In Deutschland ist diese Frage hochaktuell. Sichtbar in dem Umgang mit der nationalsozialistischen Diktatur, besonders in der öffentlichen Diskussion. Moralapostel richten über alle Deutschen wegen des NS-Regimes, stellen selbst junge Soldaten, also unsere Großeltern an den Pranger, lobpreisen Menschen, die sich dem NS-Regime widersetzt haben. Problematisch ist diese Frage auch bei dem Umgang mit Migranten und für jeden selbst. Also bis wann sollte man den Gesetzen des Staates folgen?
Taugt der Vergleich des NS-Regimes mit den Aussagen konservativer Politiker und Kritiker? Ich denke nein. Denn jetzige Kritiker sind Menschen, die ihre Positionen meist sehr gut begründen können, ob richtig oder falsch sei dahingestellt. Sie haben also über das Thema durchdacht, dazu recherchiert, alles was sie von brutalen Ideologen in dem NS Regime unterscheidet.
Brisant ist auch der Umgang mit den Zuwanderern, denen man ja auch die Doppelstaatlichkeit einräumt. Welchem Staat sind sie im Zweifel Treue verpflichtet? Welchen Gesetzen haben sie zu folgen. Ist es akzeptabel, dass hier geborene Fußballspieler für ein anderes Land spielen?
Respekt und Achtung
Für mich stellt sich auch die Frage nach dem Respekt für eine Gesellschaft. Ich sehe wie hier im Ruhrgebiet oft junge Gruppen kaum mehr Respekt vor den geltenden Regeln wahren. Ampeln gibt es dann nicht. Personen aus Bussen und Bahnen erst aussteigen lassen bevor man selbst auf den Eingang drängt. Anstand scheint ohnehin nicht mehr zu gelten, Vortritt für Ältere und Gebrechliche gibt es kaum mehr. Da stellt sich für mich auch, wie lange bin ich bereit dies mitzutragen. Es widerspricht meinen Werten. Es schadet besonders Älteren und Gebrechlichen. Eine Gesellschaft die ich so nicht respektieren kann. Wenn sozial, dann nicht mit der Zukleisterung von Problemen mit gigantischen neuen Schulden, sondern zuerst mit den kleinen Dingen im Alltag. Diese kann man ausweiten. Aber doch nicht die kleinen Dinge ignorieren und die großen Probleme, die auch deswegen entstehen, auf Kosten künftiger Generationen auszublenden.
„Der in Deutschland wahrscheinlich völlig unbekannte, in Frankreich umso berühmtere Offizier Hélie de Saint Marc“ erinnert an eine Frage, die aktueller denn je ist.
„Doch über die unmittelbare französische Geschichte hinaus reicht die Bedeutung dieses Lebensweges weit in die Gegenwart Europas hinein. Denn die eigentliche Frage, die sich aus Saint Marcs Handeln ergibt, betrifft nicht allein die kolonialen Kriege Frankreichs, der Europäer oder der anderen Zivilisationen, sondern das grundsätzliche Verhältnis zwischen Staat, Pflicht und Gewissen. Was geschieht, wenn die Loyalität gegenüber einer politischen Ordnung in offenen Widerspruch zur Loyalität gegenüber konkreten Menschen tritt? Was bleibt dem Einzelnen, wenn die Autorität, der er verpflichtet ist, Entscheidungen trifft, die er als moralisch unerträglich empfindet?
Die moderne Massengesellschaft hat auf diese Fragen bislang kaum überzeugende Antworten gefunden. Sie verlangt Gehorsam gegenüber rechtsstaatlichen Institutionen und zugleich moralische Verantwortung gegenüber universalen Prinzipien – doch sie scheut sich, den tragischen Konflikt zwischen beiden offen anzuerkennen.
Gerade hierin liegt die bleibende Aktualität der Gestalt Hélie de Saint Marcs: nicht in der Rechtfertigung eines von Anfang an gescheiterten Putsches, sondern in der Erinnerung daran, daß es Situationen geben kann, in denen jede Entscheidung Schuld mit sich bringt und selbst die Treue zur Pflicht nicht vor tragischen Konsequenzen schützt.“ https://www.dersandwirt.de/helie-de-saint-marc/