Täglich überschwemmen zahlreiche Berichte die Medienlandschaft Österreichs und Deutschlands, welche Political Correctness thematisieren und fordern. Es geht mittlerweile weit über das Aufzeigen von diskriminierender Sprache, z. B. dem Sprechen von „Eskimo“ statt von „Inuit“ oder von „Zigeuner“ statt „Roma“ und „Sinti“ hinaus. Politisch korrekt ist auch die Verwendung einer geschlechtsneutralen Sprache respektive das Wählen von Formulierungen, die beide Geschlechter gleichbehandeln.

Ein weiteres omnipräsentes Thema ist die deutschtümelnde Rhetorik, die Sprache der Rechten, als „Nazi-Sprech“ bezeichnet. Es handelt sich größtenteils um Begriffe, die es schon vor dem NS gab, welche aber durch die Nationalsozialisten mit einer speziellen Bedeutung versehen wurden, aber auch um solche, die explizit von den Nazis geprägt worden sind.

Victor Klemperer schrieb bezüglich Nazi-Sprech: „‚An ihren Taten könnt ihr die falschen Propheten erkennen“’, hatte die Bibel früh vor möglichen Blendern gewarnt, deren Worte die eigentlichen Ziele zu verschleiern suchten. Wer jedoch, um die nächste Phrase zu bemühen, den Anfängen wehren will, sollte heutzutage bei den Politiker*innen jedweder Couleur ganz genau zuhören.“

Selbstverständlich werden bei jedem die Nazi-Alarmglocken läuten, wenn er Wörter wie „Endlösung“, „Aufartung“, „Mischvolk“ u. ä. hört, aber wer hätte beispielsweise beim Wort „Betreuung“ daran gedacht, dass dieses mit von der Rassenlehre herkommenden Bedeutungen belegt war?

Da laut Anatol Stefanowitsch „Entwicklungen, in denen bestimmte Bevölkerungsgruppen entrechtet, vertrieben und vernichtet wurden, immer mit einer entmenschlichenden Sprache begonnen haben“, stellt sich die berechtigte Frage, ob es erforderlich sein wird, alle Nazi-Begriffe zu verbieten, um „sich nicht an nationalsozialistische Denkmuster zu gewöhnen“?

Nachfolgend ein Auszug von Wörtern von A – Z, welche zu Nazibegriffen zählen und somit – auch wenn man sie unbewusst bzw. nicht in böser Absicht benutzt – „unsagbar“ sind, weil „die Verwendung dazu führt, dass die Idee eines ethnisch definierten Volkes im Bewusstsein der Gesellschaft verankert bleibt“ (Zit. n. Anatol Stefanowitsch).

A

- Adel: neue Elite, die im NS-Staat herangezüchtet werden sollte. Gemeingermanisch ursprünglich „Geschlecht“, „Abstammung“, althochdeutsch ‚adal’, verwandt mit ahd. ‚uodil’ „Besitztum“, „Heimat“. Der Sozialdarwinist und Rassenhygieniker Wilhelm Schallmayer forderte die Begründung eines neuen Adels, ausgelesen insbes. nach dem generativen Wert des Stammbaums. Die Nationalsozialisten leiteten Adel von ‚Odal’ ab und ist im germanischen Sinn nichts weiter als die im Erbhof der Sippe zusammengefasste Einheit von Blut und Boden, um durch „Zucht“, das ist „Reinhaltung des Blutes“, den Ahnherren zu verehren, dem man sein Dasein auf dieser Welt verdankt.

- AHS: Adolf-Hitler-Schulen: die 1937 von der NSDAP und der HJ gegründeten Aufbauschulen, in denen der Führernachwuchs ausgebildet werden sollte.

- Aggressor: Bezeichnung für die Alliierten im Zweiten Weltkrieg; entlehnt aus der spätlateinischen Rechtssprache: „aggressor“ „Angreifer“. Am 6.6.1944, noch vor der Landung der Alliierten in Südfrankreich, erging die Presseanweisung: „Bei der Behandlung des Feindes ist weniger von ‚Luftlandetruppen, Marineeinheiten und Landeeinheiten’ zu sprechen. Dafür sind die Begriffe ‚Aggressoren, Invasoren’ und der Begriff ‚Überfall’ zu prägen.“

- Ahn: ‚Vorfahr’; im NS wird der Gebrauch des Ausdrucks Ahnen bestimmt durch den Mythos der nun rassenbiologisch verstandenen Identität des deutschen Volkes mit den germanischen Ahnen und der daraus abgeleiteten Verpflichtung des einzelnen, an der „Aufartung“ des Volkes zu noch größerer „Rassenreinheit“ mitzuwirken sowie durch die Notwendigkeit für jeden Deutschen, seine Abkunft von arischen bzw. „deutschblütigen“ Vorfahren nachzuweisen.

- Ahnenforschung: Genealogie, Erforschung der Vorfahrensgenerationen für den Abstammungsnachweis.

- Alte Garde: allgemein die Altmitglieder der NSDAP, spezifisch die Teilnehmer am Hitlerputsch in München am 9. November 1923 und die Träger des Goldenen Ehrenzeichens mit einer Mitgliedsnummer bis 100.000.

- Amt: In der NSDAP und den angeschlossenen Verbänden Bezeichnung für eine Dienststelle mit umschriebenem Aufgabenbereich.

