Vielleicht schauen wir gerade auf das falsche Spiel.
Wir sehen Gerhard Zeiler, der mit 71 Jahren plötzlich erklärt, Vorsitzender der SPÖ werden zu wollen. Wir sehen Andreas Babler, der gerade erst wiedergewählt wurde und nicht daran denkt, seinen Platz zu räumen. Wir sehen Herbert Kickl und eine FPÖ, die seit Monaten weit vor den Regierungsparteien liegt, und irgendwo im Hintergrund taucht immer wieder Sebastian Kurz auf. Also machen wir daraus das, was wir kennen: eine Personaldebatte, Zeiler gegen Babler, links gegen Mitte, SPÖ gegen FPÖ und vielleicht irgendwann wieder Kurz gegen Kickl.
Das kann alles stimmen. Vielleicht ist es aber auch die uninteressanteste Beschreibung dessen, was gerade geschieht.
Denn wenn man ein wenig weiter hinauszoomt und nicht nur auf Parteien, sondern auf die Beziehungen zwischen Politik, Medien, Technologie und Kapital schaut, taucht hinter diesen Personen eine andere Geschichte auf. Und irgendwann landet man bei einer ziemlich einfachen Frage: Wer baut eigentlich den Staat der Zukunft?
Beginnen wir ausgerechnet bei Andreas Babler.
Babler hat als Medienminister etwas getan, das zunächst nach einem jener österreichischen Spezialthemen klingt, die außerhalb der Branche kaum jemanden interessieren. Er will die österreichische Medienförderung umbauen, Qualitätskriterien stärken und öffentliche Medienfinanzierung stärker nach nachvollziehbaren Regeln organisieren. Gleichzeitig sagt er ausdrücklich, sein Ministerium habe das bisherige „unkontrollierte Hinausschießen“ staatlicher Inserate beendet.
Man kann über diese Politik streiten und durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass Teile davon falsch sind. Man sollte nur verstehen, woran Babler damit rührt. Österreich hat über Jahrzehnte ein eigenartiges Biotop geschaffen, in dem Politik und Medien nicht ausschließlich über Information miteinander verbunden waren, sondern auch über Geld. Ministerien inserieren, Medien berichten über Minister, Politiker brauchen Öffentlichkeit und Medien brauchen Einnahmen. Dazwischen entsteht zwangsläufig ein Raum, in dem Abhängigkeiten zumindest möglich werden.
Genau dieser Raum beschäftigt seit Jahren auch die Justiz. Im großen Inseraten- und Umfragenkomplex untersucht die WKStA Beziehungen zwischen dem damaligen Finanzministerium, dem Umfeld von Sebastian Kurz und österreichischen Medienhäusern. In einem mittlerweile 1.435 Seiten umfassenden Auswertungsbericht rekonstruierten die Ermittler zuletzt insbesondere den Verdacht, dass politisch nützliche Umfragen in der Fellner-Gruppe veröffentlicht und über Inseratenschaltungen des Finanzministeriums wirtschaftlich querfinanziert worden seien. Die Beschuldigten bestreiten strafbares Verhalten, eine Anklage liegt in diesem Komplex bislang nicht vor und selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung. Der gesonderte Ermittlungsstrang rund um Eva und Christoph Dichand ist damit noch nicht einmal abschließend erfasst.
Das Interessante daran ist für mich zunächst gar nicht die strafrechtliche Frage. Interessant ist die Struktur. Politik braucht Öffentlichkeit, Medien brauchen Geld, und wer über die Verteilung von beidem Einfluss besitzt, verfügt über Macht. Babler greift also nicht einfach in einen Fördertopf. Er greift, ob beabsichtigt oder nicht, in eine historisch gewachsene Beziehung zwischen Politik und Medien ein – und das ausgerechnet in einer Zeit, in der klassische Printmedien wirtschaftlich ohnehin unter enormem Druck stehen.
In genau diese Landschaft tritt nun Gerhard Zeiler.
