Diesmal fasse ich mich wirklich kurz (und beginne damit nicht einmal ein Wortspiel auf unseren zukünftigen Bundeskanzler, der "Österreich-Ungarn" eine neue Bedeutung verleihen wird #OesterreichDarfNichtOrbanWerden).

Der Wahlkampf hat bekanntlich die Aufgabe, das wahlwillige Volk von der Demokratie abzuschrecken. Plakate sind immer "plakativ", Wahlwerbung auch nur Werbung. Und Menschen, die in irgendwas Expertinnen sind, sind in irgend etwas anderem das komplette Gegenteil (z.B.: Gut in Hochrechnung, schlecht in Menschenkenntnis. Oder gut für fesche Fotos, schlecht beim Wahlprogrammschreiben bzw. Wirtschaftsdatenberechnen).

Aber ein Plakat der FPÖ regt mich besonders auf, über das bisher zu wenig gesudert wurde. Irgendein Kommentator schrieb sogar lobend, dass es die Rechtspopulisten endlich mit mehr Humor und weniger Hetze probieren würden. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, sagt das Sprichwort. Aber wem fehlt jetzt der Humor?

Da sitzten zwei auf einem Tandem. Der Vordere, in Rot-Weiß-Rot, strampelt sich ab. Der Hintere, dick, in Birkenstocksandalen (Anspielung auf die Grünen, Anm.) frisst irgendwas und tut gar nichts. Er soll die rot-schwarze Koalition darstellen.

Es ist ein alter Hut aus der Mottenkiste des letzten Jahrhunderts, den politischen Gegner als fettleibigen Schmarotzer darzustellen. Ich will jetzt gar nicht mit Nazi-Propaganda-Vergleichen kommen. Aber man denke nur einmal an die hetzerischen Darstellungen von Juden in Europa - und dann an die Tatsache, dass damals wie heute Deutschnationalisten gegen Konservative und Sozialdemokraten mit solchen Mitteln wahl-kämpften: Es erscheint mir zumindest historisch taktlos.

Die eigentliche Frechheit ist: Auf dem T-Shirt des dicken Schmarotzers steht nicht nur "SPÖVP", sondern auch "Ref. Welcome", darüber das "Refugees Welcome"-Symbol. Hier wird suggeriert, die letzte(n) Regierung(en) wären identisch mit Bewegungen wie dem "Train of Hope" oder "Asyl in Not".

Das kommt ausgerechnet von der FPÖ: Einer Partei, die mehr Verurteilungen wegen irgendeiner Form von Wiederbetätigung oder Korruption aufweisen kann, als Regierungsverantwortung. Als nicht amtsführender Wiener Vize-Bürgermeister hat Johann Gudenus auch nix zu tun im Amt, bekommt dafür dennoch monatlich € 9.440 von den Steuerzahlerinnen.

Vor zwei Jahren, am Höhepunkt der Flucht nach Europa, waren es Menschen, die privat ihre Freizeit, teilweise ihren Urlaub und ihre Ressourcen aufwandten, um Menschen in Not zu helfen. Diese Menschen mit der Regierung oder mit fettleibigen Schmarotzern zu vergleichen, ist... wie soll ich sagen... Die Einen fragen sich, warum im Glashaus so viele Steine herumliegen. Die Anderen werfen sie. Wem wollt ihr das ganze Land, auf dem das Glashaus steht, anvertrauen?

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G. Szekatsch

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bambi

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