... heißt ein Film mit Doris Day und Frank Sinatra, "Young at Heart" im Originaltitel, aus dem Jahr 1954. Ein beschwingter Klassiker mit schönen Menschen, trautem Heim, Herz und Schmerz, Familienidylle, stimmungsvoller Musik, u. a. von Cole Porter sowie George und Ira Gershwin geliefert, stilvollen Kleidern und adretten Frisuren. Frauen, die noch wie Frauen aussahen und Männer, die noch Anzüge trugen und als solche zu erkennen waren. Romantischer Hollywoodkitsch. Ich liebe diesen Film.

"Fairy tales can come true, It can happen to you if you're young at heart, For it's hard, you will find, To be narrow of mind if you're young at heart [...]", trällert Frankie Boy stimmungsvoll. Nach einigen Turbulenzen in Sache Liebe geht der Film selbstredend - in Good-old-Hollywood-Manier - gut aus. Dennoch warnt der deutsche Titel - zwar halbherzig, aber doch - davor, mit der Liebe zu spielen ... Und wenngleich ich den Klassiker in jungen Jahren mindestens zwanzig Mal gesehen habe und sämtliche Dialoge auswendig kenne, will es mir scheinbar nicht gelingen, den offenbar gut gemeinten Rat zu beherzigen. Wie die drei Tuttle-Töchter, Laurie, Fran und Amy, verliebe auch ich mich immer wieder Hals über Kopf und bin sozusagen "Ready, Willing and Abel", wie es auch Doris Day in dem von Gordon Douglas inszenierten Remake des romantischen Dramas „Vater dirigiert“ („Four Daughters“) aus dem Jahr 1938 ist.

Und natürlich habe ich das Flirten, wie in https://www.fischundfleisch.com/zauberloewin/we-should-have-been-dancing-58181 bereits prophezeit, nicht einfach sein lassen. Wobei, ich bin da nicht alleine daran schuld!, das muss schon auch einmal gesagt werden ...

Ich habe nicht damit gerechnet, dass du noch kommst. Der Sitzungssaal ist zum Bersten voll, jeder freie Sitzplatz ist belegt. Ich habe meine Rede bereits gehalten, darf mich getrost zurücklehnen, höre mehr schlecht als recht den anderen Rednern zu. Was das Reden-Halten betrifft bin ich Vollprofi, nicht aber was Gefühle des Verliebtseins anbelangt, da bin ich heillos überfordert, ein unglaubliches Patscherl. Plötzlich stehst du - wie aus dem Nichts - da. Du hast den Sitzungssaal nicht einfach betreten, du bist erschienen und ich spüre deine Blicke auf mir ruhen, was mich unglaublich nervös macht, sodass ich schon nicht mehr weiß, wie ich mich verhalten soll. Aus meiner Handtasche zaubere ich meinen orangefarbenen Old-School-Buchkalender sowie einen Kugelschreiber und beginne damit - scheinbar hochkonzentriert, als gäbe es im Moment nichts Wichtigeres auf dieser Welt - Termine einzutragen, allerlei Notizen zu machen. De facto habe ich keine Ahnung, was ich in den Kalender kritzle. Hin und wieder schaue ich auf, in deine Richtung und unsere Blicke treffen sich. "Starrst du mich die ganze Zeit an?", geht es mir durch den Kopf. Die Sitzung zieht sich wie ein Kaugummi. Endlich ist der Zauber vorbei und ich kann es kaum erwarten, mich vor die Tür zu verdrücken und, um mich zu beruhigen, eine Zigarette zu rauchen, muss jedoch zunächst am Vorsitzenden vorbei, der mich für meine Rede lobt, zahlreiche Hände wollen geschüttelt werden, kurze Gespräche sind zu führen. Meine Fluchtgedanken sind immens drängend. Schließlich habe ich es, erleichtert aufatmend, an die frische Luft geschafft, mir eine Zigarette anrauchen können und den ersten tiefen Zug genommen. "Seit wann rauchst du?!", raunst du mir zu. - Ähm. Wieso stehst du mir plötzlich gegenüber? - "Das mag ich gar nicht!" "Mein Gott, dieser Mann macht mich wahnsinnig!", schießt es mir durch den Kopf. Jetzt würde es noch fehlen, dass ich zu stottern beginne. Irgendwie gelingt es mir, die Haltung zu bewahren. "Seit ich geschieden bin!", antworte ich, zwar ein wenig zeitverzögert, aber souverän. "Andere fangen nach der Trennung zu saufen an", kommt es von dir zwinkernd. "Das tue ich jetzt auch!", entgegne ich betont leger. "Und was tust du noch?", fragst du lachend. "Alles, was Gott verboten hat!", entschlüpft es mir, ohne großartig darüber nachgedacht zu haben. Ich kann mich nicht mehr erinnern, was du entgegnetest, ob es ein "Ah ja?!", ein "Interessant!", ein "So, so!" oder ganz etwas Anderes war, denn zeitgleich legtest du deine Hand auf meine Hüfte und ich musste mich darauf konzentrieren, nicht auf der Stelle tot umzufallen. In einer Verlegenheitsgeste fahre ich mit dem Zeigefingernagel das Embelm auf deinem Hemd nach, sage irgendetwas mit "Mr. Hilfiger", an den Rest des Satzes habe ich keine Erinnerung mehr. Du stehst so nahe, dass mein Verstand aussetzt. Nach und nach leert sich der Sitzungssaal, Menschen strömen auf den Gehsteig und wir stehen mitten im Weg, reißen uns schließlich zusammen und verabschieden uns mit Küsschen links und Bussi rechts auf die Wange.

