Plakatiert Sebastian Kurz und alle wissen, was gemeint ist. Aber was steht da wirklich auf diesem Plakat mit drauf ohne erwähnt zu sein? Sebastian Kurz ist verantwortungsbewusst. Er steht zu dem was er denkt. Und er macht es auch, trotz Gegenwind, also auch dann, wenn nicht alle seiner Meinung sind. Soweit der Inhalt, der durch das Sujet vermittelt werden soll.

Psychologisch interessant und konträr zu der eigentlichen Botschaft ist aber die Wahl der Worte selbst.

“Tun, was richtig ist.“ ist entweder ein verkürzter Imperativ im Sinne einer Aufforderung, der man selbst nach kommt also: “Tun wir, was richtig ist.” oder eine beschreibende Verkürzung von: “Man muss tun, was richtig ist.” oder schwächer: “man sollte tun, was richtig ist.”

In jedem Fall bleibt es unpersönlich. Was logisch und erklärbar damit ist, dass es keine außergewöhnliche Leistung sein sollte, zu tun, was man selbst richtig findet, und das somit keinen guten Slogan macht. Aber darum geht es ja eben nicht: Kommuniziert werden soll ja nicht, dass Sebastian Kurz tut, was ER für richtig hält. Kommuniziert werden soll, dass er tut, was richtig IST.

Was MAN richtig findet. Sebastian Kurz tut also, das, was WIR richtig finden.

Der Slogan etabliert also einen gemeinsamen Konsens zwischen Wähler und Sebastian Kurz, darüber was richtig ist, was getan werden muss. Er kommuniziert keinen eigenen Willen, keine Persönlichkeit dahinter. Sebastian Kurz bietet sich uns als Diener, als Ausführender unseres Willens an. Das entspricht auch seinem Politikverständnis, wie man es auf seiner Homepage nachlesen kann: "Politik soll dienen." Dienen ist aber das Gegenteil von Verantwortung übernehmen.

Denn Verantwortung zu übernehmen heißt: Zu tun was man selbst richtig findet und dessen Konsequenzen zu tragen. Und nicht einfach das zu tun, was man tun sollte oder muss.

Verantwortung heißt nicht “Tun, was offenbar alle richtig finden, aber zu dem sonst (seltsamerweise trotzdem) niemand bereit ist, es auch wirklich zu tun.” Aber das suggeriert der Slogan: Verantwortung ist, das zu tun, was richtig ist. Niemand tut es. Aber irgendwer muss es machen.

Aber sind wirklich alle anderen Kandidaten zu feig oder ideologisch zu verblendet "es" zu tun? Wenn es wirklich diesen Konsens darüber gibt, was richtig wäre, dann muss offenbar etwas unangenehmes damit verbunden sein. Etwas, das man nicht gerne tut. Etwas, das man lieber delegieren würde. Und genau das bietet der Slogan an:

Sebastian Kurz wird es tun. Er wird tun, was sonst niemand tun will. Er wird tun, was getan werden muss. Er wird es für uns tun.

Hoffentlich aber nur solange er es wirklich auch selbst richtig findet. Das wäre verantwortungsbewusst.

Persönliche Anmerkung:

Ich möchte betonen, dass dieser Artikel nur die Botschaft selbst analysiert, und sich nicht anmaßt grundsätzlich das Verantwortungsbewusstsein des Kandidaten oder dessen Politik zu bewerten. Thematisiert soll vor allem das problematische Verständnis des Verantwortungs-Begriffs werden, wie es durch das Sujet zwischen Kandidat und seinen Wählern beschrieben wird.

Dort wo Verantwortung heißt blos "zu tun, was richtig ist", entsteht ein verantwortungsloser Raum, in dem Entscheidungen entpersonalisiert sind. Am Ende hat niemand Schuld, weil niemand Verantwortung trug. Der Politiker erhielt seinen Auftrag für seine Entscheidungen ganz demokratisch von seinen Wählern. Seine Wähler haben ihre Verantwortung scheinbar an diesen Politker abgegeben. Und die Gesellschaft befolgt völlig verantwortungslos nur die entpersonalisierten Entscheidungen, die auf diese weise getroffen wurden. Wenn Politiker nur zu tun bräuchten, was die Mehrheit (gerade) richtig findet, dann wären sie die allerersten, die von einem Algorithmus ersetzt werden könnten. Aber Politik, Verantwortung und Demokratie sind eben mehr als die Summe ihrer Teile, mehr als die Summe aller Wählerstimmen.

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hagerhard

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Markus Andel

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Zaphod Beeblebrox

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