- Amtsleiter: Dienstrangbezeichnung in der NSDAP. „Die Fachschafts- und Fachgruppenleiter sowie die Amtsleiter für Wissenschaft werden in besonderen Schulungslagern auf ihren verantwortungsvollen Dienst vorbereitet.“

- Amtsträger: Sammelbezeichnung für alle Funktionäre in der Partei, ihren Gliederungen und angeschlossenen Verbänden.

- Anschluss: Zwangsvereinigung Österreichs mit dem Dritten Reich.

- Antisemitismus: Judenhass. ‚Antisemit’ ist bereits 1822 belegt, ‚antisemitisch’ 1865 im Rotteck/Welckerschen Staatslexikon, im Englischen 1851 bei Carlyle: „Anti-semitic street riots“, doch bleiben die frühen Wortbildungen folgenlos. Als politisches Schlagwort kommt Antisemitismus erst auf dem Höhepunkt der judenfeindlichen Agitation im letzten Drittel des 19. Jh. auf. Nicht nur ideologisch, sondern auch sprachlich linientreu formuliert das Biologiebuch für Jungen ‚Lebenskunde’: „Alle großen judengegnerischen Bewegungen der Geschichte haben das Judentum doch nicht endgültig zu entfernen vermocht. Immer wieder verstand der Jude, sich zu tarnen und so der Ausmerze zu entgehen.“

- Arbeit: Pflichterfüllung für die Volksgemeinschaft. „‚Der Nationalsozialismus hat den Begriff der Arbeit völlig umgeprägt’, konnte voller Stolz NSBO-Leiter Walter Schuhmann auf einer Tagung in Düsseldorf behaupten. Die Arbeit ist Dienst an der Nation geworden, ihr sozialer Schutz daher nationale Pflicht […] jeder dient an seinem Platz dem Gemeinwohl.“

- Arbeitseinsatz: in der Sondersprache der SS. Zwangsarbeit der noch arbeitsfähigen KZ-Häftlinge in Rüstungsfirmen.

- artfremd: im Widerspruch zum Wesen der eigenen Rasse stehend;

- artverwandt: von verwandter Rasse;

- Asphalt: metaphorisch für die angeblich intellektualistische, jüdisch-demokratische Zivilisation der Weimarer Republik und die von ihr verursachte Wurzellosigkeit der Großstadtbewohner. „Das Verhängnis der naturentfremdeten Großstadtkinder, die zum Überfluß [sic!] noch einer dauernden Rassenvermischung erliegen […] naturentfremdete Straßengeschlechter […] oder Asphaltmenschen.“ (Die Hauptschuld an den Verführungen des Großstadtproletariats wird dem Judentum gegeben.)

- Auslese: gezielte Verbesserung der rassischen Qualität des dt. Volkes.

- Ausrichtung, ausrichten: nationalsozialistische Indoktrination, einheitliches auf die Linie des NS bringen; „In 1723 Jugendappellen und Jugendbetriebsabenden erhielten unsere Jungen und Mädel die weltanschauliche Ausrichtung zur Erfüllung ihrer Aufgaben als die kommenden Träger der Gemeinschaft.“

B

- Bauer: Eigentümer eines Erbhofs; aus mittelhochdeutsch ‚gebure’, das ursprünglich den Mitbewohner des ‚bur’ (Haus), den Nachbarn, bezeichnete; erst im frühen Hochmittelalter in der Bedeutung „Landmann“. Im NS wird der Ausdruck Bauer – gegen die sprachliche Tradition – als Bezeichnung für den Eigentümer eines Erbhofs reserviert, Besitzer kleinerer Höfe und Großgrundbesitzer hatten sich „Landwirt“ zu nennen. „Der Bauer. § 11 Begriff (Reichserbhofgesetz). (1) Nur der Eigentümer eines Erbhofs heißt Bauer.“

- Betreuung, betreuen: versorgen, pflegen; bezogen auf Personen auch: „erfassen“, beeinflussen, kontrollieren, befehligen, lenken, beherrschen; sondersprachlich: deportieren und töten. In der NS-Zeit wurde „betreuen“ in maßloser Häufigkeit und Überspannung angewandt. Die 3 Grundtypen von Betreuung, die fürsorgerische, politische und kulturelle Betreuung, schlossen immer weltanschauliche Schulung und Ausrichtung ein.

- Betriebsführer: Inhaber, Unternehmer, Geschäftsführer eines Industrie- oder Handwerkbetriebes; auch Eigentümer eines Bauernhofs. Durch das ‚Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit’ vom 30.1.1934 wurde für den Unternehmer die Wendung „Führer des Betriebs“ eingeführt.

- Betriebsgemeinschaft: alle im Betrieb Tätigen, einschließlich Unternehmer.

- Bewegung: die NSDAP. Hitler verwendete in ‚Mein Kampf’ den Ausdruck Bewegung noch unterschiedslos für die Konkurrenten und politischen Gegner wie als Selbstbezeichnung der NSDAP, später bedeutete Bewegung speziell nationalsozialistische Bewegung. „Die junge Bewegung ist keine Partei, sondern das sich wieder erhebende deutsche Volk.“ „Die nationalsozialistische Bewegung ist nicht etwas, was man ‚ablehnen’ kann, sondern sie ist eine Naturerscheinung […]“ München, die Stadt, in der 1920 das Programm der NSDAP verkündet worden war, erhielt 1935 durch „Erlaß [sic!] des Führers und Reichskanzlers“ den Ehrentitel „Hauptstadt der Bewegung“.

