Insektenessen muss sexy werden

Derzeit leben acht Milliarden Menschen auf dem Planeten, 2040 bis 2050 sollen es je nach Berechnung neun bis zwölf Milliarden sein. So viel Fleisch, wie wir in Europa und in den USA verzehren, isst der Rest der Welt noch nicht. Viele andere, ehemalige Schwellenländer entdecken das Fleisch erst. Das wird ein Problem werden.

Man braucht gar kein großer Verfechter von Veganismus oder Umweltschutz sein, um den übermäßigen Fleischkonsum abzulehnen. Es geht, und das wird wohl vor allem der Industrie gefallen, um Effizienz. Um zum Beispiel eine Kalorie Rindfleisch zu produzieren, müssen elf Kalorien investiert werden. Beim Schwein braucht es sechs bis sieben, beim Huhn knapp fünf Kalorien. Insekten, wie etwa Mehlwürmer, der Buffalo-Worm oder Heuschrecken, brauchen nur rund 1,5. Alleine schon mit dieser Rechnung sollte klar ersichtlich sein, dass Insekten eine effiziente Form von Nahrung sind. Noch dazu ist das Eiweiß der Würmchen für den Menschen viel verträglicher, weil es dem Menschlichen sehr ähnlich ist.

Aber die Menschen haben etwas gegen Insekten. Mehlwürmer im Getreidespeicher sind für uns furchtbar – würden wir aber ein paar Schweine rein lassen, würden die das Getreide genau so fressen. Es ist halt in unseren Köpfen drinnen. Vielleicht liegt es daran, dass man Nutztiere „angreifen“ kann. Ein Schwein ist plastisch. Insekten sind klein, man kann sie in der entsprechenden Masse ja auch nicht einfach töten. Um Insekten zu vernichten, braucht es eine große Mengen an Insektiziden.

Noch dazu können wir uns den großflächigen Ackerbau auch nur aufgrund der riesigen Maschinen leisten. Die schlucken zumeist Erdöl. Wo ist die Technologie, die diese Art von mechanisierter Landwirtschaft auch ohne „schwarzes Gold“ ermöglicht. Wie machen wir das, wenn das Erdöl einmal weg ist? Dann schwindet die Effizienz noch mehr. Genau da kommt eben die Insektennahnrung ins Spiel und es gibt statt einem Kukuruzfeld ein Insektengehege. Immerhin geht Jahr für Jahr Humus, also fruchtbare Erde, durch Monokulturen verloren, weil es ins Wasser verschwindet und als Sumpf im Meer landet. Dort können wir aber nichts anbauen? Kurzum: So, wie wir derzeit produzieren, ist das ein Raubbau an den zukünftigen Generationen.

Natürlich wäre das Effizienteste, gleich das Getreide zu essen. Vegane Ernährung wäre das Nachhaltigste. Zunächst einmal wollen aber nicht alle Menschen vegetarisch leben. Und des Weiteren hat der Mensch seit tausenden Jahren einen gewissen Anteil an tierischen Eiweißen zu sich genommen. Wenn die Menschheit nun von heute auf morgen mit dem Fleischessen aufhören würde, wäre das wohl insgesamt für die Gesundheit nicht gut. Wir müssen also langsam abschwingen. Also sukzessive über die nächsten 500 Jahre weniger Fleisch essen.

Zudem steht interessanter Weise der wachsende Wohlstand in ehemaligen Entwicklungsländern wie China, Indien oder Teilen Afrikas, Südamerikas und Asiens einem fleischloseren Lebensstil im Weg. Fleisch war auch hierzulande einmal ein Luxusgut, nun fangen – vereinfacht – zwei Milliarden InderInnen und ChinesInnen vermehrt damit an. Da hilft es wenig, wenn es hier in Europa und den USA einen großen Trend vom Fleisch weggeben würde. Selbst wenn „wir“ nun 50 Prozent weniger Fleisch essen, würde das wenig bringen, wenn andernorts mehr gegessen wird.

Wir müssen unseren Geist einfach für Insekten öffnen. Es muss „sexy“ werden, Insekten zu essen. Ein kleiner Vergleich zum Schluss: Beim Extrawürstel sehe ich ja auch das Tier nicht.

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Dieter Knoflach

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Bernhard Juranek

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