Ich werde nicht müde, menschliche Überheblichkeit, Arroganz, fehlende Weitsicht und ungerechtfertigtes Vertrauen in Wissen und Rationalismus als die wahren Ursachen der Krise anzuprangern, die letztlich zum Zerfall der westlichen Zivilisation führt.

Das ganze stammtischhafte Geschwätz über deutsche Politik interessiert mich wenig. Bei Politik und Fußball ist ja jeder Experte. Als Musterschüler einer unheilvollen Entwicklung sind wir lediglich als erste dran. That´s it.

Ich denke eher in menschheitsgeschichtlichen Dimensionen. Über das Verhältnis von „statisch“ und „dynamisch“ etwa. Mir scheint ein kluger Mensch, der weiß, dass er nie alle Umstände und Entwicklungen im Blick hat, wird – salopp gesagt – 90 % seiner Energie auf die Bewahrung des Erreichten verwenden – ist also Konservativer im besten Sinne – und den Rest für Aufbruch und Veränderung. Wir leben in einer Zeit, in der dieses Verhältnis sich beginnt umzukehren. Auch bei der Urkraft der Evolution, der Replikation der DNA, ist es so, dass diese meistens (bewahrend) funktioniert und die (dynamischen und riskanten) Mutationen nur einen geringen Teil ausmachen.

Wir aber, größenwahnsinnig geworden, glauben alles Bewährte über Bord schmeißen zu können. Es ist ja schließlich das Werk alter weißer Männer. Der Aufbruch wird im Untergang enden, weil er naiv und selbstüberheblich angegangen wird. Dies kann man überall beobachten.

Nun teilen diese Überlegung mittlerweile einige Menschen. Aber sie glauben, dass es ein MEHR an Vernunft und Rationalismus, mathematischer Genauigkeit und Perfektion braucht, um uns zu retten. Ich halte dies für einen Irrtum, der maßgeblich zum gegenwärtigen Desaster beigetragen hat. Es sind nicht nur die Ideologen, die Schuld sind, wie manche und weismachen wollen.

Warum lernt man nicht aus der Vergangenheit? Ich habe mich aus Neugierde in den letzten Tagen sehr mit der „Schlacht um Midway“ beschäftigt, einiges gelesen und mehrere Dokus gesehen. Im Vergleich zur „Rettung der Welt“ und der „Neugestaltung der Zukunft/Weltwirtschaft“, die sich viele auf die Fahne geschrieben haben, war Midway ja bei aller Komplexität ein recht überschaubarer Vorgang, der mittlerweile auch gut dokumentiert ist.

Aus der Sichtweise der heutigen Veränderungsberserker, so scheint mir, wäre die Schlacht ein einfacher, rational zu begründender Vorgang. Man nimmt das Material, die Zahl der Soldaten, Anzahl der Schiffe und Flugzeuge, Reichweite der Geschütze, Wendigkeit und Bombenlast der Flugzeuge, Erfahrung der Kommandierenden etc. und rechnet das ganze einfach durch. So will man uns ja auch die perfekte Zukunft schmackhaft machen.

Wie lächerlich das alles ist, zeigen die heutigen Analysen des Vergangenen, hier der Schlacht um Midway. Ich will jetzt nicht auf die Details eingehen, aber Tatsache war, nichts von den rationalen Berechnungen kann den Ausgang der Schlacht erklären. Eher schon die Tatsache, dass es ein Kampf zweier vollkommen unterschiedlicher Kulturen mit unterschiedlicher Sozialisation war. Dass der japanische Befehlshaber ein phantasieloser Vorschriftenbeachter war. Dass die Amerikaner weniger auf Todesverachtung denn auf Sicherheit setzten und ihre Mannschaften darin trainiert waren, getroffene Schiffe zu retten und zu reparieren. Hier die Amerikaner, die mehr auf Flexibilität setzten und die Verantwortung Einzelner, dort die Japaner mit ihrem Ehrenkodex und strenger Folgsamkeit und Hierarchie. Der Mut Einzelner und ihre Motivation spielten eine große Rolle. Und ein ausgeflippter Kryptologe, der auch mal im Bademantel und Pantoffeln seinen Dienst versah und der das Angriffsziel „Midway“ herausfand. Opferbereitschaft und Heldenmut, heute weitgehend unbekannt, spielten eine große Rolle.

Was ich damit sagen will: Glaubt nicht denen, die euch raten, Bewährtes über Bord zu werfen, weil sie die Zukunft voraussehen oder –berechnen können. Das konnten Menschen noch nie. Die Geschichte ist voller Beispiele dafür, dass – wie Nietzsche sagte – „alles Entscheidende aus einem trotzdem entsteht“.

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