- blind: bedingungslos, rückhaltlos, automatisch; blind (ohne Sehvermögen) wird schon im Mhd. übertragen in der Bedeutung ‚verblendet’, ‚ohne Urteilskraft’, ‚kritiklos’. Blindlings gehört zu den Pfeilerworten der LTI (Sprache des 3. Reichs), es bezeichnet den Idealzustand nazistischer Geistigkeit ihrem Führer gegenüber. Hitler wiederholt in ‚Mein Kampf’ immer wieder, dass blinder Glaube, blinde Disziplin die unerlässliche Voraussetzung für die Durchschlagskraft und die Ewigkeit einer Bewegung seien.

- Block: unterste Organisationseinheit der NSDAP und der angeschlossenen Verbände DAF, NSV, NS-Frauenschaft. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. nach amerikanischem Vorbild die Bezeichnung für ein Straßenviereck. Im NS wird der Begriff in spezieller Bedeutung zum Namen der untersten Organisationseinheit in der regionalen Aufgliederung der NSDAP in Reich, Gau, Ortsgruppe, Zelle, Block.

- Blut: rassisch geprägte Erbmasse eines Volkes; synonym auch für Rasse; überhöhtes Symbol: das Mysterium des nordischen Blutes. „Unsere Jugend muß [sic!] lernen, was Rasse bedeutet und zur Einsicht gelangen, daß [sic!] nur ein rassereines Volk Bestand haben kann. Sie muß [sic!] wissen, daß [sic!] die Rasse das Wesen eines Volkes bedingt, daß [sic!] Rasse gleich Blut ist und damit an jeden Deutschen Forderungen erhebt.“

- Blut(s)vergiftung: Niedergang eines Volkes durch Vermischung mit einer artfremden Rasse.

- Bonze: Schmähwort für Politiker, Partei-, Gewerkschafts- und Verbandfunktionäre der Weimarer Republik.

- brutal: kompromisslos entschlossen; wie fantastisch und rücksichtslos erfährt der Ausdruck brutal im NS-Sprachgebrauch eine Aufwertung, bezogen auf die Gegner erhält brutal einen tadelnden Sinn. „Seiner [des Juden] ganzen inneren raubgierigen Brutalität entsprechend stellt er die gewerkschaftliche Bewegung zugleich auf brutalste Gewaltanwendung ein.“

C

- Charakter: rassegebundenes geistig-seelisches Gepräge des Menschen; „Der völkische Staat hat in dieser Erkenntnis seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das Einpumpen bloßen Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten. Hier aber wieder an der Spitze die Entwicklung des Charakters […]“

D

- Dienst: verpflichtende Teilnahme an Veranstaltungen der NSDAP und ihrer Gliederungen.

- Dienstverpflichtung: Zwangsmobilisierung von Arbeitskräften, auch in den besetzten Gebieten, für die Kriegswirtschaft.

E

- Ehre: In nationalsozialistischer Rhetorik der Grundwert der nordischen Rasse und damit der deutschen Volksgemeinschaft, der seine Norm von dem Ziel der „Reinhaltung des Blutes“ erhalten soll. Ehre kann es nur geben, wenn Bewusstsein der eigenen Art vorhanden ist; wer sich – und sei es unbewusst, instinktiv – zu seiner eigenen Art bekennt, besitzt auch keine Ehre.

- Einsatz: das Einsetzen, Verwenden von Personen und Sachen für militärische, politische und andere Zwecke. „Die Bevölkerung wird sehr scharf darüber wachen, ob der totale Einsatz auch wirklich durchgeführt wird.“ „Die Schüler der höheren und mittleren Schulen, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, stehen in den Ferien zum Einsatz als landwirtschaftliche Hilfskräfte zur Verfügung.“ „Einsatz“ ist im heutigen Sprachgebrauch in allen in der NS-Zeit ausgeprägten Bedeutungen geläufig und mit zahlreichen Weiterbildungen in der Gegenwartssprache vertreten, z. B. Einsatzbereitschaft.

- entartete Kunst: offizielle Bezeichnung für die politisch, missliebige, moderne, als krankhaft bewertete Kunst der Avantgarde.

- Erbkrankheit, erbkrank: erbliche Krankheit; an einer erblichen Krankheit leidend; der Ausdruck „Erbkrankheit“ ist schon 1799 belegt. Johann Peter Frank (1748 – 1821) behandelt im 1. Band seines Werkes „System einer vollständigen medicinischen Polizey“ das „Zeugungswerk“. Frank betonte, dass vor allem auf eine gesunde Bevölkerung Wert zu legen sei. Denn „ein Zuwachs elender und sicher Körper“ ist nur „ein Haufe müßiger Kostengänger“, deren Unterhalt „die Verwendungen der geschäftigen Klasse verdoppeln“ muss. Das Adjektiv "erbkrank" ist eine moderne Rückbildung zu Erbkrankheit. Das Wort erscheint 1934 erstmals im Rechtschreibduden. Durch das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14.7.1933 wurden erbkrank und die Substantivierungen des Adjektivs Erbkranker und Erbkrankheit zu aktuellen, häufig gebrauchten Ausdrücken.

