Es scheint, als würde sich Politik zunehmend auf Wirtschaft, Geld und Macht konzentrieren, während Menschenrechte, Sicherheit und gesellschaftliche Gefahren immer weiter in den Hintergrund rücken. Es wird über Wachstum, Investitionen und Einsparungen diskutiert, aber wer spricht mit derselben Dringlichkeit über Femizide, Queerfeindlichkeit und das Recht auf Selbstbestimmung?
Femizide und queerfeindliche Gewalt sind keine Randthemen. Sie passieren täglich, in unserer Gesellschaft, in unserer Nähe. Trotzdem scheint die Aufmerksamkeit oft nur dann groß zu sein, wenn ein Fall Schlagzeilen macht. Danach wird es still, bis das nächste Leben zerstört wird. Doch Gewalt und Diskriminierung verschwinden nicht, nur weil die Politik wegschaut.
Besonders enttäuschend ist es, wenn Parteien, die sich als „links“ und solidarisch bezeichnen, nicht einmal bei Veranstaltungen gegen Femizide oder für Selbstbestimmung sichtbar sind. Natürlich lässt sich politische Haltung nicht allein an der Anwesenheit bei einer Veranstaltung messen. Aber wenn Worte und Taten immer wieder auseinandergehen, muss Kritik erlaubt sein. Was bedeutet Solidarität, wenn sie ausgerechnet dort fehlt, wo Menschen für ihre Rechte kämpfen?
Wer sich Gleichberechtigung auf die Fahnen schreibt, muss sie auch leben. Nicht nur in Wahlprogrammen und öffentlichen Reden, sondern dort, wo Betroffene Unterstützung brauchen. Menschenrechte dürfen kein Thema sein, das man nur dann aufgreift, wenn es politisch gerade passt.
Natürlich ist eine funktionierende Wirtschaft wichtig. Doch sie sollte dem Menschen dienen, nicht umgekehrt. Was bringen gute Wirtschaftszahlen, wenn Menschen Angst haben müssen, Opfer von Gewalt zu werden? Was bedeutet Wohlstand, wenn Schutz, Freiheit und Selbstbestimmung nicht für alle selbstverständlich sind?
Es ist erschreckend, wie schnell wirtschaftliche Risiken politische Dringlichkeit erzeugen, während gesellschaftliche Gefahren oft verharmlost oder unter den Teppich gekehrt werden. Als ließen sich Menschenleben in Zahlen aufwiegen. Als wäre der Schutz vor Gewalt weniger wichtig als finanzielle Interessen.
Eine Gesellschaft zeigt ihren Wert nicht allein daran, wie viel Geld sie erwirtschaftet, sondern daran, wie sie mit ihren Menschen umgeht.
Wir brauchen eine Politik, die hinsieht, bevor es zu spät ist. Die handelt, statt nur Betroffenheit zu zeigen. Die ihre Werte nicht nur behauptet, sondern sie konsequent vertritt, auch dann, wenn es unbequem wird.
Denn Femizide sind kein Randthema. Queerfeindlichkeit ist kein Nebenschauplatz. Selbstbestimmung ist kein Luxus.
Menschenrechte sind keine Verhandlungsmasse. Und Menschlichkeit darf niemals hinter wirtschaftlichen Interessen verschwinden.
~Dunja Gründerin von kompromisslosfeministisch