Die Verunreinigung unseres Trinkwassers und der Gewässer mit Medikamentenrückständen hat sich zu einem der drängendsten Umwelt- und Gesundheitsprobleme unserer Zeit entwickelt. Täglich gelangen tonnenweise Arzneistoffe – von Schmerzmitteln und Antibiotika über Hormonpräparate bis hin zu Psychopharmaka – über den menschlichen Körper, Ausscheidungen oder die unsachgemäße Entsorgung in die Kanalisation. Herkömmliche Kläranlagen sind oft nicht darauf ausgelegt, diese sogenannten Mikroschadstoffe vollständig herauszufiltern. Infolgedessen reichern sich die chemischen Substanzen im Wasserkreislauf an, belasten aquatische Ökosysteme, schädigen die Tierwelt und stellen langfristig auch ein Risiko für die menschliche Gesundheit dar, da sie das Grundwasser und letztlich unser Trinkwasser kontaminieren.
Angesichts dieser wachsenden Belastung stellt sich die drängende Frage nach der Verantwortung und den Kosten. Denn im Gegensatz zu vielen anderen diffusen Umweltverschmutzungen sind die Verursacher hier klar identifizierbar: Es handelt sich um die Pharmaindustrie, die diese Substanzen entwickelt, herstellt und kommerziell vertreibt. Die Hersteller profitieren wirtschaftlich von ihren Produkten, während die ökologischen und finanziellen Folgelasten bislang vollständig auf die Allgemeinheit, die Kommunen und letztlich die Wasserverbraucher abgewälzt werden.
Hier setzt eine längst überfällige politische und gesellschaftliche Debatte an – unter anderem befeuert durch Vorstöße aus der Politik wie jene des Bundesumweltministeriums. Es liegt folglich mehr als nahe, die Pharmafirmen direkt für die speziell notwendige Reinigung des Wassers zur Kasse zu bitten. Gefordert wird daher eine erweiterte Herstellerverantwortung, bei der große Pharma- (und auch Kosmetik-) Konzerne massiv an den Kosten beteiligt werden. Konkret bedeutet dies, dass die Unternehmen mindestens einen Großteil der Investitionen und Betriebskosten für die dringend notwendigen Reinigungsstufen – wie etwa die vierte Reinigungsstufe mit Aktivkohle oder Ozonzugabe – in Abwasser- und Wasserwerken finanzieren sollen.
Die Logik dieses Ansatzes ist simpel und gerecht: Das Verursacherprinzip muss endlich konsequent Anwendung finden. Wenn die Pharmabranche direkt für die Beseitigung der Rückstände aufkommen muss, schafft dies nicht nur die nötigen finanziellen Spielräume für den technischen Ausbau der Infrastruktur, sondern setzt auch ökonomische Anreize. Unternehmen würden motiviert, von vornherein umweltverträglichere Medikamente zu entwickeln, die sich leichter abbauen lassen oder gar nicht erst persistent in die Umwelt gelangen. Der Schutz unseres wertvollsten Lebensmittels, des Trinkwassers, darf nicht länger zulasten der Verbraucher gehen, während die Industrie ihre Gewinne privatisiert und die Umweltschäden vergesellschaftet.
Um dieses Prinzip plastisch zu veranschaulichen, hilft ein ganz alltäglicher Vergleich: Wenn jemand durch unachtsames Handeln oder illegale Müllentsorgung eine öffentliche Straße verschmutzt – sei es durch Bauschutt, ausgelaufenes Öl oder weggeworfenen Unrat –, greift völlig zu Recht das sogenannte Verursacherprinzip. Die Stadt oder Gemeinde rückt an, beseitigt die Verschmutzung und schickt dem Verursacher anschließend die saftige Rechnung für die Reinigungs- und Entsorgungskosten. Niemand käme auf die Idee, stattdessen die Allgemeinheit oder alle Steuerzahler für die Beseitigung des Mülls aufkommen zu lassen, nur weil der Verursacher mit seinem Produkt oder seiner Handlung Gewinne erzielt hat.
Genau diese logische und gerechte Konsequenz wird im Alltag wie selbstverständlich angewendet, klafft jedoch im Umweltschutz – insbesondere bei der Pharmaindustrie – bisher gewaltig. Während der Bürger bei einer verunreinigten Straße sofort zur Rechenschaft gezogen wird, dürfen große Pharmaunternehmen ihre chemischen Rückstände und Medikamentenreste unsichtbar, aber tonnenweise über den normalen Wasserkreislauf entsorgen. Die Zeche dafür zahlen bisher die Verbraucher über steigende Abwasser- und Trinkwassergebühren, während die Konzerne fein raus sind. Die Forderung, dass Pharmafirmen für die vierte Reinigungsstufe in Klärwerken direkt bezahlen müssen, ist daher nichts anderes als die Übertragung dieses alltäglichen Gerechtigkeitssinns auf den Schutz unserer wichtigsten Lebensgrundlage: unseres Trinkwassers.