Aber warum man sich trotzdem nicht auf ihn versteifen sollte, wenn man über Anti-G20-Demos schreibt.

Nach dem G20-Gipfel in Hamburg geht vor allem Folgendes ab: Einer... den on-geleinten Rechten... und zwar ordentlich. Aber auch die Biedermeier-Fraktion in den deutschsprachigen Normalo-Medien scheint sich über Ausschreitungen, Gewalt und Sachbeschädigung unanständig-genussvoll zu erregen.

Eh irgendwie verständlich. Es schreibt sich über das naheliegende Barrikadenfeuer so leicht, da lässt sich nebenbei problemlos (mindestens) ein Zeigefinger erheben.

Und endlich hat man was zum Argumentieren: Wären diese Linkschaoten so straff organisiert wie die Rechtsextremen, gäb's keine Gewalt (außer gegen Ausländerinnen und Asylheime). Andererseits müsste man dann vermutlich über die wesentlich komplexeren Probleme der G20-Verhandlungen schreiben – und das im Sommer. Und wo liest das Publikum eher weiter? Unter dem Bild von Angela Merkels eingeschlafener Gesichtsmuskulatur oder unter dem eines brennenden Autos?

Von all den Ergüssen biederer Gelegenheitskritik, an allem was nach Systemkritik riecht, schoss mir Viktor Hermann von den Salzburger Nachrichten den thematischen Vogel ab. Sein Leitartikel ist eine Nussschale.

Bürgerinnen statt Blöcke

Aber zunächst: Als linker Antifaschist weiß ich aus hautnaher Demo-Erfahrung: Der "Schwarze Block" ist nicht "Staatsfeind", sondern mein Feind. Er sabotiert meinen friedlichen Protest und dient damit unmittelbar meinem politischen Gegner. Die Ziegelsteine oder Feuerwerkskörper fliegen auch nicht aus den ersten Reihen, dort wo ich stehe, sondern aus den hinteren Randbereichen, an die sich diese politischen Burkaträgerinnen auch gerne mal guerilla-mäßig anschleichen, wenn für den Frontalangriffe zu wenige gekommen sind. Dran glauben müssen dann eventuell die Unvermummten (also u.a. ich).

Sobald die schwarzen Blockiererinnen auftauchen, stelle ich mich daher auf die Seite unserer Polizei (ja, mir ist wurscht, was Mitdemonstrantinnen davon halten). Ich demonstriere schließlich als Bürger und nicht als Kleinkrimineller. Lächle daher demonstrativ unvermummt in die Kamera des Sonderwagens. Für den zahle ich mit meinen Steuern. Und würde ich ihn demolieren, würde es nicht billiger werden. Kriegsrhetorik und Militanz haben auf einer freien Demo einfach nichts verloren.

Also: Hermann schreibt am Ende daher völlig berechtigt, die Gewalt "eröffnet den Feinden von Demonstrationsrecht und Meinungsfreiheit die Möglichkeit, jegliche Kritik mit dem Terror des Schwarzen Blocks in einen Topf zu werfen." Allerdings unterstellt er Attac im selben Artikel, sie hätten den Schwarzen Block "ausdrücklich" eingeladen.

Zur Aufklärung: Die linken "Autonomen", die einen Teil ("Welcome to Hell";) der Anti-G20-Groß-Demo mit-organisierten, sind weder eine einheitliche Gruppe noch "der Schwarze Block". Der ist ebenfalls kein eingetragener Club für linke Hooligans, sondern eine Taktik, die von jeder dahergelaufenen Arschwarze angewandt werden kann und wird (übrigens auch von Rechtsextremen).

Diese "autonomen" Krawall-Fetischistinnen lädt niemand ein. Muss man auch nicht. Das bedeutet freies Demonstrationsrecht! Da gibt es keine Gästeliste. Und weder Veranstalterinnen noch Polizei können vor jeder angekündigten Demo sämtliche Teilnehmerinnen kontrollieren oder auf Wunsch ausschließen.

Gerade Journalistinnen sollten also gerade bei Großdemos die Schubladen ihre Schreibtische schließen. Lieber selbst auf die Demo gehen! Aber gerade die Konservativen unter ihnen befriedigen nun großräumig ihre Selbstgerechtigkeit, gerade anhand der Gewalttäterinnen von Hamburg. Schräg!

Was dem friedlichen Protest schadet

Dadurch verursachen sie das Selbstverständliche mit, das sie während des Gipfels breit-schrieben und vor dem sie letztlich warnten: Gewalttaten schaden dem friedlichen Protest.

Aber wenn sie um diesen so besorgt sind, warum lassen sie dann ausgerechnet den großen, friedlichen Rest dieses Protestes links liegen? Warum nicht gegen Klimakiller, globaler Ausbeutung und Großkonzernpolitik schreiben, warum nicht vermehrt über die Anliegen und Gründe für diese Demonstration? Weil der Schwarze Block ihnen die Sicht vernebelte? Weil er ihrer Sommerlöchrigkeit dient? Oder weil ihnen die Ansichten der systemkritischen Globalisierungsgegnerinnen grundsätzlich am wohlgenährten Mittelschichtsarsch vorbei gehen?

wikicommons jouwatch

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G. Szekatsch

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