Zeiler ist 71 Jahre alt, ehemaliger ORF-Generalintendant, früherer RTL-Chef, langjähriger Spitzenmanager bei Bertelsmann und heute President International bei Warner Bros. Discovery. Er gehört damit zu den international erfolgreichsten österreichischen Medienmanagern überhaupt. Er kennt das österreichische Mediensystem von innen, aber er kennt eben auch jene Welt darüber: internationale Medienkonzerne, Kapital, Politik, Amerika, Europa und die Netzwerke, in denen diese Bereiche zusammenkommen.
Und dieser Mann beginnt nun, innerhalb der SPÖ systematisch Gespräche zu führen, besucht Landesparteichefs, sondiert seine Möglichkeiten und erklärt schließlich gegenüber der Kronen Zeitung, dass er sich für den richtigen Mann halte, die SPÖ aus ihrem historischen Tief herauszuführen. oe24 hatte Zeilers Ambitionen bereits Wochen zuvor intensiv begleitet und berichtete aus seinem Umfeld ausdrücklich von der Überlegung, mit ihm einen „Kanzler Kickl zu verhindern“.
Bis hierher könnte man sagen: Na und? Ein Sozialdemokrat möchte Vorsitzender der Sozialdemokratie werden.
Und das stimmt sogar. Man sollte Zeiler nicht nachträglich seine politische Biografie wegschreiben, nur weil sie nicht zur eigenen These passt. Er war schon vor Jahrzehnten in der Sozialdemokratie aktiv, arbeitete für Fred Sinowatz und Franz Vranitzky und veröffentlichte 2019 ein ganzes Buch mit dem Titel Leidenschaftlich Rot – Darum mehr Sozialdemokratie. Wer behauptet, Zeiler habe mit Sozialdemokratie überhaupt nichts zu tun, macht es sich deshalb zu einfach.
Gerade das macht ihn allerdings so interessant.
Denn Sebastian Kurz könnte niemals die SPÖ übernehmen. Peter Thiel schon gar nicht. Gerhard Zeiler kann es.
Und an dieser Stelle müssen wir über Peter Thiel sprechen, allerdings nicht über jene geheimnisvolle Figur, zu der er gelegentlich gemacht wird, sondern über den realen Peter Thiel: Mitgründer von PayPal und Palantir, Präsident von Thiel Capital und ein Mann, der seit Jahrzehnten darüber nachdenkt, wie Technologie Gesellschaft verändert und wie sich Freiheit, Demokratie und technologische Macht zueinander verhalten. Bereits 2009 schrieb Thiel selbst den inzwischen berühmten Satz, er glaube nicht länger daran, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar seien. Das bedeutet nicht, dass daraus irgendein konkreter Plan für Österreich folgt. Es sagt aber einiges darüber aus, mit welchen Fragen sich dieser Mann seit Langem beschäftigt.
Gerhard Zeiler kennt Peter Thiel dabei nicht bloß aus irgendeinem internationalen Konferenzprogramm. Beide sitzen heute im Steering Committee der Bilderberg Meetings. Nicht einfach auf einer Teilnehmerliste, sondern im Lenkungsgremium. Dort befinden sich neben ihnen Persönlichkeiten aus internationaler Finanzwirtschaft, Technologie, Medien und Politik. Zeiler und Thiel haben außerdem über Jahre wiederholt an denselben Treffen teilgenommen.
Was beweist das? Zunächst einmal fast nichts. Es beweist weder einen politischen Plan noch eine Absprache über Österreich, und schon gar nicht beweist es, dass Peter Thiel irgendwo sitzt und Gerhard Zeiler über ein politisches Schachbrett schiebt. Wer das behaupten möchte, braucht dafür Belege. Ich habe sie nicht.
Aber etwas anderes dürfen wir sehr wohl feststellen: Gerhard Zeiler bewegt sich seit Jahren in genau jenem kleinen internationalen Raum, in dem Medien, Technologie, Kapital, Sicherheitspolitik und staatliche Macht aufeinandertreffen. Und dort begegnet er Peter Thiel nicht zufällig einmal bei einem Abendessen, sondern innerhalb eines institutionalisierten Netzwerks.
Dann gibt es Sebastian Kurz, und hier wird die Geschichte noch interessanter.
