Wenn der Hase eine Partie Schach gegen die Löwin eröffnet, indem er aufs Brett kackt

Ich wäre ja sehr für eine sizilianische Scheidung gewesen, weil de facto sehr viel billiger, aber aus unerfindlichen Gründen in Österreich nicht so angesehen, zumindest vor Gericht, mutmaße ich jetzt einmal, deshalb habe ich davon abgesehen. Wenn sich nun zwei so unreife, narzisstisch gekränkte Vollkoffer wie mein Ex-Hase und ich scheiden lassen, dann natürlich mitnichten einvernehmlich, denn wo kommen wir denn da hin? Haben ja während der Ehe kaum miteinander gesprochen, also wozu knapp vor der Scheidung damit anfangen? Da ist es doch allemal besser den Film "Der Rosenkrieg" nachzustellen und ein für alle Mal abzuklären, wer von Beiden intelligenter und/oder skrupelloser ist respektive wer die größeren Eier hat. Und so habe ich mir zunächst einmal unseren wertvollsten Besitz unter den Nagel gerissen - die Kaffeemaschine! Die Rache ist mein, dachte die Löwin! Soll er sich halt am nächsten Morgen eine Dose Gösser aufreißen!

Nun muss man zwecks besserem Verständnis vorausschicken, dass der Hase zu jenem Zeitpunkt bereits, nachdem er an einem sonnigen Nachmittag theatralisch und scheinbar aus dem Nichts kommend "ich halte das nicht mehr aus, ich suche mir eine Wohnung!" ausgerufen hatte, worauf die Löwin lakonisch gemeint hatte, dass das eine gute Idee sei und sich umgedreht hatte, um die Fenster putzen zu gehen, als wären saubere Glasscheiben das Wichtigste der Welt, ein - einem Nagetier würdig seiendes - Rattenloch in der großen, bösen Stadt bezogen hatte, während die Löwin in ihrem - jetzt ganz im juristischen O-Ton - bereits vor der Eheschließung in ihrem Besitz befindlichen Eigenheim verblieben war, jedoch in ihrem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Mann - bekanntlich auch nur ein Mensch - vergessen hatte, ihm bei seinem plötzlichen und überraschenden Weggang zwecks Wohnungssuche den Hausschlüssel abzunehmen. Ergo dessen musste die Löwin hernach eine Zeit lang frieren, da der Hasenbraten in einem Anfall von kindlicher Rache ob seines schiefgegangenen Bluffs mit einem wahrlich schlechten Blatt in der Hand die Heizung in ihrer Abwesenheit dermaßen geschickt manipuliert hatte, dass es auch dem fähigsten Installateur nicht auf Anhieb gelungen war, diese alsbald wieder in Gang zu setzen. Der Stolz einer Löwin verbietet es allerdings, den Peiniger um Hilfe zu bitten, da verbringt sie lieber ihre Nächte in der Infrarotkabine schlafend, weil diese wärmt bekanntlich hervorragend. Außerdem waren die Möbel, inklusive Wasserbett, eh auch allesamt weg gewesen, als sie eines schönes Tages nach Hause gekommen war. Bitte, ob er auch das im Bett befindliche Wasser mitgenommen hat, entzieht sich der Löwins Kenntnis. Aber wenn eine Sache schon so schön am Eskalieren ist, dann kann ein Raubtier natürlich nicht umhin, ihm, dem Hasen, seinen immer noch in ihrer Garage befindlichen heiß geliebten, geschneuzt und gestriegelten Oldtimer zum Schrottpreis unter dem Hintern weg zu verkaufen. Hasis einstweilige Verfügung, die der Löwin per Gerichtsbrieferl zugestellt und in der ihr der Verkauf des Fahrzeuges verboten worden war, kam leider um einige Tage zu spät. Shit happens!

