Bezugnehmend auf diesen Artikel, den ich sehr empfehlen möchte:

https://www.heise.de/tp/features/Tod-von-George-Floyd-Hat-die-politische-Korrektheit-versagt-4837744.html

Linksliberale verbiegen sich selbst und andere bis zur Unkenntlichkeit, um als politisch korrekt zu gelten und an der Oberfläche so etwas wie "Gleichheit" herzustellen, während die bestehenden Verhältnisse und die grundlegenden Ungerechtigkeiten eines neoliberalen Systems nicht mehr in Frage gestellt werden.

Im Gegenteil. Derartige Identitätspolitiken, die für alle Benachteiligten eine politische Kampfgruppe machen wollen, ob das nun Gender, Feminismus oder Homosexualität ist, ergänzen sich mit dem Neoliberalismus hervorragend. Statt Solidarity heißt es Diversity. Und wo es nicht mehr um das Kolkektiv, sondern um den Einzelnen geht, geht es auch in Wirklichkeit nicht mehr um soziale Gerechtigkeit, sondern das eigene Vorankommen und das Ausnutzen bestimmter Politiken für die ureigenen Interessen.

Die ganze Absurdität dieses politischen Kampfes drückt sich dann so aus, wie zb. der Autor schreibt:

"Die Absurdität der Strategien der politischen Korrektheit gegen die Ungerechtigkeiten auf der Welt wird vielleicht besonders anschaulich anhand einer vor einigen Wochen in Umlauf gekommenen Nachricht über eine Errungenschaft in der israelischen Armee. Als Erfolg wird vermeldet: Endlich wurde für Transgenderpersonen das Recht auf Unisex-Uniformen erkämpft.

Klarer hätte man nicht zum Ausdruck bringen können, worin für die führenden Köpfe des zeitgenössischen öffentlichen Diskurses die empörenden Ungerechtigkeiten der Weltgeschichte liegen. Nicht der seit Jahrzehnten tobende Krieg zwischen Arabern und Israelis als solches wird mehr als das Problem betrachtet, erst recht nicht, dass es überhaupt so etwas wie Militär und Krieg gibt - sondern schön politisch korrekt muss es dabei zugehen, das ist nun das Wichtige. Denn auch nicht mehr wie einst in der Hochblüte der Friedensbewegung wird das Schreckliche des Militärs darin gesehen, dass man dort dazu ausgebildet wird, Menschen zu töten. Nein, die Hauptsorge dreht sich heutzutage darum, ob dabei gendergerecht vorgegangen wird oder nicht."

Ein ähnliches Beispiel ist, wenn von Feministinnen als Fortschritt gefeiert wird, dass eine Frau NATO Generälin geworden ist.

Es spielt also für solche "Linken" keine Rolle mehr, dass die NATO eine Angriffsformation geworden ist, hauptsache es sind genügend Frauen darin beschäftigt.

Gerade die junge Generation, die im Kapitalismus groß geworden ist und nicht mehr vergleichbar politisch ist, wie die Elterngeneration der 68er, ist sehr empfänglich für individualistische Ideen. Hauptsache, man muss den eigenen Wohlstand und das System, in dem man lebt nicht grundlegend in Frage stellen.

Man findet dafür leider erschreckend viele Beispiele innerhalb der Linken, wie zb. das Feindbild des "weißen älteren Mannes" in der Rassismusdebatte. Das ist für linke Politik deswegen so peinlich, weil man scheinbar nicht mal mehr im Stande ist zu erkennen, dass man sich mit derartiger Analyse in der Eugenik wiederfindet und selbst eine Rassentheorie aufstellt bzw. ein Social Profiling. Gleichzeitig befreit es einen von der Verantwortung, Rassismus als systemimmanentes Problem zu definieren, das geschichtliche Ursprünge im Imperialismus und Kolonialismus hat. Wo diese Ursachen nicht begriffen werden, muss sich auch nicht mit dem Neokolonialismus auseinandergesetzt werden, womit man nämlich bei der Kritik am Neoliberalismus und den herrschenden Verhältnissen wäre.

Wo junge Studenten in den 60ern und 70ern die Weltlage als Gesamtes für ihre politische Kritik heranzogen, so bedient man sich heute - hauptsächlich auch wegen eines Mangels an politischer Bildung - an Fragmenten des Geschehens zur Analyse. Gerade dadurch wird man aber so offen für Manipulation und bemerkt nicht, wie man immer nur auf das blickt, was die Medien gerade als "Problem" vorgeben.

Eine kritische Auseinandersetzung mit den Medien als Herrschaftsinstrument erfolgt garnicht mehr.

Was ursprünglich mal als links galt, nämlich die Kritik an den bestehenden Herrschaftsverhältnissen und somit auch den Medien, wird heute argwöhnisch als rechts klassifiziert. Die junge progressive Linke hat sich unglaublich verirrt.

So schreibt Frau Maria Wölfingseder:

"Zur Zeit arbeiten die Behörden und Universitäten akribisch daran, Geschlechtergerechtigkeit herzustellen. Die gesamte Verwaltungssprache soll geschlechtsneutral werden. Aus 'Vater' und 'Mutter' wird 'Elternteil 1' und 'Elternteil 2'. Aus 'Rednerpult' 'Redepult', aus 'Teilnehmerlisten' 'Teilnahmelisten', aus 'Ansprechpartner' 'der oder die Auskunft gibt'. Die neutralisierende Sprachakrobatik schreckt auch vor 'Lieb* Studierend*' nicht zurück. Je mehr Sternderln, desto weniger Diskriminierung? Schade nur, dass die Sternderln, Binnen-Is, Unterstriche und all die anderen Fuzerl-Fetische nicht gegen die tatsächlichen Diskriminierungen helfen. Gegen die Armut, die immer mehr (alleinerziehende) Mütter, Kinder und Frauen über 60 bedroht! Oder gegen die ökonomischen Verhältnisse, die Studentinnen veranlasst, sich von Sugar Daddys, die im Internet angeboten werden, das Studium finanzieren zu lassen!"

Und wie der Autor ergänzt:

"Mit anderen Worten: die politische Korrektheit ist zu einem, wenn nicht dem wesentlichen Arm des Linksliberalismus geworden, einer stark verwässerten, mit dem Neoliberalismus kooperierenden Spielform der Linken, die sich vor allem dadurch definiert, dass sie gegen den Rechtsextremismus ist, ansonsten aber konservativer ist, als sie zugibt, und die Gesellschaft, wie sie ist, im Prinzip ganz in Ordnung findet."

An der Oberfläche gegen Rechtsextremismus, aber in Wirklichkeit sich hervorragend einfügend in das neoliberale System. Das sind die neuen Linken.

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