Kurz ist aus der Politik verschwunden, jedenfalls aus jener Politik, die wir sehen können. Er sitzt in keiner Regierung, hält keine Pressekonferenzen am Ballhausplatz und stimmt über kein Gesetz im Nationalrat ab. Vielleicht ist deshalb die ständig wiederkehrende Frage, ob Sebastian Kurz irgendwann in die Politik zurückkehrt, falsch gestellt. Vielleicht muss er überhaupt nicht zurückkehren.
Nach seinem Ausscheiden aus der Politik arbeitete Kurz unter anderem für Peter Thiel beziehungsweise beriet ihn; später gründete er gemeinsam mit Shalev Hulio Dream. Aus einem Cybersecurityunternehmen ist inzwischen etwas entstanden, das sich selbst mit einem bemerkenswerten Begriff beschreibt: „Sovereign AI for Nations.“ Dream erklärt, direkt mit Staatschefs, Ministerien, nationalen Cyberbehörden und jenen Verantwortlichen zusammenzuarbeiten, die staatliche Strategien tatsächlich umsetzen. Im Juni 2026 sammelte das Unternehmen weitere 260 Millionen Dollar ein und wurde dabei mit rund drei Milliarden Dollar bewertet. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Dream rund 350 Menschen an seinen Standorten in Wien, Tel Aviv und Abu Dhabi.
Hier sollte man einen Augenblick stehen bleiben, weil die Beschreibung „Sebastian Kurz ist jetzt Unternehmer“ fast schon irreführend harmlos klingt. Kurz verkauft keine Schuhe und entwickelt keine Dating-App. Er ist Präsident eines milliardenschweren Technologieunternehmens, dessen Kunden Staaten und kritische Infrastruktur sind und dessen erklärtes Geschäftsfeld die Verbindung von Cybersecurity, künstlicher Intelligenz und staatlicher Souveränität ist.
Natürlich bedeutet das nicht, dass Sebastian Kurz österreichische Ministerien kontrolliert. Es gibt derzeit auch keinen Beleg dafür, dass Dream bereits die österreichische Verwaltung technologisch durchdringt. Genau diese Grenze ist wichtig.
Aber ebenso wichtig ist die andere Seite: Der Mann, der bis vor wenigen Jahren selbst im Zentrum des österreichischen Staates saß, verfügt weiterhin über ein außergewöhnlich dichtes nationales und internationales politisches Netzwerk und baut nun ein Unternehmen auf, dessen natürlicher Markt genau dort beginnt, wo Regierungen, Ministerien, Sicherheitsbehörden und staatliche Infrastruktur auf Technologie treffen. Kurz’ Fähigkeit, politische Kontakte für staatliche Geschäftsanbahnung zu nutzen, ist Teil des Geschäftsmodells, nicht irgendein Nebeneffekt seiner Biografie.
Vielleicht sollte man deshalb einen ungewöhnlichen Gedanken zumindest zulassen: Sebastian Kurz ist aus der staatlichen Machtarchitektur möglicherweise gar nicht verschwunden. Er hat die Seite gewechselt.
Früher saß er im Staat und entschied darüber, welche Systeme der Staat verwendet. Heute steht er an der Spitze eines Unternehmens, das Systeme entwickelt, die Staaten verwenden können. Das ist nicht dasselbe, und man sollte es nicht rhetorisch gleichsetzen. Aber vielleicht ist die zweite Position im 21. Jahrhundert mindestens so interessant wie die erste.
Kurz bewegt sich dabei keineswegs in einem gesellschaftlichen Vakuum. In Wien begegnen uns weiterhin zahlreiche Personen aus seiner früheren politischen Welt. Gernot Blümel, Elisabeth Köstinger, Eva Schütz und andere ehemalige Weggefährten tauchen im Umfeld seiner unternehmerischen Aktivitäten auf; bei der Eröffnung des Wiener Dream-Standorts traf, wie Kurz selbst formulierte, seine „alte Welt“ sichtbar auf seine „neue Welt“. Das beweist keinen politischen Plan. Es zeigt aber, dass das Netzwerk der Kurz-Jahre nicht verschwunden ist, nur weil sein prominentester Protagonist kein Regierungsamt mehr besitzt.
