Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Zum einen hat das damit zu tun, dass den Medien und dem Staatsapparat nicht mehr getraut wird. Massenwirksam präsentierte Fakten haben sich in der Vergangenheit als Lügen erwiesen, Politiker manipulierbar bis zum Kontrollverlust. Aber auch das Internet hat es möglich gemacht, sich aus einer unendlichen Menge von Fakten oder Behauptungen zu bedienen und sich sein eigenes Weltbild zusammenzuschustern.

Das kann durchaus gefährlich sein. Nämlich dann, wenn Verschwörungstheorien zur Ersatzunterhaltung werden und man sich von den Sensationen, ähnlich wie bei Boulevardmagazinen, berauschen lässt. Wenn sie den Anspruch auf absolute Wahrheit erheben, um die Komplexität der Welt zu erklären. Und vor allem, wenn Geschichtskenntnisse fehlen, bzw. nicht überprüft wird, ob Behauptetes wirklich logisch ist und in den zeitgeschichtlichen Rahmen passen kann. Noch schlimmer ist es, wenn Verschwörungstheorien dazu dienen, einen Sündenbock zu finden (wie die Propaganda im Dritten Reich einer jüdischen Weltverschwörung, die immer noch populär ist). UFOs, Aliens, ob man dran glauben mag oder nicht, nichts erscheint mehr zu utopisch oder zu weit weg, wenn man sich leicht faszinieren lässt.

Andererseits ist aber jeder aufmerksame Bürger bereits im Bereich der Verschwörung, wenn er einfach kritisch hinterfragt. Und da beginnt der Begriff „Verschwörungstheorie“ zum Instrument zu werden, um unbequeme Fragen zu unterdrücken. Schnell bewegt man sich im Bereich der Spekulationen, vor allem dann, wenn die Darstellung zu einem Ereignis, nach allem, was man weiß, nicht glaubwürdig, nicht stimmig ist.

Wie ordnet man nun aber Informationen ein? Eine wichtige Methode ist, Aussagen, Meinungen und Berichte zu vergleichen. Das ist insbesondere in kriegerischen Auseinandersetzungen wichtig. Es müssen die Interessen aller Parteien gekannt und ernst genommen werden. Egal, wer zum Feindbild aufgebaut wird und mal wieder als Vorlage für einen neuen Hitler – Vergleich dient (eine, wie ich finde, besonders unsachliche Methode): Ziel der Propaganda ist immer, diplomatische Beziehungen abzubrechen, den Feind zu isolieren, es unmöglich zu machen, sich anzunähern, zu verhandeln, um letztendlich die militärische Intervention möglich zu machen. Da wir in einer Zeit leben, in der sich die Eskalationsspirale dreht, ist es wichtig, sich um Verständigung zu bemühen und das bedeutet, mit dem Feind zu sprechen. Die Diffamierung für jeden, der dies tut, ist vorprogrammiert, aber man sollte sich nicht beirren lassen.

Um ein noch schärferes Bild zu bekommen, sind politische Bildung und Kenntnisse in Geschichte wichtig. Man muss die Vergangenheit kennen, um die Gegenwart zu verstehen. Dann wird man schnell merken: Manches, was als Theorie sensationell klingt, hält einer näheren Überprüfung nicht stand. Ebenso können sich aber unbequeme Wahrheiten auftun, die dazu führen, dass die Ereignisse neu bewertet werden müssen.

Es empfiehlt sich, nicht nur Leitmedien zu lesen, aber auch nicht nur Alternativmedien. Die Letzteren wurden vom Mainstream in jüngster Vergangenheit zu Unrecht häufig der Fake News bezichtigt, während sie selbst schon Massen davon produziert haben. Werden Expertenmeinungen hinzugenommen, ist es wichtig, die Interessenlage zu kennen. Festzustellen, ob jemand unabhängig agiert, oder zumindest, wem er verpflichtet sein könnte. Immer auch sollte man sich die gegnerische Position zumindest anhören. Egal, welchem politischen Lager man angehört: Ich empfehle nicht, ausschließlich Meinungen und Informationen der eigenen Seite zu lesen und zu übernehmen – so nach dem Motto: Wenn die das sagen, dann stimmt das. Der Querfront-Vorwurf kann unangenehm sein, aber er ist nichtssagend.

Alle sollten sich letztendlich selber hinterfragen. Die Verschwörungstheorieanhänger, aber auch die Skeptiker, die über alles die Nase rümpfen, was als Verschwörungstheorie klassifiziert wird. Viele Verschwörungstheorien haben sich schließlich schon als wahr erwiesen. Der Begriff „Verschwörungstheorie“ kam im Übrigen zum ersten Mal im Zusammenhang mit dem Mord an John F. Kennedy auf und wurde von der CIA als Instrument benutzt, um alle Zweifler an der offiziellen Erklärung zum Schweigen zu bringen.

https://www.freitag.de/autoren/pregetterotmar/verschwoerungstheorien-vom-cia-erfunden

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