Manchmal schreibt die politische Debatte Satire, ohne es zu merken. Kaum wurde bekannt, dass der McRib bei McDonald's aus dem regulären Sortiment verschwinden soll, verbreitete sich in rechten Kreisen die Behauptung, der Schweinefleisch-Burger werde den Muslimen zuliebe abgeschafft. Belege dafür? Fehlanzeige. McDonald's hat eine solche Begründung nie genannt. Stattdessen handelt es sich offenbar um eine Unternehmensentscheidung rund um das Sortiment und die Vermarktung eines Produkts, das in vielen Ländern ohnehin nur zeitweise angeboten wird.
Doch die Fakten sind fast schon nebensächlich. Viel interessanter ist die politische Komik des Vorgangs. Ausgerechnet jene Kräfte, die sonst gegen Globalisierung, amerikanischen Kultureinfluss und internationale Konzerne wettern, werfen sich plötzlich schützend vor einen US-Fast-Food-Konzern. Der McRib wird dabei behandelt, als sei er ein bedrohtes deutsches Kulturgut, irgendwo zwischen Schwarzwälder Kirschtorte, Thüringer Bratwurst und dem Reinheitsgebot.
Man reibt sich verwundert die Augen. Die Dorfkneipe schließt? Egal. Die familiengeführte Gaststätte findet keinen Nachfolger? Schade zwar, aber nicht trendfähig genug für den Kulturkampf. Die regionale Metzgerei gibt auf? Bedauerlich. Doch wenn ein Burger aus einer amerikanischen Systemgastronomie verschwindet, wird daraus plötzlich eine zivilisatorische Großkrise.
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Dabei ist der McRib nicht einmal ein deutsches Produkt. Entwickelt wurde er in den USA und kam erst später nach Deutschland. Sein Hauptmerkmal besteht darin, industriell geformtes Schweinefleisch in reichlich Barbecue-Soße zwischen zwei Brötchenhälften zu klemmen. Das ist vieles, aber kaum die letzte Bastion abendländischer Esskultur.
Die eigentliche Pointe lautet daher: Während man vorgibt, deutsche Traditionen zu verteidigen, macht man kostenlose Werbung für McDonald's. Aus dem Kampf für die Heimat wird eine Marketingkampagne für einen amerikanischen Burger. Uncle Sam hätte es kaum besser inszenieren können.