Was ich dachte, als ich dich zum ersten Mal sah, hab ich dir schon oft gesagt, nämlich, dass du ein gottverdammter, arroganter, frauenverachtender Machoarsch bist. Dennoch ging eine Faszination von dir aus, der ich mich nie entziehen konnte. Ich weiß nicht mehr, wann ich begonnen habe, dich zu lieben, und ich kann auch nicht erklären, warum ich es auch heute, nach so vielen Jahren, nach einem halben Leben, noch immer tue. Unsere gemeinsame Zeit damals war rückblickend die geilste meines Lebens: wir haben uns bis zum Wahnsinn geliebt und es uns dennoch nie gesagt. Ich erinnere mich daran, als du mich früh am Morgen geweckt hast, um mit mir auf den Hügel zu klettern und den Sonnenaufgang zu bestaunen: einer der romatischsten Momente unserer Beziehung. Wir haben zusammen gelacht, geredet, Musik gehört, gekifft, gesoffen, in den Fernseher gestarrt, uns angeschwiegen, sind uns gegenseitig auf die Nerven gegangen, ich hab mich häufig in den Schlaf geweint und wenn du nicht da warst, hab ich dich unendlich vermisst. Du konntest so aufmerksam sein, mich wie eine Königin behandeln und mir das Gefühl geben, die schönste Frau der Welt zu sein, gleichzeitig hast du mich auf Distanz gehalten, dich tagelang nicht gemeldet. Ich wusste nie, woran ich bin. Eine Liebe, die auf Dauer unzweifelhaft krank, die kaputt macht. Das war der Grund dafür, warum ich Hals über Kopf einen anderen, den Nächstbesten, geheiratet habe: ich wollte ein normales Leben! Du sagst, ich habe dich verlassen, weil ich unbedingt geheiratet werden wollte, aber das stimmt nicht. Ich habe dich verlassen, weil ich dich zu sehr geliebt habe. Wir waren einfach zu verrückt, du und ich, standen am Rande des Abgrunds, und er erschien normal, lieb, nett, brav, zuverlässig, bot Sicherheit, sah gut aus. Er rauchte nicht, trank nicht, war häuslich. Ich glaubte fest daran, dass ich mit ihm gemeinsam alt werden würde, auch wenn meine Liebe zu ihm nie von außerordentlicher Leidenschaft geprägt war, er mich binnen kurzer Zeit bereits langweilte und er wahrlich nicht der Intelligenteste war. Meine Ehe war eine beschissene Lebenslüge, deren Scheitern ich mir jahrelang nicht eingestehen konnte, nicht vor mir selbst, nicht vor den anderen, nicht vor dir. Ich hielt an ihr fest, hielt sich auch noch aufrecht, als sie schon lange nur mehr auf dem Papier bestand und jeder von uns seine eigenen Wege ging. Ich machte Karriere und tolerierte sein Da-Sein, bis ich ihn schließlich nicht mehr ertragen konnte, ihn verachtete und einfach nur lächerlich fand. Wenn er, im Bett neben mir liegend, von seinen Cockies abbiss, kostete es mich große Überwindung, ihm nicht alleine für das Geräusch, dass er beim Kauen machte, ins Gesicht zu schlagen. Alles an ihm störte mich, die Kleidung, die er trug, fand ich lachhaft, was er erzählte, regte mich, wenn ich überhaupt zuhörte, auf, nichts konnte er mir recht machen, sein Körpergeruch widerte mich an, dennoch hat es lange gedauert, bis ich es geschafft habe, ihn zu verlassen. Viele gegenseitige Verletzungen waren notwendig, um den Absprung zu schaffen. Dass er mich schon seit einiger Zeit mit seiner Arbeitskollegin, der kleinen, fetten, dummen Kosovo-Albanerin mit den Hängetitten und der Riesenwampe betrog, kam mir sehr entgegen, somit hatte er kaum Interesse an mir und ich meine Ruhe vor ihm. Er war dumm genug zu glauben, ich wüsste nichts von seinen außerehelichen Aktivitäten und ich belehrte ihn nie eines Besseren, fand es einfach nur grauslich und erbärmlich. Schließlich habe ich ihn für sein So-Sein bestraft, dafür, dass er keine Cochones hat. In Wahrheit musste er dafür büssen, dass er nicht der Mann war, den ich in Wahrheit wollte und der parallel zu ihm auch immer da war, nämlich einen schwachen, starken, coolen, romantischen, humorvollen, depressiven, aufmerksamen, abweisenden, liebenswerten, frauenverachtenden Machoarsch, der nach all den Jahren never ever ein einziges Detail unserer gemeinsamen Zeit vergessen hat, der weiß, was ich gerne esse, welche Musik ich mag, bei dem ein Blick von mir reicht und er weiß, was ich sagen will, der mich kennt wie kein anderer Mensch auf dieser Welt und der mich trotzdem liebt, es jedoch nie zugeben würde, der mich in die Arme nimmt und hält wie kein Mann je zuvor, der sein Leben weiter gelebt hat, gleichzeitig aber auch immer an meiner Seite war, um mich zu beschützen und der auf mein Heimkommen gewartet hat ...

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