Nie in meinem Leben habe ich mich so lebendig gefühlt. So erfüllt. So unsagbar glücklich …

Der Obdachlose schiebt seinen Einkaufswagen mit dem Fernseher vor meinem geistigen Auge vorbei und ich muss in Erinnerung an unseren Dialog lächeln. Ja, ja, so ein Rauswurf kann schon hunzen. Fast wie bei Seiler und Speers „Ham kummst“. Auf den Müllcontainern hat ein Sprayer „Nazis“ hinterlassen. Ob die wohl da drinnen wohnen? Einzimmerwohnungen für Nazis sozusagen? Wir spekulieren. Und wir sagen schon wieder zur selben Zeit das Gleiche.

Wir passieren die Sonderschule und halten Ausschau nach den Polizeiautos, da wir, ob der Festbeleuchtung und der vielen Menschen in der Schule mutmaßen, dass heute Elternsprechtag ist.

Keuchend erklimme ich den Berg und hoffe innständig, du merkst nicht, dass mir die Luft ausgeht. Ich bin so unsportlich, aber das weißt du. Die Seilbahn zu nehmen hätte es mir wohl leichter gemacht, mitnichten aber wäre ich so stolz auf mich gewesen. Du animierst mich zu Höchstleistungen. Ich zeige, deiner Anweisung folgend, für die Fotos hinunter auf die Stadt, weil wir uns fragen, warum das bloß alle machen? Ist doch verrückt, oder? Und wir lachen …

Auf dem nächsten Berg begegnen wir Außerirdischen in rosa Shirts. Drei Frauen und ein Mann. Die Frage aller Frage ist jedoch: ist es wirklich ein Mann? Was zum Henker machen die da überhaupt? Soll das Aerobic sein? Wir können auf jeden Fall besser tanzen! Wenn wir tanzen, ist das Erotik pur und nicht so ein stilloses Herumstolpern. Wenigstens werden wir beim Tanzen nicht gefilmt, wohl aber fast fotografiert. Das ist aber ganz woanders … es ist in dem Lokal, das wir nicht finden!

Warum landen wir im Reitstall? Wir reiten nicht, bekommen dafür Paradeiser serviert. Sind das Paradeiser? Diese drei verrunzelten Dinger in der weißen Schale? Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Es regnet, aber nur ganz kurz. Und es ist angenehm warm. Erklär mir bitte, warum ich auf den Fotos, die du von mir machst, einen Busen wie Dolly Buster habe? Ich habe sie gelöscht! Grauenhaft! Ja, ja, ich weiß, dir haben sie gefallen. Auch das, wo du mir das grüne Pickerl auf den Arsch geklebt hast, habe ich gelöscht. Nicht aber das, wo ich im Gras am Ende des Weges sitze und so viele andere auch nicht. Ich finde übrigens nicht, dass das Foto, das du von mir im Durchgang vom botanischen Garten gemacht hast, nicht gelungen ist. Du bist zu kritisch mit dir selbst. Immer. Gut, es wirkt ein wenig so als hätte ich einen Heiligenschein … Ich und eine Heilige! Lach! Ich mag es.

Le jardin. Französisch. Nicht spanisch. Wir wundern uns. Jedenfalls, die Kellnerin ist extrem unfreundlich. Wir haben trotzdem Spaß. Gut, wir sind schon angeheitert als wir dort ankommen. Zu viel Aperol, zu viel Campari, und das bereits zu Mittag. Bin entsetzt! Nein, nicht wirklich. Es ist herrlich. Ich liebe diesen Garten. Und es dauert bis „fast Mitternacht“. Ist es bei uns nicht immer „fast Mitternacht“? Ich habe einen Sonnenbrand bekommen …

Plötzlich sind wir im Fußballstadium, bleiben aber nicht bis zum Ende des Matches. Wer wohl gewonnen hat? Die Gelben oder die Roten? Wir werden es nie erfahren. Aber - ist das wichtig?

Seit Barcelona trinke ich immer wieder mal Espresso. Und ich kann an keiner Pâtisserie vorbeigehen ohne an dich zu denken. Weißt du noch? Meine Begeisterung in der kleinen Konditorei? Die, in die wir zufällig zwei Mal gestolpert sind. Ist es ein Zufall gewesen? „Und das will ich und das und das auch …“ Du lachst. Ich sehe uns im Hinterzimmer sitzen. In trauter Zweisamkeit. Wir teilen. - Helsinki. Stockholm. Irgendwie warst du dabei. Denn es gab überall belgische Schokolade in den Cafés. Du hast mir damals belgische Schokolade aus Brüssel mitgebracht … Damals - das klingt, als ob es ewig her wäre.

