Die AfD will natürlich nicht alle Ausländer loswerden. Das wäre ja auch höchst unpraktisch, denn dann müsste sie erst einmal im eigenen Umfeld anfangen.
Da wären zum Beispiel die chinesischen Spione. Normalerweise sollte man meinen, dass eine Partei, die ständig vor fremdem Einfluss warnt, bei ausländischer Spionage besonders empfindlich reagiert. Merkwürdigerweise scheint das Interesse daran nachzulassen, sobald die Verdachtsmomente im eigenen politischen Umfeld auftauchen.
Dasselbe gilt für russische Netzwerke und Einflussagenten. Ausländische Einmischung ist ein Skandal, solange sie vom politischen Gegner ausgeht. Wenn Informationen, Narrative oder Kontakte aus Russland kommen, wird die Aufregung plötzlich deutlich leiser.
Dann die tschechischen Informanten und Geldboten. Wenn Geld aus dem Umfeld des prorussischen Portals Voice of Europe zu ergattern ist. Die Pointe bleibt dieselbe. Der ausländische Akteur wird nicht deshalb problematisch, weil er Ausländer ist, sondern nur dann, wenn er politisch auf der falschen Seite steht.
Und die Österreicher? Auch hier zeigt sich erstaunliche Großzügigkeit. Martin Sellner reist seit Jahren durch Deutschland, hält Vorträge über Remigration und träumt von Instituten und politischen Projekten in deutschen Städten. Offenbar ist ein Österreicher kein störender Ausländer, wenn er die richtige Ideologie mitbringt. Damals wurde der österreichische Maler ja auch mit offenen Armen aufgenommen.
Besonders interessant wird es bei Politikern mit ausländischen Wurzeln. Plötzlich verschwinden Herkunft, Abstammung und Familiengeschichte fast vollständig aus der Debatte. Wer die richtigen Parolen vertritt, wird vom Migrationshintergrund praktisch freigesprochen. Aus dem Problem wird ein Aushängeschild.
Am Ende bleibt eine einfache Erkenntnis: Die AfD hat offenbar kein Problem mit chinesischen Spionen, russischen Einflussnetzwerken, tschechischen Geldüberbringern, österreichischen Remigrations-Vordenkern oder Politikern mit ausländischen Wurzeln. Sie hat ein Problem mit ganz bestimmten Ausländern.
Die Grenze verläuft also nicht zwischen Deutsch und Nichtdeutsch. Die Grenze verläuft zwischen politisch nützlich und politisch unerwünscht. Die AfD will nicht alle Ausländer loswerden. Nur die falschen. Die richtigen sitzen teilweise längst mit am Tisch.