Ich schlafe in dieser Nacht unruhig, träume von dir. Das Gefühl nach dem frühen Aufstehen erinnert mich an längst vergangene Zeiten. Wann habe ich zuletzt von einem Mann geträumt? Mit Vierzehn? Mit Sechzehn? Ich kann es nicht sagen! Es ist verwirrend. Aber schön. Irritierend. Aber wärmend. Mein Herz schlägt bis zum Hals, als ich mir mein Handy schnappe um dir, mit weichen Knien, eine sinnige Whatsappnachricht zu schreiben. "He du, ich weiß nicht genau, wann du Geb hast, jedenfalls alles Gute!", tippe ich mangels Wissens des genauen Datums, lediglich, dass dieser irgendwann um den Dreh ist, weiß ich. "Ja Servus! Im aktuellen Monat liegst du richtig!", kommt prompt deine Antwort. "Dann muss das für den ganzen Monat reichen!", schreibe ich zurück und frage mich, wie deppert man - bzw. in diesem Falle vielmehr Frau - sich eigentlich anstellen kann. "Ich brauche einen Flirtratgeber", denke ich mir, "sinnige vorgefertigte Whatsappnachrichten mit Erfolgsgarantie." Vermutlich ist es aber ohnehin egal, was man schreibt, beruhige ich mich. Du hättest am 29. Geburtstag, informierst du mich. Gut, heute ist der 5., somit kommt von mir: "Ok. Zu früh. Besser als zu spät!" Es folgt ein wenig Herumgeplänkel von wegen "alt werden wir zwei" und "weißt du eigentlich, dass du mein ältester Freund bist ...", ehe ich "Vlt bei der nächsten Sitzung. Oder evtl wo anders", zu lesen bekomme. Gut, dass ich gerade keinen Schluck Kaffee genommen habe, denn den hätte ich vermutlich ob des Schreckens über das Gelesene auf meine Handydisplay gespuckt. Jedenfalls bin ich einem Schlaganfall nahe! "Ich gehe am 17. auf die Generalversammlung", tippe ich im verzweifelten Bemühen, etwas zu deeskalieren, denn ich kann schließlich nicht "komm sofort her und küss mich!" schreiben. Keine 15 Sekunden später antwortest du: "Jetzt komme ich auch!"

Kaum vorstellbar, wie lange sich knappe zwei Wochen hinziehen können! Das Folterinstrument Schier-nicht-vergehen-wollende-Zeit erzeugt ein sentimentales Gefühl von Weihnachten wie damals oder vielmehr von Vorfreude in der Adventzeit auf die erwarteten Geschenke. Nicht, dass ich damit beginne, deinen Namen mit Kuli auf meine Jeans zu schmieren und Herzerl dazuzumalen - bitte, ich bin keine Dreizehn!, - nein, so weit ist es bei Gott nicht! Ich bin mit wichtigeren Dingen beschäftigt. Einerseits damit, mir sämtliche Verehrer mit fadenscheinigen Ausreden wie "Sorry. Momentan keinen Kopf und keine Zeit" vom Hals zu schaffen, die mich nicht wirklich interessieren, die mir aber, zu blöd um mein Desinteresse als solches zu interpretieren, unaufhörlich in periodisch wiederkehrenden Abständen und interessanterweise immer am gleichen Tag, als würde da ein Hauch von Frühling in der Luft liegen, Whatsapps schreiben, mir Fotos und Liebensbekundungen schicken und Dates erbitten, und andererseits mit der Frage aller Fragen: Was soll ich am 17. anziehen? Meine Wahl fällt auf ein entzückendes, figurbetonendes, kurzes Desigual®-Kleidchen mit wohlwollendem Ausschnitt. Selbstredend ist es am Tag der Generalversammlung kühl. Wenn Frau die Klimaerwärmung braucht, dann ist sie scheinbar, wider aller Prophezeihungen, nicht da - und es komme mir nun ja keiner mit "Wetter!", wen interessiert das, wenn es arschkalt ist ...? Lange Rede kurzer Sinn: Kurzarmkleiderl, schwarze Lederjacke und Highheels, passend zum Herzklopfen und den Schmetterlingen im Bauch.

