Wenn auch die Feuerwehr nicht mehr weiter weiß.

Wenn die Erde von innen glimmt: Das unterschätzte Drama der ewigen Untergrundbrände

Wenn wir an Wald- und Flächenbrände denken, haben wir flackernde Flammen, herabstürzende Baumkronen und dicke Rauchwolken am Horizont vor Augen. Doch die zerstörerischsten Feuer spielen sich oft dort ab, wo sie niemand sieht: tief unter der Oberfläche. Ausgetrocknete Böden, sinkende Grundwasserspiegel und jahrzehntelange Entwässerung von Mooren verwandeln organische Erdschichten in gigantische, schwelende Kohlenstoffspeicher.

Ein berüchtigtes Beispiel für diese unlöschbaren Inferno-Phänomene ist das sogenannte „Höllenloch“ in Usbekistan, das seit über fünfzig Jahren ununterbrochen brennt. Ähnliche, aber weniger sichtbare, apokalyptische Szenen spielen sich seit Jahren in den weiten Tundren und Wäldern Sibiriens ab. Dort nähren endlose, ausgetrocknete Torfschichten unterirdische Feuer, die den Frostboden von innen heraus zerstören. Selbst im tiefsten Winter, wenn die Oberfläche im Schnee versinkt, graben sich die Glutnester frostunabhängig meterweit in die Tiefe. Sie trotzen jedem Regen, weil sie von Sauerstoff und trockenem Material aus dem Erdinneren versorgt werden.

Dass dieses Phänomen längst keine ferne Exotik mehr ist, zeigt ein dramatischer Fall vor unserer Haustür: In Meuselwitz in Thüringen quälen hartnäckige, unterirdische Schwelbrände die Region seit Wochen. Der Boden glimmt, giftige Gase steigen auf, und die Feuerwehr stößt bei dem Versuch, an die Glutnester heranzukommen, an physikalische und technische Grenzen.

Mit dem fortschreitenden Klimawandel und sinkenden Grundwasserständen in Deutschland wird Meuselwitz kein Einzelfall bleiben. Wenn sich die Sommer weiter erhitzen und die Wintertrockenheit zunimmt, drohen auch hierzulande großflächige Torf- und Kohleflözbrände. Die Konsequenzen für die betroffenen Regionen sind verheerend: Die Erde wird von innen ausgehöhlt, Straßen sacken ab, und die Ökosysteme sterben unbemerkt von der Wurzel her.

Vor allem aber droht den umliegenden Gemeinden eine unsichtbare Dauerkrise. Werden diese unterirdischen Feuer erst einmal heimisch, lassen sie sich kaum noch löschen. Sie produzieren monatelang einen wabernden, beißenden Gestank und gesundheitsschädlichen Qualm, der sich wie eine Dunstglocke über ganze Landstriche legt. Langfristig droht die bittere Realität, dass zahlreiche betroffene Dörfer und Siedlungen unbewohnbar werden – nicht, weil die Häuser zerstört sind, sondern weil die Luft zum Atmen fehlt und die Erde buchstäblich unter den Füßen brennt.

https://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Unterirdisches-Feuer-quaelt-Thueringer-Ort-seit-Wochen-id31343778.html

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