Der Legende nach soll sich einst im schönen Wien Folgendes zugetragen haben:

Zwei vom Intellekt nicht besonders geplagte Mitarbeiter und optisch nicht gerade als Adonis zu bezeichnende, weil doch ordentlich wampert und kahlköpfig, bei der MA 48 beschäftige Mitarbeiter, „Mistkübler“ wie man in Wien so sagt, hatten einen harten Tag hinter sich gehabt und daher bereits früh am Morgen die ersten paar Achterl gezwischert. Nach der Arbeit hatten die beiden Männer, gleich in der doch etwas mitgenommenen und verunreinigten, - man kann auch dreckig sagen, - Arbeitsmontur, beschlossen, den Arbeitstag beim Branntweiner an der Ecke ausklingen zu lassen, da es zu Hause ohnehin niemanden gab, der auf sie wartete. Die Frauen waren nach dem zweiten blauen Auge und der vierten gebrochenen Rippe samt den drei ständig schmuddelig aussehenden Fratzen Jessica, Kevin und Jaqueline mit den schwarzen Stummeln im Mund, - einst einmal kleine, weiße Milchzähnchen gewesen, - abgehauen. Aber selbst wenn dies nicht der Fall gewesen wäre und die Angetraute die versiffte eheliche Wohnung nicht Hals über Kopf verlassen hätte und ins Frauenhaus geflüchtet wäre, sie hätten von ihrem Vorhaben nicht abgelassen, denn die Frau, die einen solchen Prachtkerl, - zahnlos und alkoholabhängig zwar, aber immerhin gut verdienend, - ihren Ehemann nennen darf, hat dankbar, geduldig, hörig und bescheiden zu sein und ihrem Holden nicht zu widersprechen, nichts zu erwarten, nicht zu fordern.

Und wie die zwei Mistkübler da beim achten oder neunten Krügerl Ottakringer, - es kann auch ein Schwechater gewesen sein, - im grindigen Beisl im 16. Hieb über das Leben und die Frauen sinnierten, sagte der eine Volltrunkene ganz unvermittelt zum anderen, - es soll so gegen 5 Uhr morgens gewesen sein - „Hearst, waast du des? Deppate Weiba fick'n guad!“ Der angesprochene Illuminierte brauchte eine Zeit lang um das Gehörte, das wie Dunst aus einer vom Regen nassen, dampfenden Wiese aufgestiegen und langsam zu ihm vorgedrungen war, geistig verarbeiten zu können, ehe er lallend antwortete: „Des is a oida Huat! Do gibt’s jetzn wos Bessas! Neierdings sogt ma, dass die schiarchen Weiba dankbor san.“

Sie fachsimpelten noch ein wenig, ehe sie beschlossen, die aufgestellte Hypothese alsbald in der Realität zu überprüfen. Sie zahlten ihre Zeche, wackelten auf den Gehsteig, - die Sonne ging gerade auf, - und stierten die vorbeieilenden, auf dem Weg in die Arbeit seienden Frauen an. Da war eine hübsche Blonde, sicher 1,8 m groß, lange Beine, Hosenanzug, schwarze High Heels, kleine, wohlgeformte Brüste, eine kleine Rothaarige mit Sommersprossen auf der Stupsnase, freche Stirnfransen, mit T-Shirt, Jeans und Sneakers bekleidet, großer Busen, eine Schwarzhaarige, - die Haare fielen ihr bis auf die Hüfte, - die eine geblümte Bluse, einen sportlichen Minirock und Pumps trug und noch so viele andere, die sich hastig an den zwei Müllmännern mit der Fahne und den Dreckrandln unter den Nägel vorbeidrängten. Sie getrauten sich diese schönen Frauen allerdings aus Angst vor deren Undankbarkeit nicht anzusprechen.

Und dann kam SIE, - die zwei vermeintlichen Traummänner hatten sie nahezu gleichzeitig erblickt, - um die Ecke gebogen, langsam die Straße hinaufkriechend, auf die beiden B’soffenen zu. Sie war so unsagbar hässlich, schwerfällig, plump, abschreckend, schwarz wie die Nacht, stillos, - man könnte sie beinahe als missgebildet bezeichnen, - sich in der Fortbewegung plagend, weil sie so unglaublich blad war.

„Oida, des is! Des is! De loch ma uns on! Die is sicha dankbor!“, lallte der eine und mit unsicheren Schritten stolperte er auf die Straße, breitete die Arme aus, und lief ihr entgegen, ihr, der Traumfrau, die so scheußlich und widerwärtig aussah wie bisher keine, die er jemals in seinem Leben erblickt hatte, der andere Beduselte nur einige Schritte hinter ihm her wankend. Auch er hatte die Arme weit ausgebreitet, als wollte er sie fest an seine schwarz behaarte Brust drücken.

Auf den Grabsteinen der beiden Männer stand geschrieben:

„Die Moral von der Geschicht‘: Eine Straßenwalze nicht dankbar ist!“

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