Manchmal kommen eines Tages Dinge ans Tageslicht, die für Manchen unangenehm werden. So erschien vor wenigen Tagen das Buch „Die Wochenend-Scharfschützen“ des italienischen Autors Ezio Gavazzeni. Darin beschreibt er die Taten von finanziell offenbar gut ausgestatteten Menschen, die im Jugoslawienkrieg ihre Sehnsucht nach tödlichen Schüssen auf hilflose Menschen befriedigten. Die Scharfschützen kamen aus einigen europäischen Ländern von Triest aus per Privatflugzeug oder Hubschrauber in die Umgebung von Sarajevo und begannen ihre Jagd von den umliegenden Hügeln aus. Zeugen hätten beschrieben, dass die Männer mit Tarnkleidung, Wanderschuhen, Sonnenbrillen und Jagdgewehren für Großwild ausgerüstet waren.
Die Aktionen waren natürlich nicht kostenlos. Pro erschossener Person fielen heftige Beträge an: für ein Kind oder ein 15-jähriges Mädchen umgerechnet 100.00 Euro, für eine Frau 70.000 Euro und für einen Mann (lediglich) 50.00 Euro. Eine andere Preisliste, vermutlich von einem anderen „Unternehmer“, verlangte 50.000 Euro für Zivilisten mittleren Alters, 95.000 Euro für Frauen mittleren Alters und 110.000 Euro für schwangere Frauen. In der Summe wurden von den Wochenendschützen während der 4-jährigen Belagerung von Sarajevo 11541 Menschen getötet, darunter 1601 Kinder.
Der Autor konnte bei seinen Recherchen von einigen Geheimdienstmitarbeitern (selbstverständlich vertraulich) erschreckende Details erfahren. So soll auch ein nicht namentlich genanntes Mitglied eines europäischen Königshauses mit auf der Jagd gewesen sein. Man rechnet damit, dass die an den „Wettbewerben“ Beteiligten heute zwischen 65 und 80 Jahre alt sind, viele auch nicht mehr unter uns weilen.
Italienische Staatsanwälte begannen mit den Ermittlungen im November 2025. Vielleicht findet sich ja ein Gericht, dass die Mörder, um solche handelt es sich ja, ihr Leben auch unter Kugeln beenden können. Ein bisschen Gerechtigkeit kann ja nicht schaden.