Wir kommen aus dem Nichts und eines Tages kehren wir zu diesem Nichts zurück...

Meine Mutter hatte Krebs im Endstadium. Sie war trotz der Schmerzmittel und Infusionen, die sie bekam, noch klar im Geist. Da sie nicht in ein Heim wollte, nahmen wir sie bei uns zu Hause auf.

Sie verstarb schließlich zu Hause im Kreise der Familie, ganz sanft und friedlich. In den letzten sieben Tagen war der Krebs gnädig, hatte ihr die Schmerzen genommen. Wir haben sie bis zum letzten Atemzug begleitet und waren somit auch Sterbebegleiter.

Diese letzten sieben Tage waren für mich wie das Eintauchen in eine andere Welt. Sie verschwand zeitweise und kam wieder zurück, um zu lächeln, als wüsste sie etwas oder meinen Arm zu nehmen und sich an mich zu kuscheln. Dann verschwand sie plötzlich, als würde sie in eine andere Welt eintauchen. Manchmal glaubte ich in bestimmten Augenblicken, ich sterbe mit ihr.

Ein Sterbeprozess ist ein innerer Vorgang und soweit ich es verstehen konnte, gab es da noch etwas hinter diesem Vorhang, das wir Lebenden nicht sehen, sondern nur erahnen können.

Ich werde diese Momente mein ganzes Leben in mir tragen. Unvergesslich ist diese Sanftheit des Todes, bis auch ich eines Tages in dieses endlose Nichts eintauchen werde...

Das erinnerte mich an einen alten Zen-Meister, der nach meiner Frage, ob er sich vor dem Tod fürchte, sagte: „Wovor soll ich mich fürchten? Ich komme aus dem Nichts, und eines Tages werde ich zu diesem Nichts zurückkehren. Wie kann ich mich vor diesem Nichts fürchten, wenn es nichts gibt, vor dem man sich fürchten könnte?”

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