Der braune Mief schlägt zurück: Warum die Wut auf die 68er und Vielfalt ein Offenbarungseid ist

Wer heute als Ostdeutscher oder westdeutscher Nostalgiker über die 68er wettert und sie am liebsten „rückgängig“ machen würde, plappert eine geschichtsvergessene Phrase nach. Als ob man im Arbeiter- und Bauernstaat auch nur den Hauch einer Ahnung davon gehabt hätte, was diese Revolte überhaupt ausgelöst hat! Die 68er waren keine verirrten Studentenspielereien, sondern der überlebenswichtige, rebellische Aufschrei gegen einen bräunlichen Filz, der die frühe Bundesrepublik durchsetzte.

Wer die 68er zurückdrehen will, sehnt sich nach genau jenen Kontinuitäten zurück: Nach Apparatschiks wie Hans Globke, Kurt Kiesinger oder Hans Filbinger, die im Westen nahtlos Karriere machten, als wäre der Zivilisationsbruch ein bloßer Betriebsunfall gewesen. Die 68er brachen diesen Mauer des Schweigens auf. Wer diese Epoche verdammt, sehnt sich sehenden Auges nach dem braunen Mief der Adenauer-Ära zurück!

Und im Osten? Da war man keinen Deut besser, nur verlogener. Während die westdeutsche Jugend den Altnazis in den Chefetagen den Krieg erklärte, machten ehemalige Wehrmachtsoffiziere und stramme Nationalsozialisten wie Arno von Lenski, Wilhelm Adam oder Vinzenz Müller in der NVA und den Blockparteien munter Karriere. Der Unterschied: Im Westen wurden die Braunen durch den Druck der Straße und einer kritischen Öffentlichkeit zermürbt; im Osten wurden sie per Dekret „antifaschistisch reingewaschen“.

Wenn heute die AfD und Teile der Union Vielfalt, Multikulturalismus und die Errungenschaften der 68er verteufeln, stehen sie exakt in dieser unheilvollen Tradition. Wer Diversität als „Angriff auf die Identität“ brandmarkt, heizt genau jenen völkischen Geist wieder an, der Deutschland einst in die Katastrophe stürzte. Die radikale Rechte und Teile der konservativen Brandstifter wollen den offenen, pluralistischen Rechtsstaat schleifen, weil sie die offene Gesellschaft zutiefst verachten. Sie sehnen sich nach Homogenität, Autorität und nationaler Reinheit – nach jenen autoritären Mustern, die schon im Dritten Reich und in der frühen Bundesrepublik das Fundament bildeten.

Wer gegen das Grundrecht auf Vielfalt hetzt, kämpft gegen den Geist von 1968, der Deutschland erst zu einer demokratischen, weltoffenen Republik gemacht hat. Es ist der vergebliche, aber giftige Versuch, das Rad der Geschichte in den braunen Schlamm zurückzudrehen. Wer heute gegen „die 68er“ und Minderheiten wettert, offenbart nicht nur historische Inkompetenz, sondern die blanke Sehnsucht nach reaktionären Ausschlussmechanismen. Der braune Mief ist nie ganz verschwunden – er steht bloß wieder lauthals auf den Rednerpulten.

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