Die AfD, Steve Bannon und der Epstein-Komplex: Ein Spiel mit doppelten Standards

Als die Epstein-Akten im Januar 2026 veröffentlicht wurden, enthüllten sie nicht nur die grausamen Verbrechen eines international verflochtenen Netzwerks aus Macht, Geld und sexualisierter Gewalt. Sie zeigten auch, wie tief rechtspopulistische Kräfte in Europa – und insbesondere die AfD – mit diesem Milieu verstrickt sind. Doch statt sich selbstkritisch mit diesen Verbindungen auseinanderzusetzen, brachte die AfD einen Antrag in den Bundestag ein, der die Untersuchung deutscher Bezüge zu den Akten forderte. Ein Antrag, der auf den ersten Blick nach moralischer Entschlossenheit klingt, bei genauerem Hinsehen jedoch als dreiste Ablenkungstaktik entlarvt wird. Denn während die Partei öffentlich Aufklärung einfordert, verschweigt sie geflissentlich, dass sie selbst Teil des Problems ist.

Der Antrag erwies sich als Bumerang

Im Zentrum der Verstrickungen steht Steve Bannon, der ehemalige Chefstratege Donald Trumps und eine Schlüsselfigur der internationalen Rechten. In den Epstein-Akten findet sich ein Chatverlauf, in dem Bannon dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein mitteilt, er könne nicht zu dessen berüchtigten „Insel-Partys“ kommen – weil er vom 11. bis 15. Mai 2019 in Berlin sei, um die AfD zu beraten und im Bundestag eine Rede zu halten. Die AfD hatte Bannon tatsächlich eingeladen, um vor rechtspopulistischen Journalisten und Bloggern über „freie Medien“ und Kampagnenstrategien zu sprechen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. In weiteren Nachrichten prahlt Bannon damit, nicht nur den französischen Rassemblement National oder die italienische Lega zu beraten, sondern explizit auch die AfD. Sein Ziel: Durch Erfolge bei den Europawahlen 2019 Einfluss auf die europäische Politik zu nehmen – und dabei „Kryptoregulierung oder sonst was wir wollen“ zu blockieren. Epstein antwortet mit einem lapidaren „Roger that“ – die AfD war für ihn und Bannon offenbar ein nützliches Werkzeug, um politische Ziele durchzusetzen.

Der Einfluss Epstein über die AfD in die europäische Politik.

Die Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die AfD, die sich nun als moralische Instanz aufspielt, stimmte später als einzige deutsche Partei im Europaparlament gegen die MiCA-Verordnung zur Regulierung von Kryptowährungen – genau jenes Thema, das Bannon in seinen Chats mit Epstein als Hebel für politischen Einfluss nannte. Doch statt diese Verbindung einzugestehen, inszeniert sich die Partei als Kämpferin gegen korrupte Eliten. Im Bundestag forderte sie eine „transparente Sonderkommission“, um deutsche Bezüge zu den Epstein-Akten zu untersuchen. Ein Antrag, der bei den anderen Parteien auf scharfe Kritik stieß. Ralf Stegner von der SPD brachte es auf den Punkt: „Sie inszenieren sich als Gegner korrupter Eliten, stecken aber selbst mittendrin.“ Tatsächlich geht es der AfD nicht um Aufklärung, sondern um Kontrolle. Eine von der Regierung unabhängige Kommission hätte ihr erlaubt, die Ermittlungen zu beeinflussen – oder gar zu behindern.

Jeder Anschuldigung ist ein Geständnis.

Doch die Heuchelei der AfD zeigt sich nicht nur in ihrer Verbindung zu Bannon. Die Partei pflegt seit Jahren Kontakte zu Akteuren, die in den Epstein-Akten als Teil eines fragwürdigen Netzwerks erscheinen. Dazu gehören nicht nur Bannon und Trump – der in den Akten 38.000 Mal mit schwersten Vorwürfen erwähnt wird –, sondern auch Elon Musk, der laut den Akten „darum gebettelt“ haben soll, zu Epsteins Partys eingeladen zu werden. Die AfD wiederum lädt Musk gerne auf ihre eigenen Veranstaltungen ein. Gleichzeitig setzt sich die Partei für eine Politik ein, die Tätern wie Epstein in die Hände spielt: Sie kämpft gegen Sexualkunde in Schulen, diffamiert Feminismus als „Gender-Ideologie“ und fördert autoritäre Strukturen, die Missbrauch begünstigen. Kritiker wie Maik Brückner von der Linken nennen die AfD daher konsequent die „Kindervergewaltigerpartei“ – ein Vorwurf, der sich auf ihre politische Agenda stützt, die Opfer schutzlos zurücklässt.

"Kindervergewaltigerpartei"

Die Debatte im Bundestag offenbarten die ganze Dreistigkeit der AfD. Während ihre Abgeordneten lautstark Aufklärung forderten, wurden sie von allen anderen Parteien mit ihren eigenen Widersprüchen konfrontiert. Johannes Volkmann, Enkel von Helmut Kohl, zitierte aus den Akten: Bannon habe Epstein geschrieben, er arbeite „für Front National, Salvini, AfD“ und könne durch Wahlgewinne „jede Krypto-Gesetzgebung unterbinden“. Die AfD konnte sich nicht einmal dazu durchringen, Bannons Einfluss zu leugnen – geschweige denn, sich von ihm zu distanzieren. Stattdessen reagierte sie mit aggressiven Zwischenrufen, als würde sie sich ertappt fühlen. Beatrix von Storch, eine der Galionsfiguren der Partei, versuchte vergeblich, die Vorwürfe als „Nebelkerzen“ abzutun. Doch die Fakten sind klar: Die AfD nutzt den Epstein-Skandal, um von ihren eigenen Verstrickungen abzulenken – und scheitert dabei kläglich.

Nicht nur die AfD, auch andere europäische rechtradikale Parteien

Am Ende bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die AfD, die sich als Hüterin der Moral geriert, ist selbst ein Teil des Systems, das sie angeblich bekämpft. Sie fordert Transparenz, während sie ihre Verbindungen zu Bannon und Epstein verschweigt. Sie klagt andere an, während sie selbst mit Akteuren paktiert, die in den Akten als Mittäter oder Profiteure erscheinen. Und sie inszeniert sich als Beschützerin von Opfern, während ihre Politik genau jenen Tätern in die Hände spielt, die Kinder und Frauen ausbeuten. Die Epstein-Akten sind nicht nur ein Dokument des Verbrechens – sie sind auch ein Spiegel, der der AfD ihre eigene Heuchelei vorhält. Doch statt sich zu schämen, dreht die Partei den Spieß um und versucht, aus der Aufdeckung ihrer eigenen Verstrickungen politischen Kapital zu schlagen. Das ist nicht nur zynisch – es ist unverfroren.

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Carrhae

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