Der deutsche Fußballer Mezut Özil hat seinen Austritt aus der Nationalelf bekannt gegeben. Wochenlang wurde gegen den Spieler gehetzt, aufgrund des Fotos, das im Vorfeld der WM mit ihm und dem türkischen Präsidenten Erdogan entstanden ist. Es schien so, als hinge die Blamage des frühen Ausscheidens der Deutschen bei der WM in Russland an Özil.

Jürgen Todenhöfer schrieb:

„Wer es mit einem Spielerkader von 23 Mann und x Trainern und Assistenten nicht schafft, gegen Mexiko, Schweden und Südkorea in 285 Minuten mehr als 2 Tore zu schießen, kann nicht einem Spieler allein die Schuld geben. Das ist unsportlicher Blödsinn!

Hätte ein aus England oder Amerika stammender deutscher Nationalspieler mit dem Regierungschef seines Großvaters gesprochen, hätte es dieses Theater nie gegeben. Für türkischstämmige Spieler gelten offenbar andere Maßstäbe. Genau das nennt man Rassismus.“

Ich höre die ersten schon wieder plärren. „Ja, aber das ist was Anderes, denn Erdogan ist ein Diktator.“ Ja, das stimmt. Wie so viele, mit denen wir sprechen, Geschäfte machen, von denen wir abhängig sind. Und was ist eigentlich mit unseren Staatsoberhäuptern? Möchte man mir wirklich weis machen, sie seien weniger korrupt, weniger kriminell, weniger verantwortlich für Missstände in dieser Welt? Inwiefern ist man als Demokrat besser, wenn man andere Länder bombardiert? Ist das etwa kein Faschismus? Als sich der Weltklassefußballer Lionel Messi mit dem israelischen Präsidenten Benjamin Netanyahu ablichten ließ, schwiegen die Medien.

Es stimmt mich traurig, dass viele von denen, die immer so scheinbar gegen Rassismus kämpfen, den Mund gehalten haben. Gerade da, wo es wichtig wäre, Stellung zu beziehen. Verdammte Heuchler! Es zeigt sich, dass man immer nur das bereit zu akzeptieren ist, was ins eigene Weltbild passt. Wehe, man müsste sich selbst mal in Frage stellen! Und wieder sehe ich mich bestätigt, dass es überhaupt nichts Schlimmeres gibt, als moralische Überlegenheit. Jeder, der sich heute in Plattitüden übt und meint, er sei ein aufgeklärter Demokrat, der unsere Werte verteidigt, realisiert nicht, wie ausgesprochen dumm er dabei agiert.

Ich schäme mich für den Umgang der deutschen Öffentlichkeit mit Mezut Özil und anderen Deutschtürken, die zu uns gehören und ein Teil unserer Gesellschaft sind. Ich schäme mich für den Rassismus, der sich schamlos offenbart hat, sogar von jenen, die vermeintlich keine Rassisten sind. Ich entschuldige mich bei allen anderen Syrern, Russlanddeutschen und allen Menschen mit Migrationshintergrund, die die Respektlosigkeit, die Hetze und Erniedrigung gegenüber ihres Landes tagtäglich ertragen müssen.

Mezut schrieb: "Wenn man gewinnt, ist man Deutscher. Verliert man, ist man Immigrant.“ Man könnte auch sagen: Man ist Deutscher, solange man uns in den Kram passt.

Alles Gute, Mezut Özil!

„Ich bin als Deutscher ein Freund der Türken und werde es immer sein.“ (Jürgen Todenhöfer)

13
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
4 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

HerenceTill

HerenceTill bewertete diesen Eintrag 25.07.2018 15:32:16

Zauberloewin

Zauberloewin bewertete diesen Eintrag 24.07.2018 20:04:38

Aron Sperber

Aron Sperber bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 22:45:11

Rhacodactylus

Rhacodactylus bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 21:30:02

pirandello

pirandello bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 13:06:10

susi blue

susi blue bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 11:55:36

G. Szekatsch

G. Szekatsch bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 10:24:50

berridraun

berridraun bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 09:07:06

hagerhard

hagerhard bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 08:07:36

harke

harke bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 06:24:36

Persephone

Persephone bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 06:10:06

Frank und frei

Frank und frei bewertete diesen Eintrag 23.07.2018 04:49:49

robby

robby bewertete diesen Eintrag 22.07.2018 23:19:21

91 Kommentare

Mehr von Wurschtbrot02