Ich halte nichts von Theorien über "satanistische Eliten", die in Wirklichkeit für alles Übel verantwortlich sind, nicht weil ich beweisen könnte, dass es sie nicht gibt, sondern weil ich immer wieder feststelle, dass solch Aberglaube politisch handlungsunfähig macht.

Ich sage bewusst Aberglaube, weil solche Theorien immer wie ein Rückfall ins Mittelalter erscheinen. Verleumdungskampagnen dieser Art, wie z.B. über "Brunnenvergiftungen", "Ritualmorde" oder die "Dreyfuß-Affäre" schürten bekannterweise den Antisemitismus und bereiteten den Boden für die schweren Verbrechen im 20. Jahrhundert.

Die Arbeiterklasse währenddessen hat durch solche Hetze nichts gewonnen, sondern wurde im Gegenteil durch die Spaltung der herrschenden Klasse noch geschwächt. Wer seine (politischen) Probleme artikulieren möchte, muss sich die Sprache aneignen, die ihn im politischen Kampf ermächtigt, sich zu emanzipieren. Es beginnt mit dem eigenen Klassenbewusstsein.

Das gegenwärtige wirtschaftlich politische System mit all seinen typischen Klassenproblemen, welches Karl Marx als "kapitalistische Produktionsweise" bezeichnete, ist bereits hinreichend analysiert worden.

Ins Feld zu führen, dass man das nicht als Kapitalismus bezeichnen könne, sondern als "Hyperkorporatismus" oder "Korporatismus" bezeichnen müsse, ändert nichts an den bereits bekannten Spielregeln. Die Spätphase des Kapitalismus, in der wir uns befinden, mit allen zu erwartenden Problemen, ist lange vorausgesagt worden. Auch die Definition "Hyperkorporatismus" führt letztendlich zu der Schlussfolgerung, dass man den Kapitalismus ja irgendwie reformieren könnte, wenn man nur bestimmte "böse" Einzelpersonen richten würde. Dass das nicht möglich ist, ohne dass man sich nicht nach einer bestimmten Phase wieder mit den selbigen nicht aufgearbeiteten Problemen herumschlagen müsste, mussten die Arbeiter des vergangenen und des gerade erst begonnenen Jahrhunderts schon mehrfach erfahren.

Der Rückfall in mittelalterlichen Aberglauben ist das Letzte, was dem opportunistischen Kleinbürger, der nicht ganz weiß, wo er hingehört, zu seiner Emanzipation verhilft.

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Don Quijote

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nzerr

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