Und damit kommen auch die Familien Dichand und Fellner wieder ins Bild. Gerade hier sollte man nicht den Fehler machen, aus allen Beteiligten einen geschlossenen Block zu konstruieren. Dichand und Fellner sind Konkurrenten. Teile dieser Medienhäuser haben unterschiedliche politische Präferenzen. Auch Eva Schütz, Gernot Blümel, Sebastian Kurz, Gerhard Zeiler und Peter Thiel wollen nicht automatisch dasselbe, nur weil sich ihre Netzwerke an einzelnen Stellen berühren.
Vielleicht ist aber genau das die interessantere Form von Macht.
Wir haben die Angewohnheit, Macht erst dann ernst zu nehmen, wenn jemand einen Befehl gibt: A ruft B an, B bezahlt C und C führt aus. Dann können wir eine Linie zeichnen und wissen, wer hinter allem steckt. Nur funktioniert moderne Macht häufig nicht so. Sie kann auch dort entstehen, wo Menschen und Institutionen mit unterschiedlichen Motiven plötzlich zu ähnlichen Ergebnissen gelangen, weil ihre Interessen an entscheidenden Stellen konvergieren.
Konvergenz ist keine Verschwörung. Und sie kann trotzdem enorme Macht erzeugen.
Nehmen wir Herbert Kickl. Warum sollte ein Milieu aus internationalem Kapital, Technologieunternehmen, etablierten Medienhäusern und wirtschaftsliberalen politischen Netzwerken Schwierigkeiten mit ihm haben? Vielleicht weil er rechts ist. Das kann eine Rolle spielen, ist mir als Erklärung aber zu einfach.
Interessanter ist, dass Kickl eine eigene Machtbasis besitzt. Eine FPÖ in ihrer derzeitigen Größenordnung braucht weder Sebastian Kurz noch Gerhard Zeiler, um politisch zu existieren. Sie braucht Peter Thiel nicht, Dream nicht und zunehmend vielleicht auch jene klassischen medialen Vermittlungsstrukturen nicht mehr, über die österreichische Politik jahrzehntelang funktioniert hat. Das macht Kickl weder gut noch schlecht. Es beschreibt lediglich eine andere Machtarchitektur.
Und genau in diesem Moment taucht Gerhard Zeiler auf.
Vielleicht ist er deshalb nicht einfach Bablers Gegner und vielleicht auch nicht nur ein alter Sozialdemokrat, der seiner Partei noch einmal helfen möchte. Vielleicht ist er zusätzlich etwas viel Interessanteres: eine Anschlussstelle zwischen Sozialdemokratie und Wirtschaft, zwischen österreichischer Politik und internationalem Kapital, zwischen Medien und Partei, zwischen Europa und Amerika und möglicherweise zwischen einer alten politischen Ordnung und einer neuen technologischen.
Damit komme ich zu einem Bild, das ich seit Tagen nicht mehr loswerde. Es ist kein Fakt, sondern meine Arbeitshypothese, und vielleicht stellt sie sich als falsch heraus. Aber dann möchte ich wissen, an welcher Stelle sie falsch ist.
Gerhard Zeiler ist die Dame am Schachbrett von Peter Thiel. That’s it.
Nicht, weil wir beweisen könnten, dass Peter Thiel ihn bewegt. Das können wir nicht. Sondern weil die Dame jene Figur ist, die sich auf einem Schachbrett beinahe beliebig bewegen und unterschiedliche Räume miteinander verbinden kann. Genau darin liegt Zeilers außergewöhnliche machtpolitische Qualität. Er kann sich gleichzeitig in Medien, Sozialdemokratie, internationaler Wirtschaft, Amerika und Europa bewegen und besitzt in jedem dieser Räume eine eigene Biografie.
Sebastian Kurz besitzt wiederum eine außergewöhnliche Verbindung zwischen Politik und Technologie. Zeiler verbindet Medien, Sozialdemokratie und internationale Wirtschaft. Dichand und Fellner verfügen über Öffentlichkeit. Eva Schütz und Gernot Blümel gehören zu jenem politischen und wirtschaftlichen Milieu, das aus der Kurz-Ära hervorgegangen ist. Peter Thiel steht seit Jahren an jener Stelle, an der Technologie, Kapital und staatliche Macht aufeinandertreffen.