- Erbsünde: Verstoß gegen das von den Nationalsozialisten proklamierte Gebot der Rassenreinheit, Rassenschande; Mhd. ‚erbesünde’, Lehnübersetzung von lat. ‚peccatum hereditarium’, bezeichnet nach christlicher Lehre die von Adam ererbte Ursünde der Menschheit. Die ins weltliche übertragene Verwendung des Ausdrucks war schon im 19. Jh. üblich: „Der aristokratische Erbhochmut ist die wahre Erbsünde.“ In der Bedeutung „Sünde wider das Gebot der Rassenreinheit“ taucht Erbsünde zuerst in den Zirkeln der rassistischen Völkischen zu Beginn des 20. Jh. auf, so bei dem obskurem Jörg Lanz von Liebenfels: „Moses, die Propheten und Christus und der neue Bund, sie haben nur ein Gesetz und eine Lehre immer und immer wieder der sich planlos vermischenden Menschheit gepredigt, das Gesetz der Reinzucht.“

- Erfassung, erfassen: 1) vollständig durchorganisieren, ideologisch durchdringen, völlig beherrschen; 2) für den Arbeitsdienst, den Wehrdienst, den Arbeitseinsatz, für Beschlagnahme und Raub registrieren; 3) für die Sterilisierung, Internierung, Euthanasie vorsehen; 4) ergreifen und ermorden.

- Evakuierung, evakuieren: 1) Kriegs- oder bombenbedrohte Gebiete von Frauen und Kindern räumen; 2) Juden mit dem Ziel der Vernichtung deportieren; evakuieren wurde im 19. Jh. aus lat. ‚evacuare’ „räumen, leer machen“ entlehnt, zu lat. ‚vacuus’ „leer“. „Im Zuge der Juden-Evakuierungsaktion ging am 29. November ein Sonderzug mit 1000 Juden und neune Kindern von Nürnberg nach Riga ab. Vermutlich aus Furcht vor der bevorstehenden Evakuierung haben drei Jüdinnen Selbstmord verübt.“

- ewig: empathisch: auf immer dauernd; religiös überhöht: zeitlos ie das Göttliche; im Sinne der Erbbiologie: die Einheit des Lebens in der ununterbrochenen Kette der Erbträger. „Ewig“ war in der NS-Zeit ein viel gebrauchtes Modewort.

F

- Fanatismus, fanatisch, Fanatiker: „sich unbedingt, rücksichtslos einsetzend“; blind enthusiastische, rücksichtslose Einsatzbereitschaft; das Adjektiv „fanatisch“ wurde im 16. Jh. entlehnt aus lat. ‚fanaticus’ „religiös schwärmerisch“, „von der Gottheit ergriffen“, zu lat. ‚fanum’ „Ort der Gottheit“, „Tempel“. Das Substantiv Fanatismus ist 1760 belegt: „Man spielte dabey [sic] die Tragödie Mahomet oder der Fanatismus“. Das substantivierte Adjektiv Fanatiker tritt erst Ende des 18. Jh. auf. Die Verwendung der Wortgruppe mit negativer Wertung ist vorherrschend. Im NS kommt es zu einer breiten Umwertung der Ausdrücke fanatisch, Fanatismus, Fanatiker. „[…] denn da der Nationalsozialismus auf Fanatismus gegründet ist und mit allen Mitteln die Erziehung zum Fanatismus betreibt, so ist fanatisch während der gesamten Ära des Dritten Reiches ein superlativisch anerkennendes Beiwort gewesen. Es bedeutet die Übersteigerung der Begriffe tapfer, hingebungsvoll, beharrlich, genauer eine glorios verschmelzende Gesamtaussage all dieser Tugenden, und selbst der leiseste pejorative Nebensinn fiel im LTI-Gebrauch des Wortes fort. An Festtagen, an Hitlers Geburtstag […] gab es keinen Zeitungsartikel […] keinen Aufruf […], die nicht ein ‚fanatisches Gelöbnis’ oder ‚fanatisches Bekenntnis’ enthielten, die nicht den ‚fanatischen Glauben’ an die ewige Dauer des Hitlerreiches bezeugten.“

- Feierabendgestaltung, Freizeitgestaltung: Organisation der Freizeit durch das Amt „Feierabend“ in der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“. Der Ausdruck Freizeitgestaltung, der sich über die Feierabendgestaltung hinaus auf die Organisation und Kontrolle der gesamten freien Zeit der arbeitenden Bevölkerung bezieht, wird von W. Linden 1943 in der Wortgeschichte von Maurer/Stroh als Neuwort des nationalsozialistischen Staates angeführt.

- auf der Flucht erschossen: Stereotyp gewordene Angabe der Todesursache auf Totenscheinen der Konzentrationslager und in den Formularen zur Benachrichtigung der Angehörigen von Häftlingen.

- Führer: in absoluter Verwendung: nomen proprium, Beiname Hitlers.