Jedenfalls ... ich wusste bis damals nicht, dass essen so erotisch sein kann! Oliven, Croissants, Käse, Fisch, Panna Cotta, Sushi, Spaghetti, Steckerlfisch … unfassbar, was wir alles essen. Verrückt! Gut, wir sind verrückt. Auf dem Weg zum Garten von Gaudi bin ich vor Hunger grantig. Halbe-halbe ist ausgemacht. Ich vergesse das und esse meine Portion fast auf. Aber ich bin reumütig, das musst du zugeben.

Der Thailänder ist sensationell. Wir füttern uns gegenseitig. Wir sehen so glücklich aus auf den Selfies. Ich meine die, auf denen ich den chinesischen Hut trage, aber das weißt du. Wir sehen nicht nur so aus, wir sind es. Ich habe mir die Fotos eine Zeit lang jeden Tag angeschaut. - Hmmm. Oder war es ein Vietnamese? Ich weiß es nicht genau. Wusste ich es je? Ich fliege bald nach Vietnam. Vielleicht gehe ich auch eine Zeit lang dorthin. Es gibt ein Projekt in Hanoi. Ich habe jedenfalls mein Interesse bekundet. Mich hält nicht mehr viel hier …

Erinnerst du dich an die Schwulenbar? Dein Blick beim Erkennen! Wo sind wir da wieder hinein geraten? Ich muss beim Gedanken daran schmunzeln. Leonardo lacht mit. Nur ins Irish Pub sind wir nicht mehr gekommen. Schade. Aber das Guinness war ohnehin aus …

Nimm es der Möwe nicht übel! Der Fleck ist ja raus gegangen. Und es hat bei mir für Amüsement gesorgt. Kalt war es da, an jenem letzten Vormittag, den wir am Pier verbracht haben. Und ich war nervös, weil ich den Eindruck hatte, dass du es darauf anlegst, dass ich meinen Heimflug versäume.

Ich habe deine Zeichnung weggeworfen, die du mir aufs Nachtkästchen gelegt hast. Das tut mir heute leid, Sonny. Das Bild existiert nur mehr in meinen Gedanken. Dort ist es sicher geborgen bis mich die Demenz ereilt, wie so viele andere beglückende Momente.

Leonardo weint beim Gedanken daran, dass ich Barcelona und dich verlassen habe. Ich bin eine Vollidiotin! Und es tut mir unsagbar leid. Ich wünschte, es wäre anders gelaufen. Aber ich kann nichts ungeschehen machen. Du hast den ganzen Weg bis zum Flughafen tapfer meine rosafarbene Betty-Boop-Tasche geschleppt. In der Metro haben wir kaum gesprochen. Ich frage mich, ob mittlerweile jemand die Gabel aufgehoben hat, die im Fastfood Restaurant unter dem Tisch liegt?

Ich versuche krampfhaft dich aufzuheitern, wenngleich es mir nicht viel besser geht als dir. Mir ist zum Heulen. Mit traurigem Blick schaust du mir nach, als ich durch die Sicherheitskontrolle gehe. Ich spüre förmlich deine Blicke in meinem Rücken, sie reißen mir fast das Herz heraus.

Ich möchte keinen Moment missen, Sonny.

Übrigens, Udo Jürgens ist ein wahrlich ein Trottel, du hattest recht. Liebe ohne Leiden? Im Ernst? ... Ich würde es nicht anders haben wollen ...

12
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 15.07.2019 19:21:21

CK13

CK13 bewertete diesen Eintrag 14.07.2019 19:34:17

nzerr

nzerr bewertete diesen Eintrag 14.07.2019 16:48:43

Tourix

Tourix bewertete diesen Eintrag 14.07.2019 10:45:57

Michel Skala

Michel Skala bewertete diesen Eintrag 14.07.2019 10:21:14

Der hat doch einen an der Klatsche!

Der hat doch einen an der Klatsche! bewertete diesen Eintrag 14.07.2019 10:18:05

Frank und frei

Frank und frei bewertete diesen Eintrag 14.07.2019 07:34:20

Zaungast_01

Zaungast_01 bewertete diesen Eintrag 14.07.2019 02:55:46

Michlmayr

Michlmayr bewertete diesen Eintrag 14.07.2019 01:51:35

Reality4U

Reality4U bewertete diesen Eintrag 14.07.2019 00:18:33

Charlotte

Charlotte bewertete diesen Eintrag 13.07.2019 23:38:23

Persephone

Persephone bewertete diesen Eintrag 13.07.2019 23:21:55

11 Kommentare

Mehr von Zauberloewin