Der Leipziger Attentäter passt so gar nicht in das schnelle Erregungsnarrativ der sozialen Medien. Entgegen all den reflexhaften Rufen war er weder Afghane noch Flüchtling, weder Muslim noch Migrant. Er hatte keinen Migrationshintergrund, keine fremde Religion, keine „importierte“ Ideologie. Er war Deutscher von Geburt, blass, glatzköpfig, Kickboxer, Prepper – und nach bisherigen Erkenntnissen klar im rechtsextremen Milieu verortet.
Gerade deshalb ist der Fall so aufschlussreich. Denn wie schon in Mannheim und Magdeburg zeigt sich ein Muster: Teile der rechtsextremen Szene übernehmen zunehmend islamistische Vorgehensweisen, insbesondere die Nutzung von Fahrzeugen als Waffe. Nicht, weil ihnen die Mittel fehlen – im Gegenteil, rechtsextreme Täter verfügen oft über Zugang zu Schusswaffen. Aber sie wählen Methoden, die maximale Wirkung bei minimalem Risiko für ihre eigene Ausrüstung erzeugen.
Diese strategische Imitation ist kein Zufall. Sie folgt einer Logik der Effizienz und der medialen Schockwirkung. Während in den Kommentarspalten noch über „falsche Herkunft“ spekuliert wird, zeigt der Fall etwas viel Unbequemeres: Gewalt entsteht nicht durch Pässe, sondern durch Ideologien. Und rechtsextreme Täter sind längst bereit, die Taktiken anderer Extremisten zu kopieren, wenn sie ihnen nützen.
Wer das ignoriert, bekämpft nicht Extremismus – er füttert seine Mythen.