Wenn Nazis in die Ukraine einmarschieren und österreichische Bergbauern eine Analyse dazu schreiben...

Es gibt einen neuen Blog auf fisch+fleisch, nach dessen Lektüre man den Eindruck gewinnen könnte, geopolitische Analysen bestünden aus Wunschdenken, Beleidigungen und unbelegten Behauptungen.

Der Autor vertritt die These, Selenskyj (das Arschloch) hätte im Frühjahr 2022 kapitulieren oder einen Neutralitätsdeal akzeptieren sollen. Als Beleg schreibt er:

„Und er [Selenskyj] hat es tatsächlich erwogen, hat einen Deal mit den Russen im März 2022 vereinbart. Er hätte mit diesem sogar seine Gebiete im Osten behalten dürfen, nur unter der Prämisse, kein NATO-Land zu werden und eine neutrale Ukraine auszurufen. Sogar der EU-Beitritt wäre ihm sicher gewesen.“

Genau an diesem Punkt zerfällt die gesamte Argumentation.

Die russischen Forderungen im Frühjahr 2022 beschränkten sich nicht auf Neutralität. Zu den zentralen Streitpunkten gehörten vielmehr:

Erstens: eine drastische Entmilitarisierung der Ukraine. Russland wollte die ukrainischen Streitkräfte massiv verkleinern und schwere Waffen streng begrenzen.

Zweitens: ein faktisches Vetorecht Russlands bei den Sicherheitsgarantien. Moskau wollte selbst Garantiemacht werden. Militärische Hilfe für die Ukraine hätte damit nur mit russischer Zustimmung erfolgen können. Ein Sicherheitsversprechen, das vom potenziellen Angreifer blockiert werden kann, ist jedoch kaum mehr als ein Stück Papier.

Drittens: territoriale Zugeständnisse. Russland verlangte die Anerkennung der Krim als russisches Staatsgebiet sowie die Anerkennung der sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Gleichzeitig war Moskau zu keinem Zeitpunkt bereit, die strategisch wichtige Landbrücke zur Krim wieder aufzugeben.

Vor diesem Hintergrund die Verhandlungen als großzügiges Friedensangebot darzustellen, bei dem die Ukraine praktisch alles hätte behalten können, zeugt entweder von mangelnder Kenntnis der Verhandlungspositionen, von selektiver Wahrnehmung oder von absoluter Russenhörigkeit.

Besonders bemerkenswert ist zudem, dass der Autor die geostrategischen Ziele Russlands vollständig ausblendet. Die Landverbindung zur Krim war eines der zentralen militärischen Ziele der Invasion. Wer glaubt, Moskau hätte auf dieses Ziel freiwillig verzichtet, nur damit Frieden herrscht, hat die vergangenen Jahre russischer Politik nicht verstanden.

Interessant ist auch die zeitliche Einordnung. Einen erheblichen Bruch in den Verhandlungen gab es nach den bekannt gewordenen Massakern von Butscha und Irpin. Gleichzeitig zeigte Russland später durch die Annexion weiterer ukrainischer Gebiete, dass seine territorialen Ambitionen weit über eine bloße Neutralisierung der Ukraine hinausgingen.

Im weiteren Verlauf des Blogs wird Trump zum Friedensbringer stilisiert:

„Biden, der vollkommen senile Kriegstreiber von damals und Unterstützer der kriegsgeilen EU-Eliten, wurde von Trump entmachtet. Heute, wo Trump mehr Frieden in die Ukraine bringen möchte ...“

Derselbe Trump, der als Friedensbringer erscheint, forderte gegenüber Iran die „bedingungslose Kapitulation“, sprach von „totaler Vernichtung“, drohte mit der Auslöschung einer ganzen Zivilisation und stellte öffentlich die Frage, ob er die Islamische Republik „annihilieren“ solle. Welch ein Friedensbringer. Kurz zur Information, der annihilierte Iran blokiert die Strasse von Hormus lustig weiter...

Nur wenige Zeilen später erfahren wir dann:

„Die Amis lassen Selenskyj töten, weil er ihren Interessen nicht mehr entspricht.“

Welche Interessen das sein sollen, bleibt unerklärt. Warum die USA einen ukrainischen Präsidenten beseitigen sollten, der sich seit Jahren gegen Russland verteidigt, erfährt der Leser ebenfalls nicht. Aber das wird dann wohl der Friedenspräsident Trump sein, der den Befehl zur Liquidierung geben wird... Ebenso wenig wird erklärt, weshalb Russland diesen angeblich so leicht zu beseitigenden Präsidenten dann nicht selbst längst ausgeschaltet hat.

An diesem Punkt verlässt der Text endgültig die Ebene politischer Analyse und bewegt sich im Bereich von Wunschdenken.

Besonders ironisch wird es jedoch, wenn der Autor erklärt:

„Ich bin gegen jegliche Gewalt und gegen jede Form des Krieges.“

Kurz darauf folgen jedoch Aussagen wie:

„Die EU-Politeliten werden durch ganz Europa oder die Welt gejagt...“

„Womöglich führen die neuen Rechten in Europa die Todesstreifen wieder ein und räumen diese Polit-Kriegstreiber weg.“ (Scheiss auf Grundrechte und Verbot der Todesstrafe, politische Gegner einfach umbringen, aber mit Nazis haben wir nix am Hut!!!).

„Die Französische Revolution zeigte uns, ... mit der Guillotine ihre Gerechtigkeit...“

Wer gegen jede Form von Gewalt ist, sollte vielleicht nicht im nächsten Absatz darüber fantasieren, wie politische Gegner verfolgt, beseitigt oder unter die Guillotine gestellt werden. Dieser Widerspruch ist vermutlich aufschlussreicher als der gesamte restliche Blog.

Oder anders formuliert:

Der Autor wirft Medien und Politik Manipulation vor, übernimmt jedoch gleichzeitig jede Behauptung, die in sein Weltbild passt, ohne sie kritisch zu hinterfragen. Er legt seine eigenen Widersprüche offen auf den Tisch und verkauft uns das anschließend als politische Analyse...

Und wenn der Blogautor einen Kommentar beklatscht, in dem mit atomarer Vernichtung kokettiert wird, weiß man, wie ernst seine angebliche Ablehnung von Gewalt tatsächlich zu nehmen ist. Manche Menschen widerlegen ihre eigenen Aussagen nicht trotz ihrer Texte, sondern direkt darunter in der Kommentarspalte.

Wenn die Nasa einmal einen Test hat, mit dem sie intelligentes Leben nachweisen kann, wäre interessant, wie das Ergebnis in Österreich ausfallen würde.

Sorry an alle die nicht solche Österreicher sind...

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