Willkommen in der Welt der Unglücklichen, der leidenden Liebenden. Der Zerissenen. Und Kaputten. Willkommen in den Abgründen. Der Finsternis. Du bist angekommen. Und du bist in guter Gesellschaft. Nahtlos fügst du dich in die Reihe derer, die hier gefangen sind.

Oh ja. Ich kenne diese Welt, aus der es kein Entrinnen gibt, kein Entkommen. Ich kenne sie nur zu gut. Völlig belanglos, wohin du gehst, was auch immer du tust, womit du versuchst dich abzulenken oder zu beschäftigen, du kannst sie nicht verlassen, die Hölle auf Erden, denn du bist nicht in ihr, sie ist in dir. Und sie wird dich nicht hergeben, nicht loslassen. Nie mehr.

Es ist die Welt der intensiv Fühlenden, der Empfindsamen, der Sensiblen, der Zu-viel-Spürenden. Es ist der Ort derer, die zu tiefen Emotionen fähig sind, zu wahrer Liebe. Zu Liebe, die weh tut. Zu Liebe, die Angst macht. Zu Gefühlen, die so tief gehen, dass sie überwältigen. Der Ort derer, die verletzt wurden.

Kurze Momente des Glücks werden dir geschenkt werden. Aber glaube der trügerischen Idylle nicht! Es ist ein grausames Spiel des Schicksals. Das hämisch über dich lacht. Dich verhöhnt. Das spottet über deine Naivität zu glauben, dass du diesen Ort jemals verlassen wirst können. Glaube mir, das wird dir nicht gelingen. Egal, wie gut sich der Moment anfühlt, egal, wie hoffnungslos du bist, es wird nicht von langer Dauer sein. Madame Fortuna, die Schicksalsgöttin, würfelt nicht, sie geht gezielt und strategisch vor. Sie gibt und sie nimmt. Spielt mit dir wie eine Katze mit der Maus, ergötzt sich grinsend an deinen Tränen, deinem Scheitern, deinem Fall. Du bist verdammt dazu, in dieser Welt zu leben. Für immer.

Die Zeit wird deine Wunden nicht heilen. Rastlos wirst du sein. Ein ewig Suchender. Düstere, unheilvolle Stunden, viele an der Zahl, liegen vor dir, inmitten von lachenden Menschen, die einzig und allein dazu da sind, dir aufzuzeigen, was du nicht hast, nie von langer Dauer haben wirst. Das Schicksal gibt dir gelegentlich, nimmt aber erbarmungslos, sobald du dich verloren hast, dich verletzlich zeigst. Es scheint dir nicht zuzustehen. Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht in diesem Leben. Der harte Aufprall ist vorprogrammiert. Das steht fest. Immer und immer wieder.

Der Wolf und die Löwin. Sie leben schon so lange in und mit dieser Welt und sie in ihnen, vielleicht von Anbeginn, von der Stunde des Seiens an. Sind Seelenverwandte, verbunden durch ein unsichtbares Band, auf unerklärliche Weise miteinander verwoben. Er lebt, empfindet, liebt wie sie. Sie kennen die düsteren Stunden des anderen, die unsagbaren Schmerzen, weil es auch die ihren sind. Sie spüren diese über Hunderte Kilometer Entfernung und sind da, plötzlich, ungerufen, um sich gegenseitig aufzufangen.

Zwei leidende Liebende, zwei liebende Leidende, die das Schicksal vor beinahe zwei Jahrzehnten zusammen geführt hat. Die sich gegenseitig brauchen, aber nicht heilen können. Wahre Liebe ist schmerzhaft.

Willkommen, Sonny, in der Welt des Wolfes und der Löwin. Auch wenn du hier als Neuer auftrittst, dir dieser Ort noch fremd und surreal erscheint, du versuchst auszubrechen, so bist auch du vermutlich von Anbeginn an hier gefangen. Gleich dem Wolf und der Löwin. Verdammt dazu, in ihm und mit ihm zu leben. Was auch immer du tust, wie verzweifelt du auch nach Normalität strebst, wen auch immer du triffst, niemand wird deine Qualen verstehen. Du kannst nicht davonlaufen! Dieser Ort, er wird dein Begleiter sein. Für immer. Denn Madame Fortuna macht Überstunden. Ist überlegene Strategin. Sie gibt Hoffnung und nimmt sie wieder. Jedes Mal aufs Neue.

Ich weiß so gut, wie es in dir ausschaut, welche Kämpfe in dir toben, wie düster und traurig deine Welt zuweilen ist. Ich sollte die geballte Kraft, die ungebrochene Stärke des Wolfes aufbringen, der mich auch heute noch, nach all den Jahren, obwohl er mich wirklich kennt wie kein anderer, bedingungslos liebt, um das für dich zu sein, was er seit damals für mich ist, wenn ich drohe zu ertrinken - mein Rettungsanker.

Er sagt, dass er mich immer um die Texte, die mir einfallen, beneidet hätte, dass er immer etwas anderes sagen würde. Er sagt, dass er versteht, dass ihn zu lieben eine Aufgabe sei, die eigentlich keiner Frau zuzumuten wäre. Dass er nichts bereut, keinen Moment missen möchte. Dass er keine Panik hat, wenn ich in der Früh neben ihm bin.

Gerade heute, wo ich Gefahr laufe im Gefühlschaos zu versinken, mich zu verlieren ...

Er sei alt geworden, sagt er. Ich antworte, dass wir beide alt geworden sind. "Aber umso älter, umso besser", meint er, "es ist wie es ist. Und trotzdem habe ich dich lieb."

Auch ich sage, dass ich nichts bereue, nichts missen möchte. Dass wir beide eine Aufgabe wären, weil wir viele Narben hätten, kaputte Typen seien.

Ich liebe ihn ein Drittel meines Lebens. Weil wir uns ähnlich sind. Weil ich ihm vertraue. Weil ich seine Stärke bewundere. Die Leichtigkeit des Seins mag. Ich glaube fest daran, dass er mein Lebensretter war. Damals.

Der Wolf und die Löwin, sie werden in der Welt der Liebenden, der Fühlenden, der Leidenden, der zu tiefen Empfindungen Fähigen gefangen bleiben. In der Welt einer Liebe, die weh tut, in einer Welt ohne Chance auf Entrinnen, ohne Fluchtweg, ohne Versteckmöglichkeit. Denn wir sind nicht in dieser Welt, diese Welt ist in uns. Für immer.

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Claudia56

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Scherzkeks

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Der hat doch einen an der Klatsche!

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Margaretha G

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