Es gibt immer mehr Gründe etwas nicht zu tun als etwas zu tun. Aber warum tut man etwas nicht, das man eigentlich gerne tun würde?

Konkret stelle ich mir diese Frage deshalb, weil gestern im Kunstraum ein Konzert der Spitzenklasse stattgefunden hat, das im Konzerthaus mindestens 200 Besucher anziehen und rund 50 Euro Eintritt kosten würde. Im Kunstraum waren bei 10 Euro Eintritt leider nur 20 Besucher, obwohl allein auf facebook 30 zugesagt und 20 ihre Teilnahme als „unsicher“ vorgemerkt haben. Tatsächlich sind von diesen „Freunden“ nur 3 gekommen. Eingeladen waren via facebook 800. Die Frage lautet daher: welche Gründe haben 27 kultur- und musikinteressierte „Freunde“ zuzusagen und dann doch nicht zu kommen?

Mangurov Boneva Valentovic www.kunstsammler.at

Ich schließe mal „interessiert mich überhaupt nicht“ als Grund aus. Ansonsten fällt mir ein: In letzter Minute etwas dazwischen gekommen. Und: Übermüdet und ausgepowert von der Tagesarbeit.

Wenn das, was in letzter Minute dazwischen gekommen ist, nicht Hals- und Beinbruch sind, so wüsste ich nicht, was in letzter Minute aufregender, schöner oder wichtiger sein könnte als den Tag mit einem wertvollen, positiven Erlebnis abzuschließen. Wenn die Übermüdung der Grund war, so frage ich mich, ob die Menschen nicht gerade deshalb in ein Konzert gehen, um sich wieder mit Energie aufzuladen!?

Ich respektiere Menschen, die sich grundsätzlich für etwas anderes interessieren, als für Kunst, Literatur und Musik. Ich würde auch nie in meinem Leben ein Fußballspiel besuchen. Aber was brauchen Menschen und Freunde der Kunst, Literatur und Musik, um am Abend ihre Trägheit zu überwinden? Muss es die Netrebko oder sonst ein Starlet sein das „zieht“? Hat niemand mehr das Interesse - oder das Bedürfnis - Neues zu entdecken, sich von Qualität mitreißen zu lassen, unabhängig davon, ob gehypte Starlets als Zugpferde auf einer Bühne stehen oder noch relativ unbekannte, aber höchst talentierte Musiker?

Übrigens hatte ich wenige Stunden, nachdem ich Fotos vom Konzert auf facebook gepostet hatte, bereits 30 likes. Liebe Leute! Habt´s mich gern und leckts mich! Sorry, wollte sagen: like´ts mich!

Die Musiker, die gestern Lieder und Arien von Händel, Mozart und Tschaikovsky gespielt und gesungen haben waren Desislava Boneva (Sopran), Gerasim Mangurov (Bariton) und Peter Valentovic (Klavier). Weitere Fotos siehe kunstsammler.at

Und hier ein Laien-Video mit Desislava Boneva und Peter Valentovic, das kein Ersatz für das Live-Erlebnis ist, aber eine Ahnung vermittelt, was die Besucher des Kunstraums gestern erleben durften.

0
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
0 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

6 Kommentare

Mehr von thurnhoferCC