Verrat an unseren eigenen Leuten: Was ein ISAF-Soldat über die Afghanistan-Schande denkt

Wer im Staub und Schweiß von Hindukusch und Kundus gestanden hat, kennt die Realität jenseits der gemütlichen Berliner Talkshows und des wohlfeilen politischen Sonntagsgeredes. Wenn man im Camp sitzt, die Lageberichte reinbekommen hat und den feinen Wüstensand tagtäglich zwischen den Zähnen spürt, lernt man verdammt schnell, die Welt nicht in den billigen, simplen Schwarzweiß-Schablonen zu betrachten, die daheim von den Sesselfurzern gepflegt werden.

Es ist das dümmste und verlogenste aller Vorurteile zu glauben, Afghanistan sei ausschließlich ein finsteres, hoffnungsloses Mittelalter gewesen. Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen und mit ihnen Seite an Seite gearbeitet: jene afghanischen Frauen und Familien, die mit absolutem Mut, offenem Visier, ohne Zwang und ohne Kopftuch für eine bessere Zukunft gekämpft haben. Sie waren Ärztinnen, brillante Anwältinnen, furchtlose Dolmetscherinnen und Ingenieurinnen – das absolute Rückgrat einer echten Zivilgesellschaft, die wir gemeinsam mit aufgebaut und geschützt haben. Sie haben damals nicht selten unser Leben gerettet, im absoluten Vertrauen auf unser Wort, unsere Uniform und unseren Schutz.

Und genau diesen Menschen hat die deutsche Politik und die westliche Staatengemeinschaft am Ende elendig in den Rücken gekehrt.

Wenn nun beispielsweise Großbritannien handelt und diese Menschen aufnehmen will, dann ist das kein gnädiges Zuckerle, sondern schlichtweg elementare moralische Verantwortung dem Kameraden gegenüber, dem wir damals in kritischen Momenten unser Leben anvertraut haben, mit denen wir ein Land aufbauen wollten, bis Trump, ja Trump, einseitig mit den Taliban verhandelte und das Land auslieferte. Die zivile afghanische Regierung hatte er nicht in die Verhandlungen einbezogen. Er übergab das Land ohne Gegenleistung an die Taliban. Die Taliban brauchten dann nur noch zu warten und kurz nach Trumps erster Amtszeit war es soweit, das System ist kollabiert, weil es keinen Rückhalt aus dem Westen mehr hatte. Es hat uns das Herz gebrochen, denn wer mit uns Schulter an Schulter patrouilliert hat, den lässt man im Ernstfall nicht verrecken. Aber genau das ist beim Abzug passiert.

Dann die deutsche Politik: Hier wurden unsere afghanischen Partner bürokratisch aussortiert, weil ein paar feige rechte Kreise (ja, genau, du zerfledderter Habichtsvogel, du bist damit gemeint) und populistischer Lärm Panik schürten, es könnten sich islamistische Schläfer einschleusen. Man knickte vor der Hetze ein.

Und die Krone dieser bodenlosen Heuchelei? Während man die treuen Verbündeten im Stich lässt, rollt Deutschland nun Taliban-Diplomaten in Bonn den roten Teppich aus. Man räumt den Henkern von damals bereitwillig Zugriff auf die Daten aller in Europa lebenden Afghanen ein – reinem Zweckismus folgend, um Abschiebungen zu ermöglichen. Und nein, die Abschiebungen treffen längst nicht nur Kriminelle, wie man uns das weismachen wollte: Man liefert jetzt unbescholtene Menschen, die einst für den Westen gearbeitet haben, sehenden Auges in die blutige Gewalt der Taliban aus.

Ein Staat wird auf Dauer nicht durch hohle Parolen oder feige Deals stark, sondern einzig und allein durch unerschütterliche Verlässlichkeit und Ehre. Wer seine treuesten Verbündeten im Dreck verrotten lässt, während er den Schläfern die Hand schüttelt, verliert jegliche moralische Legitimation. Schutz und unbürokratische Aufnahme für unsere afghanischen Partner sind keine Almosengabe, sondern eine eiserne soldatische Pflicht. Wer das vergisst, hat jeden Kompass verloren.

Das deutsche Militär braucht sich draußen in der Welt nicht mehr blicken lassen. Früher war eine deutsche Fahne auf der Uniform fast eine Lebensversicherung. Diese Zeiten sind vorbei.

0
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
0 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

1 Kommentare

Mehr von panzerhaubitze