G

- Garant: Schlagwort des NS (Bürge), das sich durchsetzte, nachdem es zum Lieblingswort Hitlers geworden war: „Ich bin für Deutschland der Garant […]“ Noch Ende 1944 schreibt Goebbels: „Wir sind damit die Garanten einer neuen Zukunft der gesamten, gesitteten Welt. Sie würde verloren sein, wenn wir uns selber preisgäben.“ Garant kommt auch im heutigen Sprachgebrauch vor. Der Ausdruck wird (wie schon im NS) oft gleichbedeutend mit „Garantie“ verwendet.

- Gemeinschaft: Schlagwort des NS: Bezeichnung für die aus dem Fronterlebnis der Ersten Weltkriegs erwachsene, auf Blut und Rasse gegründete, vor der nationalsozialistischen Weltanschauung getragene Verbundenheit aller Volksgenossen untereinander und mit dem Führer; „1. Die Gemeinschaft ist nicht ein Kollektiv, ein zusammengehaltener Haufen von Menschen, sondern sie ist ausgerichtet, jeder hat seinen Platz. 2. Oberstes Gebot der Gemeinschaft ist Disziplin, ausgedrückt durch die Begriffe ‚Führer und Gefolgschaft’“.

- gesund: speziell: der Norm der NSDAP entsprechend. „Und gesund war, was dem Willen und Nutzen der Partei entsprach.“ (Victors Klemperer) Aus NS-Monatsheft: „[…] Wenn ich also von einem gesunden Menschen spreche, so will ich damit ausdrücken, daß [sic!] er als handlungsbereit und für die Gemeinschaft einsatzfähig bezeichnet werden soll. […] Gesund ist ein Mensch dann, wenn er so ist, wie ihn die Gemeinschaft haben will.“

- gigantisch: Modewort der NS: gewaltig, nie dagewesen. „Gigantisch“ wird vor allem von Hitler zur Charakterisierung der Einzigartigkeit des NS verwendet: „Angefangen von den Millionenscharen unserer Jugend bis zur gigantischen Gemeinschaft der in der Front vereint tätigen Arbeiter der Stirn und der Faust sehen wir die Zeugen nationalsozialistischer Organisationskunst und Organisationsarbeit.“

- Glaube: Der NS als neuer politischer Glaube; innere Haltung des wahren Nationalsozialisten: fragloses, hingebungsvolles Vertrauen in die Sache des NS und die Fähigkeit des Führers (und der von ihm Beauftragten), stets das Richtige zu tun; quasireligiöse Hingabe an die neue Heilslehre des NS und den gottgesandten Führer; die neue arteigene Religion des nordischen Blutes.

- gottgläubig: amtliche Bezeichnung für das neue arteigene Bekenntnis der aus den christlichen Kirchen Ausgetretenen. Im 3. Reich wurde durch Erlass des Reichsministers des Innern vom 26.11.1936 anstelle der Ausdrücke „Dissident“ oder „konfessionslos“ offiziell der Ausdruck „gottgläubig“ zur Angabe der Religionszugehörigkeit vorgeschrieben.

- Gliederung: Organisationseinheit der NSDAP.

- Greuelmärchen, Greuelnachrichten [sic!]: Das Aufstellen und Verbreiten unwahrer oder angeblich gröblich entstellter Tatsachenbehauptungen (im In- oder Ausland), die geeignet waren, den Interessen des Dritten Reiches zu schaden.

H

- Härte, hart: Die Qualität eines idealen Nationalsozialisten; Mhd. ‚herte’ bezeichnete, auf den Menschen bezogen, die unfreundliche Gesinnung: „Ich truc iu do so herten mut“. Die Nationalsozialisten machten aus dem Adjektiv hart (wie aus dem Substantiv Härte) ein verbreitetes Hochwertwort. „Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl.“ – Die gleichen Eigenschaften fordert Hitler später von der Jugend des Dritten Reichs: „Was wir von unserer deutschen Jugend wünschen, ist etwas anderes, als es die Vergangenheit gewünscht hat. In unseren Augen da muß [sic] der Junge der Zukunft schlank du rank, flink wie Windhunde, zäh wie […]“

- Heroismus, heroisch: heldisch: heldenhaft; Bezeichnung für die Qualität des „erblich-gesunden nordischen Menschen“.

- Hohe Schule: geplante „zentrale Stätte der nationalsozialistischen Forschung, Lehre und Erziehung“, die seit 1938 in einzelnen Ressorts ausgebaut wurde.

I

- Intellekt: abwertend: wurzelloser, kritisch zersetzender und unfruchtbarer Verstand; das aus dem lat. ‚intellectus’ „Erkenntnisvermögen“, „Verstand“ gleichbedeutend entlehnte „Intellekt“ wird schon 1571 in Simon Rots Fremdwörterbuch geführt. Für die Nationalsozialisten bezeichnet Intellekt überwiegend das kritisch zersetzende, sterile Denkvermögen, wie sie es insbesondere den Juden unterstellen. „Intellekt. Hinweg mit diesem Wort dem bösen,/ Mit seinem jüdisch-grellen Schein!/ Wie kann ein Mann von deutschem Wesen/ Ein Intellektueller sein?“ (abgedruckt im „Plischke-Jahrweiser [Kalender] für das Jahr 1935)

- Intellektueller: einseitig verstandesmäßig geprägter, überkritischer, wurzelloser, unschöpferischer Mensch. „[…] wolle man unter dem Intellektuellen einen Mann verstanden wissen, der ohne Fühlung zum Volk und ohne Bindung zur Gesamtheit von seinen Verstandeskräften überspitzt Gebrauch mache und nicht im Leben stehe.“

- international: abwertend: undeutsch, vaterlandslos, zur jüdischen Weltverschwörung gehörig. „Rassisches Denken schließet den Internationalismus aus […]“ (Meyers Lexikon). Diffamierungsvokabel der Kampfzeit: „internationale Drahtzieher, internationale Hochfinanz, internationale Regie, internationale Weltvergiftung …“ Aus ‚Mein Kampf’: „internationales Börsenjudentum, internationales jüdisches Börsenkapital, internationale jüdische Weltfinanz“ u. a.

