Es ist Unsinn

sagt die Vernunft

Es ist was es ist

sagt die Liebe

Es ist Unglück

sagt die Berechnung

Es ist nichts als Schmerz

sagt die Angst

Es ist aussichtslos

sagt die Einsicht

Es ist was es ist

sagt die Liebe

Es ist lächerlich

sagt der Stolz

Es ist leichtsinnig

sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich

sagt die Erfahrung

Es ist was es ist

sagt die Liebe

Erich Fried

Mehr als ein Jahr ist es her, dass ich ihn zum ersten Mal sah. "Verboten!", schrie der Verstand. "Er ist nicht einmal dein Typ! Er hat einen Vollbart!! Lange Haare! Schaut aus wie ein ... Kommunist? Umweltfuzzi? ... ? Er ist nicht mal groß, also zumindest keine 1,9 m ... Bist du völlig verrückt geworden?", schickte er gleich zur Bekräftigung nach. "Danke! Ich weiß ..."

Meiner besten Freundin gestand ich vorsichtig meine Gefühle. "Das darfst du nicht! Bist du völlig übergeschnappt?" Es stand von vornherein fest wie das Amen im Gebet, dass sie genau so reagieren würde, wie sie es schließlich tat. Dass sie genau das sagen wird. Was hatte ich erwartet? Ich hätte sie umgekehrt ebenso gefragt, ob bei ihr der Lift nicht bis nach ganz oben fährt! "Er ist nicht einmal mein Typ.", versuchte ich zu erklären. "Ich kann dir nicht sagen, was es ist ..." "Du denkst vermutlich an leidenschaftlichen Sex!", unterstellte sie mir. "Nein, so ist es nicht ..."

Wie ist es aber tatsächlich? Wenn ich das nur selbst wüsste ... Dieses Lächeln ... Diese Augen ... "Es ist verboten!", zischt die Stimme in meinem Kopf. "Es gibt da eine Anziehung, die ich nicht erklären kann. Ich spüre einen großen Schmerz bei ihm. Und ich würde ihm gern meine flache Hand auf seine Brust legen und ihn von seiner Traurigkeit befreien. Er ist nicht depressiv, das nicht. Es ist, als wären wir zwei alte Seelen, die einander seit Jahrtausenden kennen. Eine Vertrautheit. Wie bei einem alten Ehepaar ..." "Das ist ja noch viel schlimmer als ich dachte!", fauchte sie mich an. "Ich dachte es geht um leidenschaftlichen Sex!"

Mehr als ein Jahr ist vergangen. Es hat sich nichts geändert, ist immer noch verboten, und immer noch unverändert stark, dieses Gefühl, das ich nicht verspüren mag, aber auch nicht missen möchte. Ich befürchte, dass ich mich einem Punkt nähere, an dem ich darauf pfeife, ob es verboten ist oder nicht.

Ich kann mich kaum mehr auf meine Arbeit konzentrieren. Es kostet mich viel Anstrengung ein Pokerface aufzusetzen, mir nichts anmerken zu lassen, ihn nicht permanent anzusehen. Ich bin bewusst unfreundlich zu ihm, kann mich nicht anders schützen, nicht anders wehren. Sein Verhalten ist immer korrekt, teilweise wirkt er verlegen, herum drückend, peinlich berührt. Obwohl wir uns so gut wie möglich versuchen aus dem Weg zu gehen, ziehen wir einander an wie Magneten. Suchen den Blick, um sofort wegzusehen und so zu tun, als ob gar nichts wäre.

Hie und da gab es bereits mehr oder weniger deutliche Anspielungen von unterschiedlichen Seiten. Ich dementierte selbstverständlich, manchmal eine Spur zu heftig, und hoffe, dass ich glaubwürdig bin.

"Ganz dicht ist der nicht!", habe ich schon über ihn gehört. Auch, dass er in einer eigenen Welt leben würde, wird gesagt. "Ist mir auch schon aufgefallen!", sagte mein Verstand. Das Herz sagt etwas anderes ... Und ruhig!

Er hat tatsächlich etwas Träumerisches anhaften, wirkt extrem entschleunigt. Etwas, das mir fehlt.

Ich könnte zu schwärmen beginnen ... "Ich bitte dich gar schön!", bremst mich der Verstand und gibt keine Ruhe. "Wie stellst du dir das vor?" Der Verstand liefert 1.000 Gründe binnen Sekunden, die gegen ihn sprechen. Und dennoch kann ich kaum atmen, wenn er in meiner Nähe ist. Habe Wortfindungsstörungen. Werde verlegen. Beginne zu stottern wie ein Schulmädchen.

Ich schicke ihn weg, um ... ja, um was? Nicht den Verstand zu verlieren? Mir nicht vorzustellen, dass wir im Sommer barfuß im Türkensitz im nassen Gras sitzen, über Gott und die Welt und Geister und das Universum reden. Und lachen. Ich mag seinen trockenen Humor ...

Er hat ein buntes Hemd. Ich liebe dieses Hemd. Ich hab ihm das gesagt. Er hat es immer wieder angezogen. Ich hab es selbstredend bemerkt und kommentiert. Und er hat gelächelt, wissend, jedesmal ...

Es ist dieses Lächeln! Es sind diese blauen Augen. Es ist seine Langsamkeit, die mich wahnsinnig macht, die ich kaum aushalte, und die mich gleichzeitig anzieht. Diese ruhige, besonnene Art. Völlig entschleunigt. Irgendwie nicht von dieser Welt ...

"Es ist verboten!" - "Halt die Klappe! Ich weiß ...!"

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Scherzkeks

Scherzkeks bewertete diesen Eintrag 09.12.2018 15:51:23

Der hat doch einen an der Klatsche!

Der hat doch einen an der Klatsche! bewertete diesen Eintrag 06.12.2018 10:22:37

CK13

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Tourix

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Petra vom Frankenwald

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rigoletta

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Zaungast_01

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gloriaviennae

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