Spirituell-karmische Deutungen, Astrologie und Horoskope, Numerologie, Kartenlegen, Hellsehen, Wahrsagen und sonstiger Voodoo (Liebes-)Zauber haben mich zeitlebens ebenso wenig interessiert wie es beispielsweise ein Game Design oder Gender Studies Studium tun. Alles überflüssig wie ein Kropf, etwas für Schwächlinge, braucht kein mit beiden Beinen im Leben stehender Mensch. Zumindest meiner Ansicht nach ist das so, das kann ja jeder sehen wie es ihm beliebt. Wären meine Sprachkenntnisse in Akkadisch und Sumerisch ein Spürchen besser, sprich würden sich diese nicht auf null, nada, niente belaufen, würde ich, bevor ich mich mit den anderen „Wissens“-Gebieten befasse, zuvor noch Altorientalische Philologie und Orientalische Archäologie studieren. Hierbei handelt es sich immerhin um echte Wissenschaft, die sich auf Primärquellen stützt, wenngleich es sich, – so vermute ich, weil um gesichertes Wissen handelt es sich jetzt meinerseits nicht, muss ich einräumen –, nicht um Zeitzeugen handeln wird.

Jetzt fragte mich meine Kollegin doch glatt jüngst beim Mittagessen vollkommen unvermittelt und aus dem Kontext gerissen, wie mein Aszendent ist – ?! Dass „meine AsSIsTent-In ist langsam, träge und schleicht wie ein Schas durch die Gegend“ nicht die richtige Antwort sein kann, war mir bewusst, somit grübelte ich in meinem Gedächtnis und antwortete etwas zeitverzögert „Wassermann“. Wobei ich, nebenbei bemerkt, eigentlich gar nicht weiß, ob das politisch überhaupt (noch) korrekt ist, weil ja nicht genderkonform! „Wasserfrau“ klingt aber auch irgendwie deppert. Die Frage nach meinem Deszendenten hingegen konnte ich leider nicht beantworten. Ich war mir momentan auch nicht mehr ganz sicher, ob sie tatsächlich davon sprach, wovon ich ursprünglich ausgegangen war, weil immerhin hätte sie ja auch vom Verlauf meines Colons, des Grimmdarms, sprechen können. Nachdem jedoch die Frage nach meinem (Colon) transversum ausblieb, wusste ich definitiv, dass es nicht um Anatomie gehen konnte, sondern um Astrologie! Astronomie ist ja wieder ein Stück weit etwas Anderes, weil immerhin keine Pseudowissenschaft, sondern Sonne, Mond und Sterne, soweit ist mir das schon klar.

„Ah. Freiheitsliebend. Alles klar!“ lautete die illuminierte Antwort meiner Kollegin, weitere Erklärungen blieben jedoch aus, das Thema wurde gewechselt. Jetzt muss ich sagen, ich kann offen gebliebene Fragen nicht leiden und sah mich somit gezwungen, der Angelegenheit näher auf den Grund zu gehen. Zunächst eruierte ich daher meinen Deszendenten, was viel leichter vonstattenging als ursprünglich angenommen, da – wie ich lernte – der Deszendent immer das gegenüberliegende Zeichen des Aszendenten ist, also keine komplizierten Angaben zu machen sind, wie beispielsweise die Befindlichkeit der Großmutter oder die Abstände der Bewegungen der Monde Ariel, Umbriel, Titania und Oberon zum Uranus zur Geburtsstunde oder so. In meinem Fall Löwe. Na bravo! Löw/in – Wassermann/frau – Löw/in sozusagen. Darüber hinaus der Mond im Stier. Alles klar!

So ganz habe ich nicht verstanden, was der Deszendent nun tatsächlich kann, denn als es bei den Erklärungen dann begann um Häuser zu gehen, stieg ich geistig aus. Jedenfalls, es ist das 7. Haus. Ich habe nur 2 und was bitte macht jemand, der eine Wohnung hat oder in einem Wohnmobil lebt? Und seit wann interagieren Häuser untereinander? Wie darf ich mir das vorstellen? Schreiben sich die Whatsapp-Nachrichten oder schicken sich gegenseitig Freundschaftsanfragen über Facebook? Vermutlich nicht.

