Der Mythos vom Bau-Retter: Was Vonovia wirklich mit Ihrem Geld macht

Man muss sich das Geschäftsmodell von Deutschlands größtem Wohnungskonzern einmal ganz nüchtern ansehen, frei von den PR-Floskeln, die regelmäßig über Pressemitteilungen laufen. Die Erzählung lautet seit Jahren gleich: Wir brauchen große Private, wir brauchen börsennotierte Giganten wie Vonovia, denn nur sie haben das dicke Portemonnaie, um den ersehnten neuen Wohnraum aus dem Boden zu stampfen. Klingt logisch. Hat nur mit der Realität auf dem Immobilienmarkt exakt gar nichts zu tun.

Wer die Bilanzen liest, statt den Werbeversprechen zu glauben, blickt auf eine ganz andere Mechanik. Vonovia baut nicht, weil Bauen teuer ist und die Renditen im Neubau aktuell überschaubar bleiben. Warum auch Beton gießen, wenn man viel bequemer abkassieren kann?

Die Masche mit dem Bestand: Kaufen statt schaffen

Der Konzern agiert an den Wohnungsmärkten längst wie ein Staubsauger. Statt neue Quartiere zu errichten, die das Angebot vergrößern würden, werden bestehende Bestände aufgekauft. Konkurrenten werden geschluckt, große Portfolios übernommen, Quadratmeter um Quadratmeter unter das eigene Dach gezwungen.

Das Problem dabei: Durch diesen Aufkauf entsteht keine einzige neue Wohnung.

Es wechselt lediglich das Schild am Briefkasten. Der Wohnungsbestand bleibt exakt gleich groß, aber die Marktmacht konzentriert sich in wenigen Händen. Wenn ein einzelner Player Tausende Wohnungen in einer Stadt kontrolliert, bestimmt er das Preisniveau. Der freie Wettbewerb schrumpft, die Mieten ziehen an, und kleinere, lokale Anbieter oder private Käufer haben das Nachsehen. Der Markt wird nicht gerettet – er wird leergekauft.

Renditedruck schlägt Gemeinwohl

Ein börsennotiertes Unternehmen ist seinen Aktionären verpflichtet. Es muss Quartal für Quartal liefern, Gewinne maximieren und Dividenden ausschütten. Wenn das Geld nicht aus dem Neubau sprudelt, weil dieser zu kostspielig ist, muss es eben aus den bestehenden Mietverhältnissen herausgepresst werden.

Das Ergebnis spüren Mieterinnen und Mieter tagtäglich:

Da wird modernisiert, um die Miete auf das maximal zulässige Limit zu heben.

Da wird die Instandhaltung oft so lange gestreckt, bis der Druck zu groß wird.

Da wird jede rechtliche Grauzone im Mietrecht genutzt, um die Einnahmen pro Quadratmeter zu steigern.

Es findet keine Wertschöpfung statt, sondern eine Wertabschöpfung. Das Kapital fließt nicht in Wände und Dächer, sondern als Dividende an die Börse.

Das Märchen von der marktwirtschaftlichen Selbstheilung

Solange Politik und Wohnungswirtschaft so tun, als würden Vonovia und Co. als fleißige Bau-Helden agieren, drehen wir uns im Kreis. Die nackten Zahlen belegen das Gegenteil: Die großen Konzerne sind keine Problemlöser. Sie sind das Symptom – und oft genug die Treiber – einer Mietenkrise, die den sozialen Zusammenhalt in unseren Städten zerreißt.

Wer glaubt, dass profitorientierte Giganten aus Nächstenliebe bezahlbaren Wohnraum sichern, glaubt auch, dass Zitronen Falter ausbrüten. Es ist an der Zeit, diese Illusion ad acta zu legen und den Wohnungsmarkt konsequent nach den Bedürfnissen der Menschen auszurichten – statt nach den Bilanzen von DAX-Konzernen.

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