Ich backe einen Nußstrudel - ein Erlebnisbericht

Ich bin keine begnadete Köchin. Das gebe ich offen zu - meine Kochkünste sind durchaus passabel: Diverse Hausmannskost, die gemeinhin auch im originären Dorfbeisel kredenzt werden, schaffe ich locker, dabei bin ich durchaus auch kreativ.

Es wäre auch einigermaßen peinlich, würde ich das nicht können, war meine Mutter doch jahrelang Wirtin eines Vorstadtbeisels mit hervorragender Hausmannskost - von ihr habe ich mir so einiges beim Kochen abgeschaut, bzw. sie auch in jungen Jahren immer wieder einmal telefonisch um ihren Rat gefragt.

Was allerdings die feinere Küche anbelangt, die etwas mehr an Fingerspitzengefühl und Kreativität verlangt, verlasse ich mich lieber auf meine bessere Hälfte - diese ist in unserer Küche der eigentliche Chef, das gebe ich offen zu.

Und mit dem Backen hatte ich es bis vor wenigen Jahren gar nicht - einen simplen Ölgugelhupf, sowie ein einziges ausgewählt einfaches Nußkuchenrezept standen auf meinem Plan, so etwas Süßes zu kredenzen erforderlich war.

Das hat sich alles geändert, seitdem wir unseren Garten nebst etlichen Obstbäumen und -sträuchern übernommen haben.

Und zudem einer beeindruckenden Anzahl von Nußbäumen.

Es mag womöglich seltsam klingen, aber sobald man sich mit der Materie näher beschäftigt, bzw. für das Rohmaterial - das Obst und die Nüsse nämlich - selbst voll verantwortlich ist, weil eben sonst niemand mehr sich um die Früchte kümmert und sie verarbeitet, entwickelt man eine nicht unbeträchtliche Lust am Kochen, Einkochen und Backen. Man erträgt es nämlich nicht, zuzusehen, wie die guten Beeren, Äpfel, Pfirsiche, etc., vergammeln.

Und nachdem wir die Nüsse in jedem Herbst in stunden- und tagelanger mühseliger Kleinarbeit auslösen, um sie für den Verkauf vorzubereiten - denn die wenigsten Leute kaufen sich Nüsse in der Schale, weil das in erster Linie einmal viel Arbeit bedeutet - bin ich nun darangegangen, sie auch für uns zu verarbeiten.

Bisher habe ich lediglich Vanillekipferln gebacken, und das in jedem Jahr - es war auch stets die einzige Weihnachtsbäckerei, die mein Backrohr verlassen hat. Das aber in großer Menge.

Aber nun habe ich mich an die Königsdisziplin, nämlich einen Strudel aus den wohlschmeckenden Nüssen, gemacht.

Meine ersten Versuche gestalteten sich relativ simpel, nämlich mit vorgefertigten Strudelblättern - so haben sie aber auch geschmeckt. Und ausgeschaut.

Noch dazu riss der Teig beim Einrollen IMMER ein - was das Herumpatzen auch nicht wirklich einfacher macht.

Ich verwendete deshalb meistens zwei Blätter übereinander, was beim fertigen Produkt dann dem Geschmack auch nicht wirklich diente - man musste sich stets durch mehrere Lagen an dünnen und harten Teigblättern bis zur Fülle durchkämpfen.

Ich weiß zwar nicht, warum, aber bei mir werden Strudelblätter immer bretthart und steif. Erst nach einem Tag wird der Teig dann wie durch Wunderhand weich und geschmeidig - der Strudel ist aber dann auch nicht wirklich herzeigbar. Und nicht wirklich das, was man sich von einer wirklich guten Wiener Mehlspeise erwartet.

Somit hielt sich meine Lust am Selbstherstellen dieser Köstlichkeit dann auch ziemlich in Grenzen.

Jetzt aber habe ich ein tolles Rezept gefunden - mit einem selbst zuzubereitenden Teig, der aber trotzdem nicht wirklich aufwendig herzustellen ist.

Und das ist für mich auch wichtig - die Sache darf nicht in mühsames Kleingefuzzel mit einer Unzahl an Zutaten ausarten.

Ich habe also den Teig fabriziert und ihn danach selbst ausgerollt. Auf einem nassen Küchentuch, damit er nicht klebenbleibt. Das hab ich irgendwo einmal gelesen.

Und mit den bisher verwendeten fertigen Strudelblättern hat das auch immer gut geklappt.

Allerdings ist dieser Teig dann genau das, nämlich auf dem feuchten Tuch picken geblieben - durch das Auswalken hat er sich praktisch mit dem Geschirrtuch vermählt - und ich hatte Mühe, ihn in einem Stück vom Untergrund zu kratzen, sodass auch noch etwas Strudelähnliches übrigbleibt.

Wie durch ein Wunder ist der Strudel aber dann doch heil geblieben und ich konnte ihn in das vorgewärmte Backrohr bugsieren. Was gar nicht so einfach war, weil auf dem Geschirrtuch ein erklecklicher Teil des Teiges haften blieb - und ich auf der Oberseite ein paar "Löcher" hatte, durch die die Fülle hervorquoll.:(:)

Auf diese fabrizierte ich irgendwie die vom Hangerl heruntergeschabten Teigreste, worauf der Strudel eine etwas eigenwillige Oberseite bekam, aber zumindest weitestgehend dicht war.

Aber solche Kleinigkeiten stören große Geister bekanntlich nicht - der Strudel hat daraufhin im Rohr friedlich vor sich hin geschmurgelt und einen wunderbaren Duft im ganzen Haus verbreitet.

Nach ca. 35 min war das Werk vollbracht - und sah gar nicht so schlecht aus.

Und geschmeckt hat er wunderbar.

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philip.blake

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Petra vom Frankenwald

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