Man stelle sich eine politische Figur vor, die in der Wirtschaft so beständig war wie ein Praktikant auf Speed‑Dating‑Tour. Kaum hat sie den Bürostuhl warmgesessen, ist sie schon wieder weg – nicht, weil sie befördert wurde, sondern weil der Kalender zufällig gerade die magische Grenze von zwei Jahren erreicht hat. In der Privatwirtschaft nennt man so etwas berufliche Kurzstreckenläufer, in der Politik hingegen erstaunlicherweise „Führungspersönlichkeiten“.
Diese Figur präsentiert sich gern als wirtschaftliche Expertin, obwohl ihr Lebenslauf aussieht wie ein Sammelalbum abgebrochener Kapitel. Jeder Job ein neues Abenteuer, jedes Abenteuer ein abruptes Ende. Manche Menschen sammeln Briefmarken, andere sammeln Kündigungsgründe – jeder hat sein Hobby.
Trotzdem erklärt sie mit großer Geste, wie Wirtschaft eigentlich funktioniert. Das ist ungefähr so, als würde jemand nach zwei Jahren Klavierunterricht behaupten, er könne Beethoven verbessern. Aber gut: Selbstbewusstsein ist auch eine Form von Leistung.
So entsteht das Paradox der modernen Politik: Je kürzer die reale Erfahrung, desto länger die Reden über Kompetenz. Und je weniger man in der Wirtschaft geleistet hat, desto lauter ruft man nach wirtschaftlicher Erneuerung.