J

- Jude: seit der „1. Verordnung vom 14.11.1935 zum Reichsbürgergesetz ‚eine Person, die die Kriterien des gesetzlichen Judenbegriffs’ erfüllte“; verächtlich gemeinter Namenszusatz für Menschen jüdischer Herkunft oder solche, die ihnen gleichgesetzt wurden.

K

- Kameradschaft: Geist der nationalen Solidarität in der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft; Einheit nationalsozialistischer Organisationen wie HJ, des NS-Studentenbundes in der NSDAP, des Reichsarbeitsdienstes der weiblichen Jugend; für die Dauer der Schuldung gebildete Gruppen in Schulungslagern; nationalsozialistische Künstlervereinigung. Während „Freundschaft“ eine Teilerscheinung zwischen zweien ist, umfasst Kameradschaft immer eine geschlossene größere Gemeinschaft. Kameradschaft ist zugleich die vollkommene Form des Männerbundes, der unter dem Gesetz von Führung – Gefolgschaft steht und einer soldatisch-heroischen Ordnung gehorcht.

- kämpferisch: heroisch, kampflustig: kennzeichnendes Attribut für Charakter, Haltung und Leistungen des idealen Nationalsozialisten.

- körperliche Ertüchtigung: Grundprinzip der nationalsozialistischen Erziehung zum „neuen Menschen“.

- Kulturschaffende: Sammelbezeichnung für alle im weitesten Sinne im Bereich der Kunst Tätigen, die in der Reichskulturkammer berufsständig organisiert waren.

L

- Lebensraum: NS-Schlagwort zur Legitimation einer rassisch begründeten gewaltsamen Expansion des Deutschen Reichs nach Osten; Goethe verwendete den Ausdruck „Lebensraum“ in den ‚Wahlverwandtschaften’ (1809) in der Bedeutung (Zeit-)Raum, Spanne des Lebens’. Gegen Ende des 19. Jh. gewinnt die Zusammensetzung Lebensraum die neue Bedeutung: Raum für das Leben. „Das Volk wächst indem es seine Zahl vermehrt, das Land indem es seinen Boden vergrößert und da das wachsende Volk für seine Zunahme neune Boden nötig hat, so wächst das Volk über das Land hinaus …].“ (Friedrich Ratzel, Professor für Geografie, in seinem Werk „Politische Geographie oder die Geographie der Staaten, des Verkehrs und des Krieges“) Hitler: „Deutschland entschließt sich, zu einer klaren weltanschaulichen Raumpolitik überzugehen. Es wendet sich damit von allen weltindustriellen und welthandelspolitischen Versuchen ab und konzentriert statt dessen alle seine Kräfte, um unserem Volk durch die Zuweisung eines genügenden Lebensraumes für die nächsten 100 Jahre auch einen Lebensweg vorzuzeichnen. Da dieser Raum nur im Osten liegen kann […]“ Im Jänner 1929 erscheint im ‚Völkischen Beobachter’ ein Artikel „Der Kampf um den deutschen Lebensraum: […] Deutschland braucht 1 320 000 Quadratkilometer Lebensraum.“

- Leistung: rassisch definiertes NS-Schlagwort, dessen zahlreiche Komposita überwiegend die Maßnahmen zur Produktionssteigerung im Rahmen des Vierjahresplans bezeichnen.

- Leistungskampf: Wettbewerb der Betriebe um die Verleihung der Bezeichnung „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“.

- Leistungsprinzip: von den Nationalsozialisten reklamierter Grundsatz, bei der Stellenbesetzung nicht die Herkunft, sondern allein die fachliche Qualifikation und die charakterliche Bewährung, d. h. die nationalsozialistische Gesinnung, zu berücksichtigen.

- liquidieren: erschießen, beseitigen, hinrichten; der ursprüngliche kaufmännische Ausdruck liquidieren ‚Geschäft auflösen’, ‚zu Geld machen’ wurde im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend spätlat./ital. ‚liquidare’, zu lat. ‚liquidus’ „flüssig“. Ein Geschäft wird aufgelöst, indem es in flüssige Mittel verwandelt wird. Die Nationalsozialisten verwendenden liquidieren in der Bedeutung töten, beseitigen; die 12. Auflage des Rechtschreibdudens brachte 1941 unter dem Stichwort „liquidieren“ zum ersten Mal den zusätzlichen Eintrag „beseitigen“.