Ich habe bereits im großen Sitzungssaal Platz genommen. Bin prinzipiell ein pünktlicher Mensch - gut, zwei Stunden zu früh komme ich normalerweise nicht, somit musste ich zuvor noch 1 1/2 Stunden im nahegelegenen Café verbringen - und führe, in der Hoffnung, niemand möge meinen Übermut, meine Aufgekratztheit, bemerken, mit den links und rechts neben mir Sitzenden ein wenig Smalltalk. Das Getuschel im Raum verstummt langsam, alle Augen sind auf den Vorsitzenden gerichtet, der im nächsten Moment damit beginnen wird, die Eröffnungsrede zu halten. Ich habe es geschafft, eine Sekunde lang nicht an dich zu denken, nicht permanent zur Tür zu schielen. Das ist, wie könnte es anders sein?, selbstverständlich justament diese eine Sekunde, in der du den Sitzungssaal betrittst, wie aus dem Nichts plötzlich hinter mir stehst. Ich habe dich mehr gespürt denn gesehen. "Bist du, ohne irgendjemanden anderen im Raum zu grüßen, schnurstracks auf mich zugegangen?", frage ich mich im Stillen. Schließlich drehe ich mich ohne aufzustehen um und hebe den Kopf, um dich anzusehen. Und du ... beugst dich herunter und küsst mich! Mitten im Sitzungssaal! Vor geschätzt Fünfzig oder Sechzig anderen Menschen! Als wäre das das Selbstverständlichste auf der Welt. Und was mache ich? Gar nichts! Ich lasse mich einfach küssen! Bin vollkommen paralysiert. Du musst verrückt sein!

Dann schüttelst du links und rechts Hände, begrüßt freundlich die anderen Anwesenden, und findest schließlich, am anderen Ende des langen Tisches, noch einen freien Platz. Mit meiner Konzentration ist es vorbei. Ich kann dem Gesagten in keiner Weise folgen, hebe wie in Trance den Arm zur Abstimmung, wenn es alle anderen tun. Frage mich still, wer den Kuss beobachtet hat, beruhige mich jedoch selbst, indem ich mir suggeriere, dass er mit einer derartigen Selbstverständlichkeit passiert ist, dass er vermutlich gar nicht weiter aufgefallen ist. Ich rutsche mit dem Sessel fast einen halben Meter vom Tisch weg und schaue so unauffällig wie möglich hinter den Rücken der anderen Anwesenden in deine Richtung. Du hast offenbar das Gleiche gemacht, denn unsere Blicke treffen sich in regelmäßigen Abständen und ich kann ihnen nicht standhalten, schaue verlegen weg. Schließlich verabschiede ich mich überstürzt und verlasse fluchtartig die Versammlung, gehe stundenlang in der kühlen Nacht spazieren, ehe ich schließlich nach Hause fahre, ins Bett gehe und in einen unruhigen Schlaf falle.

Meine spätmorgendliche Whatsappnachricht, für deren Formulierung ich stundenlang gebraucht habe, mit dem wahnsinnig intelligenten Wortlaut "Hi du! Sag, hast du mich gestern geküsst?", beantwortest du umgehend mit "Naja ... es war nicht bewusst." "Was heißt da naja? Du spielst mit dem Feuer!", tippe ich ins Handy. "Hat es jemand bemerkt?", fragst du nach. "Glaube ich nicht!", schreibe ich. "Und wenn, a wurscht!" kommt von dir.

To be continued ...

19
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
6 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Scherzkeks

Scherzkeks bewertete diesen Eintrag 20.09.2019 11:12:09

Spinnchen

Spinnchen bewertete diesen Eintrag 19.09.2019 19:02:48

bianka.thon

bianka.thon bewertete diesen Eintrag 19.09.2019 15:27:33

tantejo

tantejo bewertete diesen Eintrag 19.09.2019 10:23:19

Der hat doch einen an der Klatsche!

Der hat doch einen an der Klatsche! bewertete diesen Eintrag 19.09.2019 10:18:36

rigoletta

rigoletta bewertete diesen Eintrag 19.09.2019 08:22:23

nzerr

nzerr bewertete diesen Eintrag 19.09.2019 06:22:39

philip.blake

philip.blake bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 22:46:02

gloriaviennae

gloriaviennae bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 22:08:47

Manfred Breitenberger

Manfred Breitenberger bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 20:02:01

Charlotte

Charlotte bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 19:46:19

Anastasia

Anastasia bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 19:41:48

Tourix

Tourix bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 19:36:33

CK13

CK13 bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 19:19:23

Michlmayr

Michlmayr bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 18:23:46

Miki

Miki bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 17:48:56

Pommes

Pommes bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 16:59:13

Zaungast_01

Zaungast_01 bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 16:14:10

Markus Andel

Markus Andel bewertete diesen Eintrag 18.09.2019 15:23:42

99 Kommentare

Mehr von Zauberloewin