Den Artikel in der Weltwoche gefunden
Advocatus Diaboli
Liebe Leserin, lieber Leser: darf ich mich vorstellen, ich bin der Advokat des Teufels, der Advocatus Diaboli, der Geist, der zwar nicht stets verneint, aber doch für sich in Anspruch nimmt, das Gefängnis des Gewohnten und Konventionellen zu verlassen, um das, was allgemein für wahr gehalten wird, zu hinterfragen, nein: zu zerzausen. Nehmen Sie meine Gedanken als das, was sie sind: der Versuch, Sie in Gefilde zu entführen, in die sich Journalisten nie vorwagen würden – nicht, weil das, was ich sage, falsch oder gar absurd wäre, nein, weil ich damit die stillschweigenden Gelübde des Mainstreams verletze, und dies mit Freude – und Überzeugung. Also steigen Sie ein, kommen Sie mit auf meine Reise der Gedanken. Heute möchte ich Ihnen zeigen und beweisen, warum Wladimir, der Schreckliche, genannt Putin, einer der bedeutendsten, vielleicht der bedeutendste Staatsmann unserer Zeit ist.
Die Auferstehung aus Ruinen
Erinnern Sie sich an das Russland der 1990er Jahre? Ein kataraktartiger Zusammenbruch, ein Land im Ausverkauf, regiert von einem torkelnden Boris Jelzin, während Oligarchen das Volksvermögen wie Hyänen zerfleischten. In dieses Vakuum trat der Jurist, aus der Kälte kam der Geheimdienstmann Wladimir Putin, ein russischer James Bond mit Universitätsabschluss. Mit der kühlen Präzision eines Chirurgen und der Härte eines Mannes, der weiss, dass Ordnung die conditio sine qua non jeder Zivilisation ist, richtete er das darniederliegende Reich auf. Er gab den Russen nicht nur Brot und eine stabile Währung zurück, sondern etwas weitaus Kostbareres: ihre Würde.
Man wirft ihm Autoritarismus vor. Sicher, Russland ist keine Schweiz. Aber ist es nicht die höchste Form westlicher Arroganz, ein eurasisches Riesenreich, das elf Zeitzonen umfasst und eine blutige Geschichte der Instabilität hinter sich hat, an den Massstäben eines Alpendorf-Kantons zu messen? Putin erkannte früh: Ein Land dieser Grösse braucht ein starkes Zentrum, eine «Machtvertikale». Er ist der Pragmatiker der Macht, der verstanden hat, dass Freiheit ohne Sicherheit im Chaos endet.
Die verpasste Handreichung
Wir blicken heute auf den Krieg in der Ukraine und sehen das Ende einer Entwicklung, vergessen aber deren Anfang. Putin wollte ursprünglich mit dem Westen zusammenspannen. Erinnern Sie sich an seine Rede im Deutschen Bundestag 2001? Er sprach in fliessendem Deutsch von einem gemeinsamen europäischen Haus, von Kooperation und Sicherheit. Doch wie reagierten die «Sieger der Geschichte»? Mit der herablassenden Attitüde von Gutsherren, die den besiegten Gegner nicht integrieren, sondern demütigen wollten.
Die NATO-Osterweiterung wurde vorangetrieben, als gäbe es keine berechtigten russischen Sicherheitsinteressen. Der Westen, berauscht von seinem «Ende der Geschichte», behandelte Russland wie eine regionale Tankstelle mit Atomwaffen. Dass Putin darauf reagierte, dass er Linien zog, war nicht Aggression, sondern konsequente Realpolitik. Er ist der Anwalt einer multipolaren Welt, der einzige, der es wagte, der heuchlerischen Hegemonie der USA die Stirn zu bieten – jenem Land, das Völkerrecht bricht, wann immer es den eigenen Interessen dient, während es anderen Moralpredigten hält.
Der Katechon des Abendlandes?
Vielleicht ist Putins bedeutendste Rolle jedoch eine, die im säkularen Westen kaum noch verstanden wird: Er ist der letzte grosse Verteidiger abendländischer Werte. Während Europa und Nordamerika im «Woke-Wahnsinn» versinken, während biologische Fakten durch Gender-Ideologien ersetzt werden und die Geschichte im Namen einer vermeintlichen Gerechtigkeit gecancelt wird, steht Putin für das Bleibende.
Er verteidigt das Christentum, die traditionelle Familie und die nationale Identität gegen den linken Machbarkeitswahn, der den Menschen neu erschaffen will. In Moskau sieht man den Untergang des Westens in Echtzeit und weigert sich, diesen Suizid mitzumachen. Putin begreift sich als Schutzherr einer Zivilisation, die ihre eigenen Wurzeln vergessen hat. Das macht ihn für die Eliten in Brüssel und Washington so gefährlich: Er erinnert sie an das, was sie aufgegeben haben.
Realpolitik statt Moralismus
Man mag einwenden, er habe sich in der Ukraine verkalkuliert. Doch betrachten wir die Rhetorik: Während westliche Politiker in einer beispiellosen Eskalationsspirale aus Beschimpfungen und moralischer Selbstgerechtigkeit gefangen sind, bleibt Putin sachlich, fast schon kühl. Er spielt das lange Spiel. Er weiss, dass die Welt mehr ist als der G7-Club. Mit den BRICS-Staaten hat er eine Allianz geschmiedet, die das wirtschaftliche Schwergewicht längst nach Osten verschoben hat.
In Donald Trump fand er – jenseits der medialen Hysterie – einen Geistesverwandten. Einen weiteren Pragmatiker, der verstanden hat, dass die Ära der ideologischen Kreuzzüge vorbei sein muss. Beide eint die Verachtung für die salonfähige Verlogenheit der «woken» linken und rechten Gutmenschen, eine globale Bürokratie, die sich von den Nöten des einfachen Volkes entfremdet hat. Beide sind Pragmatiker, Verfechter nationaler Interessen, notfalls mit Krieg, aber keine Kreuzzügler und Ideologen.
Fazit des Teufelsadvokaten
Wladimir Putin ist kein Heiliger, gewiss nicht, aber wie Trump eben auch kein Scheinheiliger, obwohl er intellektueller und disziplinierter argumentiert. Er ist ein Herrscher der alten Schule, ein Mann, der in Kategorien von Einflusszonen und Souveränität denkt. Doch in einer Welt, die in Beliebigkeit und ideologischem Eifer zu zerfliessen droht, wirkt seine Gestalt wie ein Fels aus einer anderen Zeit. Er hat Russland vom Boden aufgehoben und es wieder zu einem Akteur gemacht, an dem niemand vorbeikommt.
Ist es nicht an der Zeit, den moralischen Hochsitz zu verlassen und anzuerkennen, dass seine Vision einer multipolaren, wertkonservativen Welt möglicherweise mehr Substanz hat als unser taumelnder Liberalismus? Putin ist der Spiegel, den er uns vorhält. Dass uns das Bild nicht gefällt, das wir darin sehen, ist nicht seine Schuld.
Quelle: Die Weltwoche