Und weil der Löwin zu Ohren gekommen war, dass der Hase in ihrem Auto, dessen beide Autoschlüssel er in seinen Besitz gebracht hatte, seine ihm sehr zugetane Arbeitskollegin kosovo-albanischer Abstammung herumkutschierte, beauftragte die Löwin den ÖAMTC mit dem Abschleppen und der Heimbringung desselbigen. Fairerweise war sie zuvor nach Ankündigung via Whatsapp noch an seiner Arbeitsstätte, einem städtischen Krankenhaus, aufgetaucht, um ihm die Gelegenheit zu geben, ihr die Autoschlüssel freiwillig auszuhändigen. Der feige Hase hatte sich allerdings in einem Patientenzimmer - vermutlich vor Angst zitternd, schutzsuchend an einen ihm vollkommen ausgelieferten Intensivpatienten geklammert - versteckt und hatte sich von seinen Kollegen verleugnen lassen. Langer Rede kurzer Sinn: Kranauto ins Spital beordert und Auto verladen lassen. Die einige Tage später ins Haus flatternde einstweilige Verfügung, dass die Löwin das Spitalsgelände nicht mehr betreten dürfe, weil ihr Auftauchen auf der Station für Unruhe gesorgt hätte, kostete sie ein Lächeln, weil ... musste sie dort jemals wieder hin? Das Nachbestellen eines Autoschlüssels stellte die Löwin wahrlich vor keine große Herausforderung.

Zwischenzeitig hatte sich der Hase einen etwas älteren Herrn (weil ich weiß jetzt nicht, ob ich "einen senilen Greis" schreiben darf), seines Zeichens Dr. jur., zu Vertretungszwecken genommen und in der großen, bösen Stadt Scheidung wegen grundloser Eifersucht und lieblosem Verhalten - sozusagen Tierquälerei - eingereicht, während die Löwin eine Fr. Mag. Mag. Dr. beauftragt hatte - weil wennschon, dennschon - am zuständigen Bezirksgericht des letzten gemeinsamen Ehewohnsitzes Scheidung wegen böswilligem Verlassen zu begehren. Nach einem zirka zweimonatigen Streit der beiden Gerichte über die Zuständigkeit, war endlich ein Verhandlungstermin anberaumt worden, zu dem der Löwins damaliger Noch- und nunmehrige Ex-Hase sehr zum Missfallen des Richters neben seinem Herrn Anwalt auch noch seine Gang in Form von Arbeitskollegen und -innen mitgebracht hatte.

Und wer keine minderjährigen Kinder vorzuweisen hat, um die er bei der Scheidung streiten kann, verlangt das Sorgerecht für den Hund. Und wer schon sämtliche Möbel in seinen Besitz gebracht hat, der kann nur mehr die Herausgabe von drei Ikea-Drucken im Wert von Euro 15,00 verlangen. Und wer keinen Anspruch auf das Haus hat, der kann nur mehr ins Feld führen, dass er erst kürzlich den Gartenzaun gestrichen hat und nunmehr die Arbeitszeit verrechnen möchte. Und wer dermaßen vertrottelte Ansprüche stellt, der wird schließlich vom Richter mit den Worten "wenn Sie noch einmal den Mund aufmachen, dann drehen wir hier die nächste Folge am Schauplatz, ich ruf gleich den Resetarits an" so zusammen gestaucht, dass er mit Hut unter einer Tür durchgehen kann. Und Rutz Zutz war die unschuldige Löwin Kraft des Richters Amtes mit den Worten "a so a depperte Scheidung is mir no nie unterkumma und i bin seit 30 Johr Richta!" vom Hasen geschieden. Der gegnerische Anwalt bewies noch einmal überragende Intelligenz als er vermeinte, die Ehe müsse auch noch in der großen, bösen Stadt geschieden werden, da dort immerhin auch Scheidungsklage eingereicht worden war, ehe die Löwin glücklich und der Hase geschieden den Saal verließen und der Vorhang fiel. Die Möbel musste der Hase der Löwin übrigens alle zurückgeben, wobei sie, großzügig wie sie ist, auf das Bett samt Wasser verzichtet hatte und das Auto, maßlos überteuert, abkaufen. Der Hund läuft weiterhin mit der Löwin, die drei Ikea-Bilder aber, die hat der Hase bekommen.

Und als die Löwin heimkam, wartete bereits der Wolf mit Essen, Kaminfeuer und Kuschelrock auf sie, um die gewonnene Schachpartie würdig zu begehen ;)

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