Der Deszendent gibt jedenfalls an, was ich will oder eben nicht, auch das Partnersuchbild ist am Deszendenten zu erkennen, während der Aszendent mein Verhalten widerspiegelt. Mein Aszendent hat mir ein Aha-Erlebnis der besonderen Art beschert, wofür ich sehr dankbar bin. Ein bisserl wehmütig bin ich allerdings schon, muss ich zugeben. Ach, wie viel aufgewendete Zeit, Geld und Energie für Psychotherapie, Supervision, Gruppenseminare und schlaue Bücher hätte ich sparen können, hätte ich nur einmal die Beschreibung meines Aszendenten gelesen! Aber egal. Besser spät als nie, und zumindest habe ich das Fortkommen der Therapeut/inn/en gesichert, zumindest ein paar Jahre lang. Die haben sich sicher schöne Häuser gebaut. Aber was soll es? Leben und leben lassen!

Jedenfalls: Ich denke an, die Beschreibung des Wassermann-Aszendenten auszudrucken und diese in Zukunft bei diversen Gelegenheiten vorzulegen, ähnlich wie seinerzeit zur Unterstufenzeit die Entschuldigungen für den Turnunterricht mit Begründungen wie Menstruationsbeschwerden, Turnsackerl in der Wäsche oder sonstige wahnsinnig plausibel klingende, niemals zuvor existente Erklärungsversuche, Patente sozusagen. Mit anderen Worten: ich bin das alles gar nicht! Schuld an allem ist kein anderer als mein Aszendent, der ständig dafür sorgt, dass mich aufwallende Gefühle plötzlich verwirren und meine Pläne durchkreuzen, was zu irrationalen Kurzschlusshandlungen führt. Ich BIN einfach anders als die meisten und Narreteien machen mir ebenso Spaß wie das Ärgern jener, die immer alles genau so machen, wie es von ihnen erwartet wird. Beruhigend finde ich, dass meine intuitiven Eingebungen mir angebeblich etwas Originelles und Findiges geben.

Ha! Ich bin also weder eine gespaltene Persönlichkeit noch schizophren, kein bösartiges Miststück und auch keine Querulantin, ich bin Aszendent Wassermann! Und dafür, dass ich für alle körperlichen und sinnlichen Genüsse sehr offen bin, ist der Mond im Stier verantwortlich! Ich habe ja intuitiv immer gewusst, dass ich gar nichts dafür kann, wie ich bin. Jetzt habe ich es endlich schwarz auf weiß, so schaut es nämlich aus.

Den letzten Satz in der Beschreibung meiner mir aufgrund meines Aszendenten angeborenen Charaktereigenschaften habe ich jetzt in Schriftgröße 64, Querformat, fett auf ein orangefarbenes A3-Papier ausgedruckt und trage dieses sofort nach Beendigung und Hochladen des vorliegenden Blogs in die Direktion mit dem Verlangen, dass meinen mir, aufgrund meines Geburtstages, meiner -stunde und meines -ortes, zustehenden Bedürfnissen Rechnung getragen werden muss, ob das jetzt im Gesetz steht bzw. mir kollektivvertraglich zusteht oder nicht, ist mir vollkommen gleichgültig. Ich will!

Darauf steht: „Ich brauche Freiheit und Selbstbestimmung!“

Melde mich dann alsbald wieder! Im besten Fall, wenn ich mein Büro fertig ausgeräumt und die Schlüssel im Personalbüro retourniert habe, im schlechtesten, wenn die Wirkung der mir gegen meinen Willen verabreichten Tranquillantien, Sedativa und Antipsychotika nachgelassen hat, ich nicht mehr sabbere und ich mein Handy, dass mir von zwei strammen Wärtern entzogen und für die Dauer meiner Unzurechnungsfähigkeit im Safe deponiert wurde, rückerstattet bekommen habe.

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