statt eines Kommentars

seit tagen verfolge ich diese diskussion und bin hin und her gerissen.

einerseits erinnere ich, dass seinerzeit, bei aufkommen des teichtmeister-skandals erst von 58000, dann von 76000 dateien die rede war, irgendwo aber in einem halbsatz die "wirkliche" kinderpornografie* auf nur einige dutzend von all dem reduziert wurde. was mich dazu brachte, die definition zu suchen. die durchaus sehr verschieden sein kann. so erfuhr ich, dass schon ein nackter kinderpo hierunter fallen kann, fotos von schlafenden nackten kindern jedoch mal ja und mal nein.

jedenfalls dachte ich, dass viele der uns früher harmlos scheinenden strandbilder nach heutiger deutung pornografie wären. unsere eltern haben die natürlich nicht in hinterzimmern zu finsteren zwecken getauscht, sondern fröhlich lachend in der verwandtschaft herum gereicht.

kurzum: wenn heute von kinderpornografie die rede ist, dann muss es sich keineswegs um schmerzvoll vergewaltigte kinder handeln, nicht einmal um überhaupt irgendwelche sexuell konnotierten bilder/ filme, vielmehr entsteht die pornografische konnotation im kopf des betrachters. was für den einen ein harmloses urlaubsbild ist, ist dem anderen eine wixvorlage.

aber wenn die polizei nach kinderpornografie sucht, wird erst einmal vom schlimmsten anzunehmenden fall ausgegangen. ohnehin haben die es schwer genug, weil man sich den zugang zu entsprechenden websites/offline-gemeinschaften durch selbst eingereichte bilder/filme "erkauft", dies aber eine straftat ist, die die polizei, auch nicht aus ermittlungstaktischen gründen, nicht ausüben darf.

wo sie, die polizei, tatsächlich fündig wird, so erfuhr ich bei meiner recherche auch, handelt es sich häufig um altes material, das immer und immer wieder getauscht wird. seit den achtziger jahren. nicht, dass nicht neues entstünde, aber dieses wird in so geschlossenen kreisen und eben meist offline verbreitet, dass die inzwischen getroffenen vielfältigen vorkehrungen im netz nurmehr selten erfolge zeigen. zudem entsteht neues mehrheitlich im engsten familien- und bekanntenkreis der kinder. geld wird kaum noch damit verdient.

was das alles mit teichtmeister zu tun hat? es geht hier nicht um relativierung, sondern darum, die allgemeine empörung in einen kontext zu setzen. und, ja, auch darum, sich zu fragen. wer denn da nun kinderpronografie verbreitet hat, wenn - wie von @Theodor Rieh geschildert - teile aus teichtmeisters "gewaltphantasien" im gerichtssaal vorgelesen wurden. t. selbst hielt seine phantasien, ob nun in bild oder text, ganz im verborgenen. selbst die freundin, die ihn letztlich anzeigte, hat von seinen neigungen entweder nichts gewusst oder aber sie toleriert.

und was ist nun mit den dingen, die im kopf geschehen und, meinetwegen, auch in bild, film und text umgesetzt, aber niemandem gezeigt werden?

mich graust der gedanke, irgendwer könnte einmal meine phantasie ausforschen und mir zur last legen (wer frei von schuld ... eh schon wissen.), sei diese welchen inhalts auch immer. und die idee, dass aus gedanken womöglich taten werden könnten, ist spätestens dann ad absurdum geführt, wenn sie zur polizei gehen und jemanden anzeigen, von dem sie sich bedroht und verfolgt fühlen. die polizei wird sagen, dass man nichts tun könne, solange nichts passiert ist.

da macht sich keiner die mühe, den bedroher auch nur anzusprechen, eben weil kein rechtlicher tatbestand vorliegt.

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