Wenn man sich die Beiträge hier durchliest, gelangt man eventuell zu der Erkenntnis, dass das Leben die Hölle sein muss – oder zu der, dass wir es längst selbst zur Hölle gemacht haben...

Aber was sagten einst folgende Leute zum Leben selbst?

- Dostojewski: „Das Leben ist die Hölle.”

- Sokrates: Das Leben ist ein Test.

- Aristoteles: Das Leben ist Geist.

- Nietzsche: ist Macht

- Freud: „Das Leben ist der Tod.”

- Marx: ist eine Idee.

- Picasso: ist Kunst

- Gandhi: ist Liebe

- Schopenhauer: ist Leiden

- Bertrand Russell: ist Wettbewerb

- Steve Jobs: ist Glaube

- Einstein: Es ist Wissen. (Arschloch, er hat Mileva verlassen, obwohl sie die Relativitätstheorie für ihn aufgestellt hat.)

- Stephen Hawking: ist Hoffnung

- Kafka: Das Leben ist Anfang.

Ich sage: Das Leben ist wie eine enge, kurze Hose, die im Schritt zwickt und dich daran erinnert, dass du dort noch etwas trägst, das zu weiterem Leben führen kann. Manche Mädchen hier – ups, hier gibt es gar keine Mädchen mehr – hätten gesagt: Machoarsch … Aber ich sage: Gepfiffen, denn das Leben ist auch wie der erste Frühlingsduft, der deine Nase streift und dich unweigerlich den Winter vergessen lässt. Somit ist das Leben – Frühling und der Tod – alles, was dich ereilt, davor und danach. Wir leben im Frühling!

Manche Philosophen, deren Namen wir hier bewusst nicht nennen möchten, meinten auch, das Leben sei das Gegenteil vom Tod. Damit wird es sehr schwierig. Denn jeder, der einmal zu uns nach Wien gekommen ist, musste feststellen, dass es hier Menschen gab, die halb tot waren und doch irgendwie weiterlebten – ein gewisses Dahinsiechen zum Ärger unserer Pensionskassen. Mit anderen Worten: Die waren nicht totzukriegen...

Andererseits gab es Lebende, die mehr tot als lebendig waren, und auch das hat niemanden gestört, solange man nicht freudig umarmt wurde. Wien hat sich geschichtlich schon immer mit den beiden Seiten der Existenz, dem Leben und dem Tod, auf eigene Weise auseinandergesetzt. Allein die Tatsache, dass es bei uns den „schönen Tod” oder die „schöne Leich” gibt, ist ein Ausdruck dessen. Wir sind voller morbider Gedanken aus unserer Geschichte, und der Tod war immer präsenter als das Leben selbst – das haben sogar unsere Spitzbuam in ihren Heurigen-Liedern verewigt.

Und es gibt keine andere Stadt auf der Welt – das muss man extra betonen –, in der der Tod im Sprachgebrauch sogar eine eigene Steigerungsform besitzt. Tot, Toter, Mausetot … wobei Letzteres noch ganz hübsch klingt, wie alles, was wir mit dem Tod verbinden.

Wenn du dich also fragst, was das Leben ist, dann mache Folgendes: Werde still, gehe in dich hinein, finde die Ruhe in deinem Atem, finde den einen Rhythmus, der dir guttut, und lass deine unruhigen Gedanken einfach weiterziehen. Im Sinne von: Ein Gedanke entsteht und verliert im nächsten Augenblick seine Existenz...

Dann wirst du erleben, wie das Leben dich umarmt und aufnimmt wie einen alten Freund oder eine alte Freundin, die es schon lange nicht gesehen hat, und dich Dinge sehen und erleben lässt, die du zuvor noch nie erlebt hast.

Spätestens dann wirst du erkennen, dass das Leben das absolute Gegenteil vom Tod ist, dem du so lange treu die Stange gehalten hast...

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