Zwischen manchen dieser Personen gibt es dokumentierte Beziehungen, zwischen anderen lediglich Milieunähe, und an einigen entscheidenden Stellen fehlen die Verbindungen vollständig. Genau deshalb darf man daraus keine bewiesene Steuerungskette machen. Aber man darf das Muster ansehen.
Stellen wir uns also für einen Moment vor, die SPÖ würde unter Zeiler tatsächlich wirtschaftsliberaler, internationaler und technologiefreundlicher. Daneben stünde eine ÖVP, in deren Umfeld die Netzwerke der Kurz-Jahre keineswegs verschwunden sind, und dazu die NEOS. Es könnte eine politische Mehrheit entstehen, die Österreich technologisch sehr weitreichend umbauen könnte und gleichzeitig Herbert Kickl von der Regierung fernhält.
Dafür braucht es keinen geheimen Vertrag. Es braucht Mehrheiten.
Und plötzlich bekommt auch Dream eine andere Dimension. Sovereign AI, KI-gestützte Verwaltung, staatliche Datenräume, automatisierte Analyse, Cybersecurity, digitale Identitäten und irgendwann vielleicht KI-Agenten innerhalb staatlicher Systeme sind keine Science-Fiction mehr. Das alles kann großartig sein. Ein Staat, der künstliche Intelligenz vernünftig einsetzt, könnte schneller, billiger, präziser, bürgerfreundlicher und vielleicht sogar gerechter werden.
Aber genau deshalb müssen wir die Machtfrage stellen, bevor diese Systeme gebaut werden und nicht erst danach: Wer kontrolliert die Systeme, die den Staat kontrollieren?
Vielleicht war die unglaubliche Langsamkeit unserer Demokratie nämlich nicht ausschließlich ein Fehler. Vielleicht war manches davon ein Sicherheitsmechanismus. Ein Beamter kann widersprechen, ein Minister kann abgewählt werden, ein Bescheid kann bekämpft werden und eine Behörde kann kontrolliert werden. Wenn aber immer größere Teile staatlicher Wahrnehmung, Analyse und irgendwann vielleicht sogar Entscheidung auf digitalen Infrastrukturen beruhen, die von privaten Unternehmen entwickelt werden, entstehen vollkommen neue Fragen. Wer versteht das System noch? Wer besitzt die Daten? Wer definiert die Modelle? Wer darf hineinsehen? Wer haftet für Fehler? Und wer kann es abschalten?
Das sind keine Fragen gegen künstliche Intelligenz. Im Gegenteil. Es sind Fragen für Demokratie.
Vielleicht ist Österreich tatsächlich ein interessantes Testland dafür. Das Land ist klein genug, um institutionell überschaubar zu sein, reich genug, um entsprechende Infrastruktur zu finanzieren, politisch stabil, europäisch integriert und verfügt über eine erstaunlich überschaubare Zahl relevanter politischer und medialer Machtzentren. Aus der Perspektive einer aufkommenden digitalen Aristokratie wäre das beinahe eine ideale Versuchsanordnung.
Ob Österreich deshalb bereits „Schachmatt“ ist, weiß ich nicht. Mittlerweile ist mir das Wort sogar zu endgültig. Demokratie ist kein König, den man einmal umlegt und dann vom Brett nimmt.
Aber vielleicht stehen bereits mehr Figuren auf diesem Brett, als wir bisher wahrgenommen haben. Zeiler, Kurz, Schütz, Blümel, Dichand, Fellner und Thiel bilden keine nachgewiesene Verschwörung und schon gar keine Organisation. Sie sind Menschen aus unterschiedlichen Systemen, deren Interessen sich an manchen Stellen überschneiden, an anderen widersprechen und deren Beziehungen wir deshalb sehr genau beobachten sollten.
Denn möglicherweise lautet die entscheidende politische Frage Österreichs in den nächsten Jahren gar nicht mehr: Wer wird Bundeskanzler?
Vielleicht lautet sie vielmehr:
Wer baut das Betriebssystem unseres Staates – und wem gehört am Ende der Administratorzugang?