten Luxemburg und Liebknecht, die uns gerade in diesen Tagen viel zu sagen hätten, wird so zur reinen Farce.

Warum man als linke Opposition der aktuellen Coronapolitik weder gleichgültig noch rechtfertigend gegenüberstehen kann, ist die Tatsache, dass dieselbe Regierung, die immer autoritärer agiert, auch im Hintergrund massiv rüstet, eine Spannungspolitik gegen den Osten betreibt, die Schere zwischen Arm und Reich befördert und Kriegsrhetorik statt Diplomatie den Vorrang gibt.

Die allzu eifrige Bereitwilligkeit, sich jenen zu unterwerfen, die unsere Interessen grundsätzlich nicht teilen, hat nicht nur der deutschen Bevölkerung im letzten Jahrhundert mehrfach Kopf und Kragen gekostet. Erfahrungsgemäß kann es sich niemand leisten, politischen Gestaltungsspielraum derart zu riskieren, dass man am Ende das Grundsätzliche, nämlich die eigene Existenz, sei es wirtschaftlich oder durch die Bedrohung des Friedens, nicht mehr zu verteidigen mag.

Bei jedem größeren Problem, das sich politisch in den letzten Jahren ergeben hat, zerfleischen sich Linke intern, anstatt das revolutionäre Potenzial zu begreifen. Augenblicklich werden Linke, die sich an Querdenken-Protesten beteiligen, mit dem Querfrontvorwurf belastet, während linke Maskenpflichtverteidiger auf Söderlinie argumentieren und sich in eine immer merkwürdigere Allianz mit der rechtskonservativen Regierung begeben.

Die Linke hat offensichtlich schnell gelernt, worauf es beim Regieren ankommt. Sie zelebriert eine Haltung, die in ihrem Spektrum in den letzten Jahren leider immer mehr Einzug gehalten hat: Die totale Verachtung der Arbeiterklasse.

https://de.rt.com/inland/111551-alles-zu-im-lockdown-nein-deutsche-ruestungsindustrie-produziert-auf-hochtouren/

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