Das Internet ist kein Neuland mehr, sondern einer der zentralen Orte für die Entstehung öffentlicher Meinung. Wer verstehen will, warum sich Stimmungen verändern, wie Gesellschaft fragmentiert wird und warum wie gewählt wird, muss dahin schauen, wo Menschen täglich diskutieren, streiten oder auch...schweigen: in die gar nicht mehr so sozialen Medien.
Genau dort haben wir ein Problem. Die aktuelle Analyse digitaler Diskussionsräume zeigt, dass sich mehr als zwei Drittel der deutschen ( und vielleicht auch österreichischen) Internetnutzer soziale Medien als Raum für konstruktive Diskussionen wünschen, fast so viele sehen sie aber aktuell als nicht geeignet dafür.
Die Stimmung im Netz ist schlecht und Menschen verhalten sich dort aggressiver als im echten Leben. Soziale Medien werden zunehmend als Ort genutzt, um digital realen Frust abzulassen.
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Für jeden Dritten bedeutet Meinungsfreiheit im Internet, dass jede Meinung geäußert werden darf, auch Beleidigungen und Falschbehauptungen.
Algorithmen vertärken extreme Meinungen und belohnen polarisierende Beiträge mit Reichweite.
Wer differenziert argumentiert, verliert gegen Zuspitzung.
Problematisch ist, was deswegen passiert: "Silencing" nennt sich dieses Phänomen, bei dem sich Menschen systematisch zurückziehen.
Manche lesen nur noch mit, beteiligen sich aber nicht mehr, posten, widersprechen und korrigieren nicht.
Wer keine Lust auf schlechte Laune oder Beschimpfungen hat bleibt, bzw. wird still. Genau dies ist Ziel der aggressiven Akteure.
So entstehen verzerrte Öffentlichkeiten. Nicht, weil die Mehrheit radikal wäre, sondern weil die Mehrheit leise ist.
Widersprechen wir, wenn Unsinn verbreitet wird?
Differenzieren wir, wo andere vereinfachen?
Unser Verhalten hat konkrete Folgen. Wenn sich vor allem diejenigen durchsetzen, die am lautesten, aggressivsten und bedrohlichsten auftreten, prägt das den Ton insgesamt.
Es verschiebt die Grenzen dessen, was als normal und angemessen gilt und verzerrt die Wahrnehmung, welche Meinungen eine Mehrheit haben.
Am Ende entscheidet sich daran aber mehr als nur die Qualität einzelner Diskussionen.
Es geht darum, ob öffentliche Debatten in sozialen Medien wieder ein Ort werden, an dem unterschiedliche Sichtweisen sichtbar werden- oder ob sich ein Stil durchsetzt, der viele zum Schweigen bringt.*
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Am Beispiel von @fischundfleich lässt sich zeigen, dass in den letzten Jahren etliche moderate oder auch eher linke User die Plattform verlassen haben.
Sie wurden von einer kleinen, aber rabiaten Minderheit buchstäblich zum Schweigen gebracht. Weggeekelt. Mundtot gemacht.
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Nun liest man auf dieser einst sehr lebendigen und vielfältigen Plattform von morgens bis abends Drohungen, Beleidigungen und unverhohlene, schamlose, enthemmte und groteske Gewaltfantasien gegen alle, die als "links" identifiziert werden.
Diesen wird dann von einer scheinkultivierten Dame Folter an den Hals gewünscht ( Oubliette/restriktive Wassermethoden), sie werden unter Applaus "Zecken" oder wahlweise "Krätze" genannt, für die eine Kugel zu schade wäre, sie werden "linkes Drecksviech, das verrecken soll" geschimpft,das mit einem Spaten erschlagen gehört, ganz frech werden Vernichtungswünsche in Reihe geposted, man verspottet Ertrunkene und die Akteure liken und bekräftigen sich in ihrem Brass gegenseitig; feuern und stacheln sich an.
Das "G'frast" hat es nicht verdient zu leben. Und wenn man es geschafft hat, einen User zu vertreiben, wird das gefeiert und nachgetreten.
So weit so schlecht.
Gelingt es diesen Personen, diese Plattform endgültig zu übernehmen und dann "ganz unter sich zu sein", oder wird es auch in Zukunft noch einige Wenige geben, die Contra geben und einen etwas respektvolleren und konstruktiveren Umgang fordern?
Ist dies überhaupt im Sinne der Plattform?
Oder stellen SOLCHE (ungelöschten und nicht sanktionierten) Postings:
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"So wie der eine in Bayern, der mal auf ein Kriegerdenkmal spuckte (ich war dabei und habe es den Leuten dort erzählt).
Der hat das aber bald bereut...
Über den sagte man dann: "Mach Dir keine Sorgen, Bua, für sowas gibt's Moore."😂😂😂
Wer weiß, vielleicht schrie der Rotzer dann, während er immer tiefer im Sumpf versackte, noch mit dem letzten Atemzug: "Auf Wiedersehen in Utgard!"
Dann floß das unappetitliche Güllewasser in seine zauselbärtige Gosche und man hörte nur noch wenige Sekunden lang ein greuliches Husten und Gurgeln, dann ging er vollends unter.
Glllg! machte er, und...
Nur noch ein paar Blasen auf der Wasseroberfläche kündeten davon, dass hier gerade ein Kommi versenkt worden war.😎"
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in Zukunft das "neue Normal" dar?
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*angelehnt an einen Artikel von Rainer Faus