M

- Mädel: Mitglied des Bundes Deutscher Mädel (BDM). Mädel (Plural Mädels), 1691 bei Stieler belegt, wie Mädchen eine Verkleinerungsform von Magd, wird im 17. Jh. häufig von süddeutschen Schriftstellern gebraucht, breitet sich im 18. Jh. regional auch im Norddeutschen aus. Mit der Gründung des BDM in der HJ im Jahr 1930 wird Mädel zur amtlichen Bezeichnung für die Mitglieder dieser Organisation. Das Erziehungsziel des BDM-Werks „Glaube und Schönheit ist das schöne Mädel: Die Bildung zum schönen Mädel, zu der ihm eigenen natürlichen Anmut, wird durch die Arbeitsgemeinschaften für Leibesübungen und Gymnastik und durch planmäßige Körperpflege gefördert. Auf diese Weise wird das schöne Mädel zum bestimmenden Typ unserer Zeit erzogen.“

- marschieren: konkret: nationalsozialistisches Modewort: sich im Gleichschritt in Kolonnen, Umzügen, Aufmärschen, Vorbeimärschen fortbewegen (von NS-Organisationen und Militär); metaphorisch: sich unaufhaltsam Bahn brachen; weltanschaulich: die Zukunft gestalten.

- Miesmacher: Kritiker „an der Aufbauarbeit des NS“.

- minderwertig: Terminus der Rassenhygiene; auf Menschen bezogen, die i. B. a. ihre rein genetisch definierte körperliche und geistige Gesundheit, Leistung und Moral nicht den Anforderungen der NS-Volksgemeinschaft entsprachen und daher von der Fortpflanzung ausgeschlossen wurden.

O

- Objektivität: abwertend: Bezeichnung für die als schwächlich geltende, mit Intellektualismus und Liberalismus identifizierte Haltung, die Vorurteilslosigkeit anstrebt, anstatt sich allein am Interesse der Volksgemeinschaft zu orientieren. Hitler: „Man erziehe das deutsche Volk schon von Jugend an mit jener ausschließlichen Anerkennung des eigenen Volkstums und verpeste nicht schon die Kinderherzen mit dem Fluche unserer Objektivität.“

- organisch: Kontrastwort zu künstlich, mechanisch, rational, abstrakt, individualistisch; Bedeutung: 1) belebt, natürlich werden und wachsend – metaphorisch bezogen auf die NS-Weltanschauung, die Partei, ihre Gliederungen, ihre Organisationen; 2) zu einem Organismus gehörig, in einem Organismus nach biologischen Gesetzen planmäßig zusammenwirkend – metaphorisch bezogen auf die Glieder des Volkskörpers; positiv wertendes Modewort in vieldeutiger Verwendung für alles, was mit nationalsozialistisch identifiziert wurde.

P

- Parasit: Schmähwort gegen die Juden; der Ausdruck Parasit wurde im 15. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend lat. ‚parasitus’ („Tischgenosse“), dieses aus gleichbedeutend griech. ‚parásitos’ (wörtlich: „mit einem anderen essend“) zu griech. ‚sitos’ „Speise“. Die wertfreie Bedeutung Tischgenosse enthielt keine pejorative Komponente. Herder (1744 – 1803) gebrauchte bereits 1787 und 1791 (als erster?) „parasitische Pflanze“ metaphorisch für die Juden. Bei den Antisemiten war gegen Ende des 19. Jh. der Gebrauch des Ausdrucks zur Diffamierung der Juden üblich.

- parasitär: schmarotzerhaft, speziell auf Juden bezogen; Goebbels fasste 1937 in seiner Rede „Die Wahrheit über Spanien“ die Stereotypen über die Juden in einem Satz zusammen: „Sehet, das ist der Feind der Welt, der Vernichter der Kulturen, der Parasit unter den Völkern, der Sohn des Chaos, die Inkarnation des Bösen, das Ferment der Dekomposition, der plastische Dämon des Verfalles der Menschheit!“

- Propaganda: Bezeichnung aller Maßnahmen der NS zur einheitlichen Ausrichtung des Volkes in allen politischen Fragen.

S

- Schädling: Bezeichnung für alle in der NS-Volksgemeinschaft aus politischen, rassischen, wirtschaftlichen oder ideologischen Gründen unerwünschten Personen.

- schlagartig: wohlvorbereitet, prompt, überraschend; der nach Angabe des „Etymologischen Wörterbuchs‘ Kluge“ im 19. Jh. entstandene, bei Pekrun 1933 gebuchte Ausdruck wird im Glossar von H. Paechter „Nazi-Deutsch“ 1944 „a favorite magic word“ der Nationalsozialisten genannt.

- Schulung: Ausrichtung auf den NS; Schulung in der Bedeutung ‚Unterrichtung’, ‚Bildung’, ‚Ausbildung’ wurde im 19. Jh. zu dem 1786 bei Goethe belegten ‚schulen’ gebildet. Gustav Freytag (1816 – 1895): „zarte gesundheit und vielleicht unvollkommenheit der schulung, haben ihn verhindert, vor seinem frühen tode eine bedeutende thätigkeit als gelehrter zu erweisen.“ Im NS erfährt Schulung eine Bedeutungsverengung. Der Ausdruck bezeichnet nun ein „Teilgebiet der politischen Erziehungsarbeit der NSDAP.“

- Schutzhaft: polizeilich angeordnete, zeitlich unbegrenzte Inhaftierung – ohne Gerichtsverfahren, ohne Urteil, ohne Rechtsschutz –, vollzogen in Gefängnissen und Konzentrationslagern.

