Warum der Sprit wirklich teuer ist – und wem die einfache Antwort nützt

Die Fakten zuerst

Ja, Steuern und Abgaben machen einen großen Teil des Literpreises aus. Aber: Die Energiesteuer ist ein fester Betrag pro Liter – und der wurde über Jahre kaum verändert. Wenn der Preis an der Zapfsäule innerhalb weniger Wochen springt, hat niemand in Berlin eine Schraube an der Steuer gedreht. Dann bewegen sich die Weltmärkte.

Was den Preis tatsächlich treibt: der Rohölpreis, Raffineriekapazitäten, Transportkosten – und vor allem Geopolitik. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Europas Energiemärkte erschüttert: Sanktionen, unsichere Lieferketten, gestiegene Kosten, stärkere Schwankungen. Dazu die Spannungen rund um den Iran: Schon die bloße Sorge, der Ölverkehr durch die Straße von Hormus könnte gestört werden, treibt den Weltmarktpreis nach oben. Und dieser Preis schlägt an jeder deutschen Tankstelle durch.

Das ist kein Geheimwissen. Das steht in jedem Wirtschaftsteil jeder Zeitung.

Warum trotzdem die Parole gewinnt

Komplexe Zusammenhänge haben einen Nachteil: Sie passen auf kein Plakat. Es ist bequemer, für steigende Preise einen einzelnen Schuldigen zu benennen – "die Steuern" –, als sich mit Rohstoffbörsen, Raffinerien und Lieferketten zu befassen. Menschen lieben einfache Erklärungen, in allen politischen Lagern.

Aber bei der AfD ist die einfache Antwort keine Bequemlichkeit. Sie ist Geschäftsmodell – und das hat die Partei einmal selbst schriftlich festgehalten. Im offiziellen Antragsbuch zum Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz in Bingen, November 2017, schrieb der Ahrweiler Kreisverbands-Schatzmeister Harved Wöhrmann: „unsere Botschaften sollten mit 20 % an Text und 80 % an Bild veröffentlicht werden. Unser Wähler hat etwa das Hirn eines 14-jährigen."

Das ist keine verspottete Randbemerkung, sondern ein Wahlkampfkonzept, abgedruckt im Parteipapier: möglichst viel Bild, möglichst wenig Text, nothing to read. Nach öffentlicher Aufmerksamkeit wurde der Antrag zurückgezogen und gelöscht – die Logik aber blieb. Eine Partei, die so über ihre eigenen Wähler denkt, hat kein Interesse an Menschen, die Zusammenhänge verstehen. Denn wer versteht, fragt nach. Und wer fragt, lässt sich nicht an der Parole abholen. Desinformation ist da kein Betriebsunfall, sondern Werkzeug: Wer die Welt erklärt, macht mündig. Wer sie nur anreizt, hält klein.

Warum Bildung der Gegenpol ist

Genau deshalb ist Bildungsarbeit politisch. Demokratie lebt von Bürgerinnen und Bürgern, die Informationen prüfen, Quellen vergleichen und einfache Antworten kritisch hinterfragen. Schulen vermitteln nicht nur Wissen, sondern genau diese Fähigkeit: Falschbehauptungen erkennen, einordnen, mitreden.

Deshalb greifen dieselben Kreise Schulen und Schulpflicht an – nicht, weil sie die Bildung verbessern wollen, sondern weil aufgeklärte Bürger der Parole im Weg stehen. Wer nicht prüfen soll, soll gehorchen.

Die Konsequenz ist einfach: Kompliziertes darf kompliziert bleiben. Eine Gesellschaft, die sich mit dem Verstand eines Vierzehnjährigen regieren lässt, bekommt am Ende die Antworten, die sie verdient hat – einfache, falsche und teure.

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