... was nicht bedeutet, dass Russland das Ziel, den Westen mit Krieg zu überziehen, aufgegeben hat. Strelkov will nur einen neuen Anlauf.
Der KGB-Agent Igor «Strelkov» Girkin war 2014 der militärische Anführer der Donbas-Separatisten im Auftrag Russlands. Er wird international gesucht, weil seine Soldaten 2014 ein Passagierflugzeug der «Malaysia Airline» über dem besetzten Donezk abgeschossen hatten, wobei alle 298 Flugzeuginsassen starben. Der Milizenführer ist aber aktuell nicht deshalb in einem russischen Gefängnis, sondern weil er Putin lautstark kritisierte.
Aus dem Gefängnis bedient «Strelkov» weiterhin einen Telegram-Kanal. Und dort schreibt er, dass er den Krieg gegen die Ukraine aktuell als verloren betrachtet.
Nachdem «Strelkov» jahrelang eine vollständige Mobilmachung gefordert hatte, ist er zu der Erkenntnis gelangt, dass dies nun sinnlos wäre: Die Drohnenschwärme der Ukraine sind in der Lage, «beliebig viele Infanteristen» gleichzeitig zu vernichten, und Russland verfügt nicht einmal über genügend Waffen, um diese zu bewaffnen.
Ein Leser seines Telegram-Kanals fragt: Frage: Es wird zunehmend über eine mögliche Mobilmachung gesprochen – glauben Sie, dass die Regierung einen solchen Schritt unternehmen wird? Und ist eine Mobilmachung unter den gegenwärtigen Umständen notwendig?“
Darauf antwortet Girkin: «Eine Mobilmachung wäre im Frühjahr 2022, im Frühjahr 2023, im Frühjahr 2024 und vielleicht sogar im Frühjahr 2025 notwendig gewesen. Jetzt ist die Mobilisierung katastrophal verspätet. (…) Die Zeit, in der wir den Feind besiegen, ihn niederschlagen und mit massiven Infanterieeinheiten in den Boden stampfen konnten, ist leider bereits vorbei. (…) Derzeit tobt ein Krieg der (ukrainischen) Drohnen, die in der Lage sind, jede beliebige Anzahl an (russischen) Infanteristen zu vernichten, die an jeder noch so breiten Front in den Kampf geschickt werden. Der Feind hat in Europa und in der sogenannten Ukraine eine solche Produktion von Drohnen und Raketen aufgebaut, dass er nun in der Lage ist, die Front fast ausschliesslich mit ihnen zu halten, was tatsächlich auch geschieht. Das heisst, grosse Massen von (russischen) Menschen und Technik werden vernichtet, ohne irgendwelche Erfolge zu erzielen. Die Zeit ist verpasst.»
Anstelle einer Mobilisierung von Soldaten schlägt Strelkov eine Mobilisierung von Menschen in der Wissenschaft, der Rüstungsindustrie und der Industrieproduktion vor: «Erst dann werden wir nach einiger Zeit (nicht jetzt, nicht morgen und nicht übermorgen) eine Kriegswirtschaft erhalten, die in der Lage ist, mit der Kriegswirtschaft Europas und der sogenannten Ukraine mitzuhalten und sie zu besiegen.»
Über den Kremlsprecher Dmitri Peskow sagt Strelkin: «Peskows Aussage, dass Russland nur noch wenige Kilometer im Donbass von einer friedlichen Lösung trennen, ist, entschuldigen Sie, eine Lüge und ein Bluff. Nun, was eigentlich nichts Neues für diese Person und für die Behörde ist, die er vertritt.»