- Sicherstellung, sicherstellen: Deckung des Kräftebedarfs für kriegswichtige Aufgaben durch Zwangsverpflichtung von Arbeitskräften zum Arbeitseinsatz; beschlagnahmen, enteignen; speziell bezogen auf: Kunstraub in behördlichem Auftrag, Enteignung des jüdischen Vermögens.

- Sonderbehandlung: Verhüllendes, sehr bald zynisches Codewort für Exekution.

- Sturm: Name einer Unterabteilung der SA und der SS.

- System: verächtlich für die Weimarer Republik.

V

- Verfallszeit: Die Zeit der Weimarer Republik 1918 – 1933.

- Vergeltung: Von Propaganda begleitete Bombardierung englischer Städte als Revanche für die alliierten Luftangriffe auf deutsche Städte. Die auch im 1. Weltkrieg verwendeten Ausdrücke „Vergeltung, Vergeltungsmaßnahme“ (und andere mit dem Bestimmungswort Vergeltung) erhielten im 2. Weltkrieg einen besonderen Stellenwert, weil sie in der Propaganda bewusst eingesetzt worden sind, um der durch die alliierten Bombenangriffe hart betroffenen Zivilbevölkerung einen baldigen Endsieg über einen zermürbten Gegner in Aussicht zu stellen.

- Volk: eine durch Rasse und gemeinsamen Volksboden geprägte naturhafte Gemeinschaft von gemeinsamer Abstammung, Geschichte, Sprache und Kultur, die einer starken Führung und steter Erziehung und Ausrichtung bedarf. Der nationalsozialistische Sprachgebrauch steht in der Tradition der emphatischen Überhöhung des Ausdrucks Volk, wie sie schon bei den Nationalbewegungen des 19. Jh. parteiübergreifend, aber spätestens seit 1918 üblich geworden war. „Volk“ ist eine, aus ganz bestimmten Rassen hervorgegangene, Lebenseinheit, ein Rassengemisch, in dem die vorwiegende Rasse die völkische Eigenart bestimmt. „Volk“ ist nicht etwa die Summe von soundso viel Millionen Einzelmenschen, sondern ein lebendiges Ganzes, das durchseelt ist von dem inneren Gesetz der in ihm vorwiegenden Rasse, die alle Geschlechter der Gegenwart, der Vergangenheit und Zukunft umfasst.

W

- Walter: Kurzform für Amtswalter, die Bezeichnung für den Funktionär eines der NSDAP angeschlossenen Verbandes.

Z

- Züchtung: Schaffung einer rassischen Elite mit Hilfe von Eugenik und Rassenhygiene.

- Zusatzname: Bezeichnung für die Vornamen Israel und Sara, die Juden ab dem 1.1.1939 neben ihren eigenen Vornamen führen mussten, wenn diese als nicht „typisch jüdisch“ galten.

Vgl. Schmitz-Berning, Cornelia (2000): Vokabular des Nationalsozialismus, Berlin/New York: de Gruyter.

Conclusio

Selbstverständlich ist jedermann bewusst, dass Begriffe wie „Rassenschande“, „jüdischer Mischling“, „minderrassig“, „Sieg Heil“, „Umvolkung“, „Verjudung“, „Untermensch“, „Verbastardierung“, „Entjudung“, „fremdrassig“, „Vollzigeuner“, „Menschenmaterial“, „Judenstämmling“, „blutsfremd“, „Endlösung der Judenfrage“, „Halbjude“, „ostische Rasse“, „Vernegerung“, „Vierteljude“, „Rassenreinheit“ u.s.w. der „Sprache des Nationalsozialismus“ zuzurechnen ist und sie haben im alltäglichen Sprachgebrauch nichts verloren, keine Frage.

Wie aber durch die alphabetische Auflistung einzelner Stichwörter aufgezeigt werden konnte, finden sich im heutigen offiziellen/öffentlichem Sprachgebrauch viele Ausdrücke, die entweder durch die Nationalsozialisten neu geprägt oder umgedeutet worden sind bzw. eine spezifische Bedeutung erfahren haben sowie viele Wörter der Nationalsozialisten, die aufgrund der hohen Gebrauchsfrequenz ihren hohen Stellenwert erhalten haben, von deren nationalsozialistischer Bedeutung jedoch kaum jemand Kenntnisse besitzt.

Im Angesicht des Auszuges der angeführten nationalsozialistisch geprägten Wörter, wie beispielsweise „gigantisch“, „Evakuierung“, "Arbeit", „Glaube“, „Charakter“, „Ehre“, „Intellekt“, "Amt", "ewig", „gesund“, "Freizeitgestaltung", "Leistung" usw. usf. wird rasch offenbar, dass die deutsche Sprache von A bis Z vom unsäglichen Nazijargon indoktriniert ist!

Nun ist es aber so, dass derjenige, der sich nationalsozialistischer Wörter – sog. Nazi-Sprech – bedient, selbstverständlich dem rechten Lager zuzuordnen und als Nazi zu bezeichnen ist, zumindest der linken Propaganda gemäß.

Was ist nun zu tun? Ist die deutsche Sprache zu eradikadieren?

https://www.bento.de/politik/nazi-sprech-benutzt-du-diese-saetze-im-alltag-a-00000000-0003-0001-0000-000001827666

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