Özil*in – nicht ausreichend integriert und gegendert

In Zeiten, in welchen sich "türkisch-deutsche" Nationalfußballspieler rassistischen Äußerungen stellen müssen, Frauen eine gendergerechte Sprache fordern, der Planet - unsere Heimat - von uns selbst zerstört wird und Aids, trotz der so guten Maßnahmen für Verhütung, wieder stärker ausbricht, fragt man sich schon, ob es eventuell einfach einen Rücklauf in der menschlichen Entwicklung gibt. In Worten wie Migration, Integration und Feminismus sind überall laufende Veränderungen versteckt, welche - so das Universum will - irgendwann mal vielleicht Realität werden. Aber das Jetzt schafft irgendwie nichts davon. Denn das Jetzt kann, durch die Meinungsfreiheit der Menschheit, in einen endlosen Zustand von Unzufriedenheit und Unzulänglichkeit gedehnt werden, da die vielen Meinungen die Durchsetzung von Veränderungen behindern. Man muss es sagen, wie es ist: die heutige Gesellschaft reicht einfach nicht aus. Der "Wohlstand" und der industrielle Fortschritt haben in den Menschen mit der Zeit Zweifel gesät, sodass sie nie wirklich ausreichen oder zu ihrem eigenen inneren Frieden kommen können. Doch nicht nur in Grundsatzfragen wie der Integration von Migranten und Frauen reichen wir nicht aus. Auch im alltäglichen Leben wird alles was wir tun erst in eine Art Kosten-Leistungs-Gleichung gesetzt und nach Effektivität bewertet, ehe gehandelt wird - doch das ist ein anderes Thema. Da ich selbst sowohl das aktuelle Integrationsthema als auch die Debatte bzgl. gendergerechter Sprache mit mir verbinden kann, widme ich den heutigen Blogeintrag gleich mal beiden - 2 in 1.

Durch das Wiedergekäue in den Medien, wird sich das Özil-Thema wahrscheinlich leider irgendwann zu dem Flüchtlings- oder Kopftuchthema runterschaukeln und bei den Lesern nur noch Übelkeit auslösen. Schade eigentlich, denn es beschreibt ein Problem, welches sich durch das Wiederkäuen auch nicht lösen wird. Denn dieses Problem ist fest in der Gesellschaft verankert und bringt auch immer wieder andere Streitpunkte (wie z.B. Burkini-Debatte) hervor. Innerhalb des ganzen Diskurses wäre es interessant zu wissen, was denn nun für Maßnahmen innerhalb der Gesellschaft daraus abgeleitet werden. Denn die zahlreichen Veröffentlichungen in welchen Menschen mit Migrationshintergrund Özil's Statement bestärken oder auch nicht, wurden in die Welt getragen und jetzt? Weiterhin benennen sich Menschen aufgrund ihres ausländischen Nachnamens um und nehmen einen deutschen Namen an - sei es für eine Beförderung oder für den allgemeinen Umgang (was fast schlimmer ist). Das sind Maßnahmen, welche Menschen zu Zeiten des osmanischen Regimes auf dem Balkan unternommen wurden und das ist etwa 100 Jahre her (!). Daher kann man eigentlich nur lachen, wenn Menschen der Meinung sind, die Integrationsdebatte wäre komplett zugespitzt und eigentlich unnötig, denn sie ist eigentlich mehr als nötig und sollte - wenn Mans streng nimmt - neu gedacht werden. Allerdings kann man mittlerweile meinen, dass sie einfach nicht neu gedacht wird, weil es den Menschen in den entsprechenden Positionen ganz gelegen kommt und mit ihrer eigenen Ideologie übereinstimmt.

Ähnlich verhält es sich eigentlich auch beim gendern oder der Integration von Frauen. Vom feministischen Blickpunkt aus, ist es mehr als wichtig auch in der Sprache eine Gleichberechtigung zu schaffen. Denn durch die Sprache drücken wir Menschen uns nun mal aus und wenn diese in vielen Fällen keine weibliche Form enthält, ist das einfach erstens, mehr als überfällig in Zeiten der Emanzipation und zweitens, bedarf es deshalb auch nicht weiterer Diskussion. Denn es gibt nun mal Professorinnen, Lehrerinnen, Kanzlerinnen etc. warum also das Kind nicht einfach beim Namen nennen? Es ist auch einfach wichtig solche Dinge einzufordern, denn sie sind die Grundlage für eine funktionierende Demokratie. Dass die Demokratie den Feminismus braucht, hat sich auch die Heinrich-Böll-Stiftung zum Thema gemacht, und eine Ausgabe des Böll Magazins dem Thema gewidmet (zum ganzen Magazin: Böll.Thema 2/2018: Demokratie braucht Feminismus - sehr empfehlenswert!). Grundsätzlich sollten wir Menschen jede Form von Fortschritt in der Gleichberechtigung unterstützen, da man immer wieder sehen und spüren kann, wie schwierig es ist jegliche positive Entwicklung in der Gesellschaft durchzusetzen.

Unzufrieden im Jetzt aber überfordert von Entwicklung oder Veränderung für die Zukunft, das ist wohl die Last der Gesellschaft. Dennoch sollten wir nicht nachgeben und immer nach dem Besseren streben. Diskriminierung und Abgrenzung fördern lediglich die Spaltung und behindern die Hoffnung auf eine humane und friedliche Gesellschaft. Auch andere Gesellschaften haben nicht ausgereicht und haben immerhin dafür gekämpft, dass nicht nur sie sondern auch spätere Generationen mehr ausreichen. Daher sollten wir uns als homo sapiens beweisen und uns nicht wie unsere tierischen Vorfahren, die Affen, verhalten.

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G. Szekatsch

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